Steigt in Westafrika ein Fest, feiert auch Russikon mit
Edle Stoffe aus dem Oberland
Der «Boubou» gehört in weiten Teilen Westafrikas zum guten Ton. Die Stoffe für diese traditionellen Gewänder kommen aus dem Zürcher Oberland.
Der Lärm ist ohrenbetäubend und wäre ohne Gehörschutz nicht auszuhalten. Mit 105 Dezibel rattern die 96 Webmaschinen in der Produktionshalle der Weberei Russikon, der letzten industriellen Baumwollweberei in der Schweiz. Pro Minute jagen diese Maschinen 650 horizontale Schussfäden durch die 12’000 vertikal in die Maschine eingespannten Kettfäden. In diesem mittlerweile rund 200-jährigen Herstellungsprozess entstehen schwere Damaststoffe und später Mode für Westafrika.
56 Mitarbeitende zählt die Weberei Russikon aktuell. Es waren schon bedeutend mehr in der bewegten Geschichte der 1887 als Weber & Bosshard gegründeten Weberei. Zunächst wurde von hier aus eine Handweberei im Verlagssystem organisiert. Rund 1000 Webstühle waren Ende der 1890er Jahre für die Firma in Betrieb. Viele davon standen in Privathäusern in und um Russikon, aber das Einzugsgebiet reichte bis in die Innerschweiz und das Berner Oberland.
Gewoben wurden zunächst Seidenstoffe. Doch die beiden Weltkriege und die Konkurrenz aus Fernost setzten diesem Geschäft zu, sodass nach und nach Baumwolle an die Stelle der Seide trat.

