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So war die 20. und letzte Plattform der Kleinserie in Bauma

Ein letztes Mal strömten Modelleisenbahn-Fans nach Bauma und konnten vom Sound bis zum Bahnhofshäuschen alles bestaunen – und kaufen.

Die Grossspurmodelle von Kiss sind sehr beliebt unter Modelleisenbähnlern.

Foto: André Gutzwiller

So war die 20. und letzte Plattform der Kleinserie in Bauma

Ort für Modelleisenbahnfans

Erneut sind Modelleisenbahn-Liebhaber aus der ganzen Schweiz nach Bauma an die Plattform der Kleinserie gereist. Nach der Veranstaltung war klar: zum letzten Mal.

Mit geübtem Blick schaut Raymond Perret auf die Modelleisenbahn vor ihm. Der Verkäufer gegenüber erklärt ihm einige Details – schnell gerät er ins Fachsimpeln. Perret und sein Sohn Yann hören interessiert zu – bedanken sich und gehen dann zum nächsten Stand.

Raymond und Yann Perret sind zwei der zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Plattform der Kleinserie, die sich selber als «die Ausstellung für Liebhaber von Modelleisenbahnen, Kleinserienmodellen und exklusivem Zubehör» beschreibt. Am Wochenende fand die 20. Ausgabe des Anlasses im Schulhaus Altlandenberg sowie im Zentrum Grosswis in Bauma statt.

Die Plattform der Kleinserie in Bauma zog viel Publikum an.
Raymond Perret ist mit seinem Sohn Yann eigens aus La Chaux-de-Fonds angereist. Mit dem Zug, versteht sich.

«Wir sind beide Modelleisenbahnfans», sagt Raymond Perret. Er interessiert sich dabei vor allem für ältere Züge. «Und ich baue vor allem Moderne, ab dem Jahr 2000», ergänzt sein Sohn Yann.

Die beiden sind aus La Chaux-de-Fonds nach Bauma zur Ausstellung angereist – natürlich mit dem Zug. Denn eine vergleichbare Veranstaltung gebe es in der Westschweiz nicht.

Der richtige Sound und die passende Weiche

«Wir suchen hier vor allem Inspiration», sagt Raymond Perret. Kaufen wollen die beiden Eisenbahn-Enthusiasten nichts. «Das tun wir meistens online», gesteht sein Sohn ein.

Inspiration, das finden die Perrets an der Plattform der Kleinserie genug. An der Messe gab es an 42 verschiedenen Ständen vom kleinsten Zubehörteil über den richtigen Sound bis zum fertigen Modell der Schynige Platte vieles zu entdecken.

So zum Beispiel am Stand von Völklein Modellbau aus Uhldingen am Bodensee. «Wir sind darauf spezialisiert, Weichen auf Bestellung individuell zu bauen», erklärt Sebastian Völklein. «Und zwar in jeder Spurgrösse.»

Denn in der Modellbauwelt gibt es unterschiedliche Spuren – so bezeichnet man die Grösse des Gleissystems. Spur 1 steht beispielsweise für den Massstab 1:32 mit einer Spurweite von 45 Millimetern.

Sebastian Völklein ist der Sohn von Gründer Walter Völklein, auch genannt «Weichen-Walter». Das Unternehmen der Familie Völklein ist bereits seit der zweiten Auflage der Messe in Bauma mit dabei. An der Ausstellung Präsenz zu zeigen, ist für das Unternehmen wichtig.

Denn ihre Stücke sind für Liebhaber bestimmt – der Nachbau einer Weiche kann gut über 1000 Franken kosten. Auch Laien wird an der Plattform der Kleinserie schnell klar: Wer sich für Modellbahnen interessiert, der muss unter Umständen tief in die Tasche greifen.

«Es gibt zwar auch günstigere Modelle», betont Thomas Habrik aus Pfungen. An der letzten Messe hat er sich aber eine neue Lokomotive für fast 4000 Franken «gegönnt».

Ohne Budget an die Messe

Seit mehreren Jahren hat ihn das Sammelfieber gepackt. «In der Zwischenzeit habe ich eine Tabelle, damit ich nachschauen kann, was ich schon alles habe.» Er war bereits mehrmals an der Plattform der Kleinserie, ist jedoch nicht auf der Suche nach einem bestimmten Stück. «Aber wenn ich etwas finde, das mir passt, wer weiss», sagt Habrik. Ein Budget habe er sich nicht auferlegt.

Doch für Habrik und die anderen Modellbahnfans war die diesjährige Ausgabe der Plattform der Kleinserie die letzte in Bauma. Nach der Ausstellung haben die beiden Veranstalter Roland Born und Marcel Hämmerli auf ihrer Website informiert, dass das Format eingestellt wird. Dazu gebe es verschiedene Gründe.

«Ausschlaggebend waren unter anderem die stetig kleiner werdende Ausstellerzahl (altersbedingt) und die sinkenden Besucherzahlen», schreiben die beiden in der Mitteilung.

Es geht weiter, aber nicht in Bauma

Dieses Jahr kamen laut Roland Born noch 1800 Personen an die Messe, in der Regel waren es zwischen 2200 und 2500 Besucher. Born, der ein eigenes Modellbaustudio in Rapperswil-Jona betreibt, kennt die Branche gut. «Wir haben ein Nachwuchsproblem», sagte er an der Messe offen.

Das habe auch damit zu tun, dass vielen Personen Zeit und Geld fehlten, sich in jüngeren Jahren intensiv mit dem Hobby zu beschäftigen. «Ich habe immer wieder Kunden, die eine Anfertigung wünschen und mir sagen: ‹Als das auf den Markt kam, hatte ich zwei Kinder in der Ausbildung, da lag es nicht drin.›»

Auch wenn die Ausstellung die letzte in Bauma war, geht das Format in anderer Form weiter. Born und sein Mitstreiter geben die Geschicke der Messe in neue Hände.

Die Ausstellung wird fortan in Balsthal im Kanton Solothurn stattfinden. Geplant sind eine Halle für Kleinserienhersteller, also solche, die nur in kleiner Stückzahl produzieren, und eine für Grossserienhersteller und Klubs. Die erste Ausgabe der neuen Messe ist im Jahr 2026 geplant.

Und wie Bauma mit dem Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) kann auch Balsthal mit einer historischen Eisenbahn auftrumpfen. So ist laut der Mitteilung eine Zusammenarbeit mit der Oensingen-Balsthal-Bahn geplant. -Balsthal-Bahn

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