Neuunternehmerin eröffnet erste Kinderkrippe in Bauma
Kinderbetreuung im Tösstal
Francine Bachmann aus Steg hat die Kinderkrippe Wurzelwerk in Bauma gegründet. Sie will damit eine Betreuungslücke in der Region schliessen.
Farbige Handabdrücke von Kindern zieren seit einigen Wochen die Fenster in der umgebauten Spinnerei an der Bäretswilerstrasse in Bauma. Hier befindet sich aber nicht etwa ein Kindergarten, sondern seit gut zwei Monaten die erste Kinderkrippe in der Gemeinde. Wurzelwerk, so der Name, war die Idee von Francine Bachmann.
Die 31-Jährige wagt damit den Sprung in die Selbständigkeit. Die Arbeit in einer Krippe kennt sie bestens. 2009 hat sie ihre Lehre als Fachfrau Kinderbetreuung, oft Fabe abgekürzt, angefangen. Nach erfolgreichem Abschluss hat sie ab 2012 über zehn Jahre in diversen Kindertagesstätten gearbeitet.
«Irgendwann kam dann der Wunsch auf, die Ausbildung als Institutionsleiterin im Sozialbereich zu machen», erzählt sie. Eine solche ist zwar nicht vorgeschrieben, aber sehr hilfreich, wenn man eine eigene Kinderkrippe führen will.
Eine «kleine Krippe»
Und das war der Traum der 31-Jährigen aus Steg. Anfang Juli konnte sie das Wurzelwerk eröffnen. Ihre eigene, wie sie sagt, kleine Krippe. Klein, das bezieht sich nicht auf die Grösse, sondern auf die Anzahl der Gruppen.
«In grösseren Städten können Krippen gut fünf oder sechs Gruppen mit bis zu zwölf Kindern haben», erläutert Bachmann. Im Wurzelwerk gibt es nur eine Gruppe, mit 14 Plätzen. In der Berechnung gelten Babys zwischen 3 und 18 Monaten als eineinhalb Kinder.
Seit Anfang Juli ist die neue Kinderkrippe in der umgebauten ehemaligen Spinnerei von Heinrich Guyer offen. Fünf Kinder haben bisher die zweiwöchige Eingewöhnung durchlaufen. In dieser Zeit sollen sich die Kinder an das neue Betreuungsumfeld ausserhalb der Familie gewöhnen.
«Man muss behutsam vorgehen», erläutert Bachmann. «In der Eingewöhnungszeit brauchen Kinder teilweise eine sehr enge Eins-zu-eins-Betreuung – deshalb wäre es gar nicht möglich gewesen, mit einer grösseren Gruppe zu starten», erklärt sie.
Nach der Eingewöhnung besuchen die meisten Kinder an einem bis zwei Tagen pro Woche die Krippe. «Manche aber auch öfter.»
Betreuung als grosses Fragezeichen
Mit dem Start ihrer Krippe ist Bachmann sehr zufrieden – dass das Interesse da ist, überrascht sie nicht. Denn mit dem Wurzelwerk will Bachmann auch eine Betreuungslücke in der Region schliessen. Sie selber ist hier aufgewachsen und lebt immer noch in Steg. «Ich weiss aus meinem Umfeld, dass sich viele junge Eltern fragen, wie sie die Betreuung meistern können.»
Denn eine Krippe gab es bisher in Bauma – oder auch in Fischenthal – nicht. Eltern, die keine Betreuungslösung im privaten Umfeld organisieren können, mussten sich eine Tagesfamilie suchen oder eine Krippe ausserhalb des Wohnorts.
Für Eltern aus Bauma und Fischenthal, die über ein tiefes Einkommen verfügen, sind die Plätze im Wurzelwerk jetzt auch subventioniert. Die Eltern müssen sich dazu direkt an ihre Wohngemeinde wenden.
Am liebsten draussen
Das Wurzelwerk ist erst die dritte Krippe im Tösstal – neben der Villa Chräuel in Zell und dem Chinderhuus in Turbenthal, deren Trägerschaft jeweils ein Verein ist. Bachmann hat für ihre Krippe eine GmbH gegründet und den Weg ins Unternehmertum gewagt.
Die Arbeiten an ihrem Traumprojekt begannen dabei schon lange vor der Eröffnung im Juli. So mussten nicht nur die Räumlichkeiten von der Küche über das Gemeinschaftszimmer bis zum Schlafraum eingerichtet werden.
Bachmann arbeitete beispielsweise auch ein pädagogisches Konzept und einen Sicherheitsplan für jegliche Notfälle aus. All dies musste sie für die Betriebsbewilligung bei der Gemeinde einreichen.
Sie sieht darin aber keine bürokratische Last. «Bisher konnte ich als Angestellte immer auf erarbeitete Konzepte vertrauen, ich weiss, wie wichtig diese sind», sagt sie.
Umso mehr freut sich die Stegerin, dass der Betrieb jetzt läuft. Denn die Arbeit im Büro gehört nicht zu ihren Lieblingsaufgaben. Sie übernimmt viel lieber die Betreuung der Kinder, für die sie zusammen mit einer weiteren Mitarbeiterin und einer Lernenden zuständig ist.
«Das ist meine Leidenschaft.» Am liebsten ist sie mit ihren Schützlingen draussen an der frischen Luft – bei jedem Wetter. Der Wald, die Töss oder der Spielplatz beim Schulhaus sind einen Katzensprung von der Krippe entfernt. «Der Standort in Bauma ist deshalb ideal.»
Am Samstag, 21. September, führt die Kinderkrippe Wurzelwerk einen Tag der offenen Tür durch. Mehr Informationen findet man auf der Website kinderkrippe-wurzelwerk.ch.