Restaurant und Alpbetrieb: So geht das auf dem Schnurrberg in Turbenthal
Ab auf die Hütte – Teil 7
Julian und Angela Burkhard führen seit über zehn Jahren die Alp Schnurrberg in Turbenthal samt Restaurant. Etwas abseits des Dorfs auf 722 Metern über Meer braucht es teilweise auch unkonventionelle Lösungen.
Am Morgen im Stall, am Mittag in der Küche und am Abend im Büro. So sieht manchmal ein Arbeitstag für Julian Burkhard aus. Zusammen mit seiner Frau Angela pachtet er seit 2011 die Alp Schnurrberg oberhalb von Turbenthal – samt Alpwirtschaft.
Eine Alp auf 722 Metern über Meer? Das ist kein Widerspruch. «Wir sind ein Sömmerungsbetrieb», erklärt Burkhard. Das heisst, auf den Schnurrberg kommen Tiere während der Alpsaison, die auf den grosszügigen Weideflächen grasen und leben.
Aktuell betreuen die Burkhards rund 45 fremde Rinder. Zusätzlich halten sie 15 eigene Mutterkühe mit deren Kälbern. Das Fleisch ihrer Tiere verkaufen sie vollumfänglich in Direktvermarktung – oder nutzen es für ihre Alpwirtschaft. Auf dem Schnurrberg gehen Landwirtschaft und Gastwirtschaft in einem.
Das ist bereits seit mehreren Jahrzehnten der Fall. Als Julian und Angela Burkhard 2011 die Pacht des Betriebs übernommen haben, mussten sie beide Betriebszweige übernehmen. «Wir haben das schon etwas unterschätzt», erklärt er.
Gastrobetrieb ist das Hauptgeschäft
Das junge Paar – Julian Burkhard war noch in der Ausbildung zum Bauführer Holzbau – war damals vor allem auf der Suche nach einem Landwirtschaftsbetrieb, den es pachten konnte. Es war der Traum der beiden, einen eigenen Hof zu führen.
«Als wir dann auf dem Schnurrberg landeten, dachten wir, das klappt schon irgendwie mit dem Wirten», meint Julian Burkhard heute zurückblickend. «Wir waren schon etwas blauäugig, aber auch mutig.»
Denn die beiden mussten beim Landwirtschaftsbetrieb von null beginnen und gleichzeitig den Restaurantbetrieb stemmen. Zum Glück brachte Angela Burkhard, die auf einem Landwirtschaftsbetrieb in Seelmatten aufgewachsen ist, als gelernte Bäckerin-Konditorin etwas Vorwissen in der Küche mit.
Heute sind die zwei ein eingespieltes Team: Angela Burkhard schaut dabei zusammen mit zwei Angestellten im Restaurant zum Rechten und ist für die Direktvermarktung der Hofprodukte zuständig. Ihr Mann übernimmt die meisten Aufgaben in der Landwirtschaft und im Büro. «Aber am Sonntag bin immer ich in der Küche und helfe auch sonst aus, wenn es mich braucht.»
Die Gastronomie ist nämlich der wichtigste Betriebszweig. «Sie macht gut 70 Prozent aus», erklärt Julian Burkhard. Dazu gehören auch Anlässe für grössere Gruppen im umgebauten Alpstall.
Reduzierte Öffnungszeiten – für die Familie
Besonders stolz sind die beiden, dass die meisten Menüs auf der Speisekarte mit Produkten von ihrem Betrieb hergestellt werden. «Wir müssen beim Fleisch nur das Poulet zukaufen», sagt der Landwirt. Auch das Getreide für das Brot oder die Kartoffeln stammen aus eigenem Anbau. Das ist möglich, da die Burkhards seit 2015 auch Landwirtschaftsland in Madetswil pachten.
Auch wenn die Gastronomie der wichtigste Betriebszweig ist – die Burkhards stellen sie nicht über alles. Die Öffnungszeiten am Abend haben sie vor ein paar Jahren reduziert.
Noch ist das Restaurant bis 17 Uhr offen. «So können wir immer einmal pro Tag zusammen als Familie essen», sagt der Vater zweier Buben im Alter von drei und neun Jahren. Ausserdem bleibt die Wirtschaft an einem Sonntag pro Monat zu, im Frühling und im Sommer machen sie auch Betriebsferien.
Die Arbeitsbelastung ist für das ganze Team immer noch hoch genug. Bei dem schönen Wetter, das im Moment herrscht, ist die Auslastung im Restaurant auch unter der Woche hoch. Der Schnurrberg ist bei Ausflüglern ein beliebtes Ziel.
Treue Kundschaft, familiäre Stammgäste
Zu ihnen gehören auch Erwin und Klara Frei aus Elsau. Die beiden sind Stammgäste. «Wir kommen sicher seit über 50 Jahren regelmässig hierher», erzählt Erwin Frei.
Heute haben er und seine Frau ihr Auto am Waldrand parkiert und sind dann zur Hütte gewandert. Damals wie heute schätzen die beiden eine Pause im «Schnurrberg» mit einem kühlen Getränk, bevor sie sich wieder auf den Weg machen.
Zum Mittagessen hat auch Anna-Regula Walther aus Dinhard ihren Weg auf die Alp gefunden. «Ich bin mit dem E-Bike gekommen, das ist eine schöne Route», erzählt sie. Es ist nicht ihr erster Ausflug hierher. «Ich weiss gar nicht mehr, wie ich davon erfahren habe, vermutlich von Bekannten.»
So wie Walther geht es vielen Gästen. «Werbung haben wir noch nie aktiv gemacht», erzählt Julian Burkhard. Und trotzdem: Ein Geheimtipp ist die Alpwirtschaft nicht. Vor allem an schönen Tagen am Wochenende ist das Restaurant fast immer voll.
«Dort kommen wir teilweise auch an unsere Belastungsgrenze.» 50 Gäste haben auf der Terrasse Platz, nochmals gleich viele im Restaurant. An diesen Tagen empfehlen die Burkhards deshalb auch, vorab einen Tisch zu reservieren.
Für einen Ausflug auf die Alp sollte man zudem Bargeld mitnehmen – oder zumindest Twint auf dem Handy installiert haben. Mit Karte kann man in der Alpwirtschaft nämlich nicht bezahlen.
Das liegt nicht etwa daran, dass die Gastgeber dies nicht wollen. «Der Internetempfang ist einfach zu schlecht, wir hoffen schon seit Jahren auf Besserung», sagt Burkhard.
Und je nach Anbieter lässt auch der Handy-Empfang auf der Alp zu wünschen übrig. Dann wird auch die Zahlung mit Twint schwierig. Die Burkhards setzen dann auf eine unkomplizierte Lösung. Zurückwandern zum Bankomaten in Turbenthal muss niemand: «In diesen Fällen geben wir einfach einen Einzahlungsschein mit.»
Die Alpwirtschaft Schnurrberg hat von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet. Einmal im Monat bleibt die Wirtschaft am Sonntag geschlossen. Mehr Informationen findet man auf der Website schnurrberg.ch.
Von Turbenthal aus ist die Alpwirtschaft zu Fuss in gut 75 Minuten zu erreichen, es gibt einen beschilderten Wanderweg.
Tipp: Wer mit dem Auto auf den Schnurrberg will, sollte nicht auf Google Maps vertrauen. Am besten fährt man nicht über den Weiler Ramsberg, sondern zuerst in Richtung Friedhof Turbenthal. Dort folgt man der geteerten Beerbergstrasse, die direkt zur Alp führt.
Sommerserie «Ab auf die Hütte»
Im Sommer zieht es viele Menschen in die Höhe. Eine beliebte Destination sind die zahlreichen Hütten und Alpen im Oberland und im Tösstal. Was sind das für Menschen? Und wer sorgt dafür, dass der Betrieb immer reibungslos läuft? In einer mehrteiligen Serie zeigen wir Ihnen verschiedene Hütten in der Region – und die Menschen, die sie ausmachen.
Teil 1 – Poo-Alp ob Wald
Teil 2 – Hochwacht in Egg
Teil 3 – Farneralp ob Wald
Teil 4 – Hulftegg bei Steg
Teil 5 – Sennhütte auf der Strahlegg
Teil 6 – Alp Scheidegg ob Wald
Teil 7 – Alp Schnurrberg ob Turbenthal