Die Furrers laden zur letzten Metzgete im «Freihof» in der Schmidrüti
Aus nach 30 Jahren
Seit zehn Generationen führt die Familie Furrer das Gasthaus zum Freihof in der Schmidrüti. Nach der Metzgete im Oktober ist für Ursula und Jakob Furrer Schluss. Dann stehen die Zeichen auf Veränderung.
«Das machen wir mit links», waren Ursula und Jakob Furrer überzeugt, als sie vor 30 Jahren das Gasthaus zum Freihof in der Schmidrüti von Jakobs Eltern übernahmen. Für die beiden sollte das Restaurant eine Zusatzaufgabe zu ihrem Landwirtschaftsbetrieb gleich nebenan sein.
Doch schnell mussten die beiden feststellen: So einfach ist die Gastronomie nicht. «Es kamen auch immer mehr Besucherinnen und Besucher», erinnert sich Ursula Furrer.
Aus dem Nebengeschäft wurde so rasch die Hauptaufgabe. Und auch wenn die Furrers aus der Landwirtschaft harte Arbeit gewohnt waren, kamen sie an ihre Grenzen. «Wir wussten zwar, wie man Rahmschnitzel mit Nüdeli kocht, aber damit kommt man auch nicht weit», erklärt ihr Mann.
Der Chef als Lehrling
Aufgeben, das war aber keine Option für das Ehepaar. Denn der «Freihof» ist der Familie Furrer wichtig. Seit 1711 ist das Gasthaus das Zuhause der Familie und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Jakob und Ursula Furrer sind bereits die zehnte Generation, die im «Freihof» wirtet.


Und so stellten sie kurz nach der Übernahme einen erfahrenen Koch an. Dessen Aufgabe war es primär, Jakob Furrer das Küchenhandwerk beizubringen. Der Chef war damit der Lehrling. Doch der Einsatz hat sich gelohnt.
«Er hat mir alles gezeigt und mich eigentlich zum Koch ausgebildet», erinnert sich Jakob Furrer. Er lernte dabei nicht nur alle nötigen Handgriffe und Tricks in der Küche, sondern auch, wie wichtig die Planung und die Vorbereitung sind. «Denn schliesslich wollen immer alle am Tisch gemeinsam essen.»
Gekocht wird im «Freihof» nicht etwa auf einem modernen Gastroherd. Bis heute stehen in der Küche ein Herd und ein Ofen, die noch mit Holz beheizt werden. Daran ändern wollten die Furrers nie etwas. Die Geräte funktionieren gut. «Und wenn man weiss, wie es geht, kann man damit sehr gut backen und kochen», betont Jakob Furrer.
Traditionelle Metzgete
Zehn Jahre lang bis 2004 führten die Furrers ihren Gasthof gleichzeitig zum Landwirtschaftsbetrieb. Als dann ihr Sohn Andri bereits mit Anfang 20 den elterlichen Hof übernehmen konnte, war die Freude gross.
Denn das erlaubte Jakob und Ursula Furrer, im Gasthaus «Vollgas zu geben». Das Angebot hatte sich in den Jahren zuvor etabliert. Ein Streichelzoo und ein Spielplatz auf dem Heuboden zogen vor allem viele Familien in die Schmidrüti. Und ein Highlight war jedes Jahr die Metzgete.
Früher wurden im Herbst die Tiere geschlachtet, die man nicht über den Winter füttern wollte. Alle Produkte, die man nicht haltbar machen konnte, beispielsweise durchs Räuchern, musste man sofort verzehren. Dazu zählen Innereien oder Blut, aus dem man Blutwurst herstellen kann. Daraus entstanden ist die Metzgete in ihrer heutigen Form, das traditionelle Fleischessen im Herbst.
Diese Tradition haben die Furrers im «Freihof» stets hochgehalten. Das Spezielle: Jakob Furrer stellt mithilfe seiner Familie sogar heute noch Blut-, Brat- und Leberwürste im Haus her – nach altem Familienrezept. Das restliche Fleisch beziehen die Wirte von der Metzgerei Brunner in Turbenthal. «Und wenn ein Vegetarier in einer Gruppe dabei ist, gibt es auch für ihn etwas Feines», betont der Wirt und Koch.
Ein Pop-up-Restaurant
Der Herbst war stets Grosskampfzeit für das Paar. «Früher hatten wir zehn Wochen lang Metzgete», erinnert sich Ursula Furrer. Und auch dieses Jahr findet noch bis Ende Oktober die Metzgete im «Freihof» statt, vier Wochen lang jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Die Furrers rechnen mit 400 bis 500 Gästen pro Woche, die meisten Plätze sind bereits Wochen im Voraus reserviert. «Bei so vielen Gästen muss jeder Handgriff sitzen», betont Jakob Furrer.
Er kann während der Metzgete auf langjährige Mitarbeitende im Service zählen – und sogar auf die Mithilfe der Familie. In der Küche steht der australische Schwiegersohn am Herd, eigentlich kein ausgebildeter Koch. «Aber er kann unseren 130-jährigen Holzherd bedienen wie ein Weltmeister», betont Jakob Furrer.
Die diesjährige Metzgete, die am Donnerstag begonnen hat, löst in ihm und seiner Frau aber gemischte Gefühle aus. Denn es ist ihre Letzte. Im kommenden Jahr geben sie das Restaurant in neue Hände, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin innerhalb der Familie haben sie nicht gefunden. Nach zehn Generationen endet die Ära Furrer im «Freihof».
Eigentlich hätten die beiden schon 2018 ihren geliebten Gasthof in neue Hände geben wollen. Doch die neuen Pächterinnen waren der Aufgabe nicht gewachsen. Nach nur wenigen Monaten kehrten die Furrers 2019 nach Schmidrüti zurück und übernahmen das Zepter wieder. Doch völlig verausgaben wollten sie sich nicht mehr.
So haben die beiden in den letzten Jahren die Öffnungszeiten im «Freihof» reduziert – Stück für Stück. «Dass ich an einem schönen Sonntag wandern ginge, hätte ich mir vor ein paar Jahren noch nicht vorstellen können», sagt Ursula Furrer. «Aber eigentlich waren wir in letzter Zeit nur noch ein Pop-up-Restaurant.» Geöffnet hatte die Gaststube in der Regel nur noch für gebuchte Anlässe – oder nun eben für die Metzgete.
Als Gast im «Freihof»
Auch wenn ihnen der Abschied schwerfällt, sind sie überzeugt, dass es der richtige Schritt ist. «Wir wollen jetzt auch noch ein ‹bitzeli› leben und die Zeit mit unseren zehn Enkelkindern geniessen», erklärt die Wirtin. Die beiden werden auch ihre Wohnung im Gasthof aufgeben und ihr neues Zuhause in Dussnang beziehen.
Das Wirtshaus verkaufen wollen die beiden aber nicht. «Das würden wir nicht übers Herz bringen.» Und noch immer besteht die Hoffnung, dass vielleicht einst eines der Enkelkinder den «Freihof» übernimmt – und die Ära Furrer damit noch nicht ganz zu Ende ist. «Aber wir machen da keinen Druck», betonen die beiden.
Im Vordergrund steht für sie die Freude, dass der «Freihof» ein Wirtshaus bleibt. «Und wir freuen uns, wenn wir dann einmal als Gäste hier sind.»
