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Sie verteilt den «Zürcher Oberländer» früh am Morgen in die Briefkästen

Ist die Zeitung gedruckt, liefert sie die Verträgerin in die Briefkästen. Doch bei dieser Arbeit warten bereits die ersten Tücken auf sie.

Anna Berger (Name geändert) verteilt am frühen Morgen über 200 Zeitungen in Wernetshausen.

Foto: Jan Gubser

Sie verteilt den «Zürcher Oberländer» früh am Morgen in die Briefkästen

Hinter den Schlagzeilen – Teil 5

Die Artikel sind geschrieben, die Seiten gestaltet, die Zeitung ist gedruckt. Nun müssen Tausende von Zeitungen erst noch in die Briefkästen gelangen.

Der «Zürcher Oberländer» und der «Anzeiger von Uster» sind gedruckt. Nun gilt es, die über 17’000 Exemplare am frühen Morgen in die Haushalte zu liefern – von Montag bis Samstag. Mittwochs sind es wegen der Grossauflage beinahe 94’000 Stück. Logistisch ist das eine Herausforderung.

An rund 20 Orten im Zürcher Oberland werden die Zeitungen in Bündeln bereitgelegt. Dort beladen die Verteilerinnen und Verteiler ihre Autos oder ihre Dreiräder dann mit Zeitungen; sie sind auf gut 150 Touren unterwegs.

An diesem Mittwochmorgen fährt um 3.30 Uhr die Verteilerin Anna Berger (Name geändert) mit ihrem Auto in Hinwil vor. Sie stellt seit acht Monaten Zeitungen zu und arbeitet zusätzlich Vollzeit als Layouterin in Zürich. Ihre Einsätze beim Zeitungsverteiler Presto kann sie flexibel aussuchen.

Heute kümmert sich die 43-Jährige um die Verteilung in Wernetshausen. Vor einer Apotheke in Hinwil belädt Berger ihr Auto. Sie nimmt fünf Bündel mit insgesamt 200 Zeitungen des «Zürcher Oberländers» mit. Diese deponiert Berger auf dem Rücksitz – ein Bündel platziert sie jedoch bei sich vorne. Auf dem Armaturenbrett legt die Verteilerin wenige Ausgaben der «Neuen Zürcher Zeitung», des «Blicks» und des «Tages-Anzeigers» ab.

Zeitungszustellung am frühen Morgen in Wernetshausen.
Die Zustellerinnen und Zusteller nehmen die Zeitungen bündelweise mit.

Dunkle Kleider und Taschenlampe

Berger hat sich für ihre Tour sportlich gekleidet. Die Hosen, die Jacke, die Kappe sind allesamt schwarz. «Ich hoffe, die Insekten dadurch weniger anzulocken», erklärt sie. In einem Ohr steckt ein Kopfhörer, da sie bei der Arbeit gerne Podcasts hört.

Um den Kopf hat die Verteilerin eine Taschenlampe geschnallt, die in der Dunkelheit wichtig sein wird. Im Auto hat Berger ihr Smartphone in einer Halterung festgeklemmt. In einer geöffneten App sieht sie ihre Route auf einer Karte mit vielen Punkten. Diese wiederum markieren je einen Haushalt, bei dem es eine Zeitung auszuliefern gibt.

Zeitungszustellung am frühen Morgen in Wernetshausen.
Eine App bietet bei der Fahrt Orientierung.

Von Montag bis Samstag muss Berger die Zeitungen bis um 6.30 Uhr zustellen, am Sonntag bis 7.30 Uhr. Im Schnitt benötigt die 43-Jährige etwas mehr als eine Stunde für ihre Route. Meist beliefert sie dasselbe Gebiet mit Zeitungen.

Die Suche nach den Briefkästen

Berger ist zügig unterwegs. Sie hält im Wohngebiet auf der Strasse, greift sich ein paar Zeitungen, wirft sie im Sekundentakt in die Milchfächer der Briefkästen und setzt sich wieder ins Auto. Dort hakt Berger in der App die belieferten Haushalte ab.

In der Nacht ist es zu jener Zeit sehr ruhig; auf den Strassen ist kaum jemand unterwegs. «Genau das liebe ich an diesem Job.» Dafür trifft Berger immer wieder auf Tiere. Ob Rehe, Marder, Igel, Waschbären, Frösche oder Katzen: Sie hat auf den Strassen schon alle möglichen Tiere gesehen. Und auch an diesem Mittwochmorgen kommt es zu mehreren Begegnungen. «Da, da, da! Schau mal, ein Fuchs», ruft sie plötzlich und zeigt vorne auf die Strasse.

Zeitungszustellung am frühen Morgen in Wernetshausen.
Mitten auf der Strasse lief ein Fuchs durch.

Beim Verteilen der Zeitungen muss Berger auf viele Kleinigkeiten achten. «Die Leute wollen beispielsweise keine nassen Zeitungen. Das ist bei Regen nicht immer so einfach.» Zudem seien einige Briefkästen nicht wetterfest.

Manche sind zudem hinter einer Hecke oder einem Haus versteckt, andere wurden nicht richtig angeschrieben, wiederum andere haben gar keinen richtigen Briefkasten. «Mit der Zeit kennt man die Orte besser und weiss, welche Tücken die Routen mit sich bringen.»

Schlafenszeit

Immer allen Wünschen gerecht zu werden, sei nicht einfach. Berger erzählt: «Manche haben die Erwartung, dass die Zeitung vor 5 Uhr im Briefkasten liegt.» Befindet sich der betroffene Haushalt aber am Ende ihrer Route, ist eine Lieferung um diese Zeit meist nicht möglich.

Zeitungszustellung am frühen Morgen in Wernetshausen.
Bei der Zustellung der Zeitungen folgt die Verteilerin einer vorgegebenen Route.

Nach rund eineinhalb Stunden hat es die 43-Jährige geschafft. Auch die letzte Zeitung liegt pünktlich im Briefkasten. Jetzt geht Berger erst mal nach Hause. Sie braucht nun etwas Schlaf. Normalerweise steht Berger dann nach wenigen Stunden wegen ihres Vollzeitjobs wieder auf. Heute hat sie jedoch frei und kann ausschlafen.

In unserer fünfteiligen Serie «Hinter den Schlagzeilen» stellen wir Ihnen den Weg eines Artikels in die gedruckte Zeitung im Briefkasten vor.
Teil 1: Der Artikel, erschien am 18. Juli.
Teil 2: Die Produktion, erschien am 26. Juli.
Teil 3: Die Technik, erschien am 2. August.
Teil 4: Der Druck, erschien am 8. August.

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