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Der letzte Schritt vor der Druckerei: Die Druckvorstufe

Schreiben, Layouten, Drucken? Nicht ganz – da fehlt ein wichtiger Teil, die Druckvorstufe. Weshalb dieser letzte Arbeitsschritt enorm wichtig ist.

Im System Topas erstellt die Druckvorstufe ein Schema für die Zeitungsausgabe. Auf den jeweiligen Seiten werden die Inserate platziert.

Foto: Noah Salvetti

Der letzte Schritt vor der Druckerei: Die Druckvorstufe

Hinter den Schlagzeilen

Sind die Zeitungsseiten fertig gestaltet, beginnt für die Abteilung der Druckvorstufe die Arbeit erst recht. Sie ist die letzte Station, bevor die Zeitung in der Druckerei ankommt.

Artikel schreiben, Seiten gestalten und ab damit in die Druckerei? So einfach ist das nicht. Wenn die Redaktorinnen und Redaktoren ihre Artikel zu Ende geschrieben und die Zeitungsproduzenten das Seitenlayout fertiggestellt haben, gelangt alles zur Druckvorstufe.

Seite um Seite übermittelt der verantwortliche Produzent in ebendiese Abteilung. Hier sitzt Damaris Huser, die heute in der Spätschicht eingeteilt ist. Die Aufgabe der Polygrafin ist es, die nach und nach eintrudelnden Seiten auf ihre Korrektheit zu überprüfen.

Sind alle Bilder und Bildlegenden korrekt? Stimmen Datumsangaben und Seitentitel in den Kopfzeilen? Ist der ganze Text auf der Seite? Wurde alles korrekt exportiert? In diesem Schritt können noch letzte Fehler korrigiert werden. Danach wird es teuer.

Wie dick wird die Zeitung?

«Wenn die Seiten bereits auf den physischen Druckplatten belichtet sind und es noch einmal Korrekturen braucht, werden diese unbrauchbar», sagt Huser. In diesem Fall muss die Druckerei sie vernichten und neue anfertigen. Weil es für jede der Druckfarben eine Platte braucht, müssen immer vier Platten gleichzeitig ersetzt werden.

«Zum Glück passiert das selten», sagt Huser. Eine technische Endkontrolle gibt es auch für Inserateseiten, auf denen neben amtlichen Publikationen von Kirch- und Politischen Gemeinden auch Traueranzeigen und Werbeinserate Platz finden.

Screenshots von Computerprogrammen der Druckvorstufe.
Im Umbruchsystem werden die Inserate auf den Seiten platziert. Die grau markierten Seiten sind reserviert für redaktionellen Inhalt.

Doch die Arbeit der Druckvorstufe beginnt im Grunde schon viel früher. Noch bevor die Seiten überhaupt mit redaktionellen Artikeln und Inseraten gefüllt werden können, wird der Zeitungsumfang geplant.

Die Anzahl benötigter regionaler Seiten – dazu gehören neben den klassischen Regionsseiten auch die Seiten zum Oberländer Sport- und Wirtschaftsgeschehen – muss der Zeitungsproduzent jeweils am Vortag anmelden, damit das Druckvorstufe-Team am Produktionstag einen Seitenplan erstellen kann. Anhand dieses Plans wird dann ein Druckspiegel erstellt, der dem Druckzentrum als Vorbereitung dient.

Überregionales steckt im «Mantel»

Wie viele Seiten die Zeitung hat, bestimmt aber nicht nur der redaktionelle Inhalt, sondern auch die Menge an Inseraten, die für die jeweilige Ausgabe gebucht sind.

Während die zuständige Spätdienstlerin die redaktionellen Seiten kontrolliert und schliesslich freigibt, ist eine andere Person in der Druckvorstufe tagsüber für den «Umbruch» zuständig.

In der Druckvorstufe kommen verschiedenste Tätigkeiten zusammen. Neben der eigentlichen technischen Produktion ist das Team auch für die Gestaltung von Beilagen wie dem «Heimatspiegel» und das Layout von Traueranzeigen und -zirkularen zuständig.

Für Polygrafin Damaris Huser ist es die vielfältige Mischung, die die Arbeit ausmacht: «Wenn man versteht, wie die einzelnen Abläufe zu einem grossen Ganzen zusammenkommen, macht das die Aufgaben noch spannender.» (nos)

Dort besteht die Aufgabe darin, die jeweiligen Inserate aus dem Buchungsprogramm EDP herauszuholen und auf den Seiten zu verteilen. Dabei müssen Vorgaben eingehalten werden. So erscheinen bestimmte Anzeigen immer unter derselben Rubrik. Auch inhaltlich müssen die Inserate zusammenpassen.

Der «Zürcher Oberländer» und der «Anzeiger von Uster» sind Teil des Zeitungsverbunds Zürcher Regionalzeitungen (ZRZ). Sie enthalten deshalb auch Artikel, die den Kanton Zürich oder nationale und internationale Themen behandeln.

Dieser sogenannte Mantelteil wird auf den Redaktionen des «Tages-Anzeigers» in Zürich und des «Bunds» in Bern hergestellt. Wenn sich der Platzbedarf für diese Inhalte ändert, hat das auch einen Einfluss auf die Regionalzeitungen.

Pünktlichkeit ist die halbe Miete

Damit die Tageszeitung am Erscheinungstag auch wirklich brandaktuell ist, ist der Produktionsprozess erst um Mitternacht definitiv abgeschlossen.

Nur wenige Stunden vor dem Druckbeginn trudeln die überregionalen Seiten und jene der Sportredaktion ein – oft müssen nämlich noch Resultate abgewartet werden. Auf unvorhergesehene Ereignisse kann die Druckvorstufe zusammen mit der Produktion im Notfall reagieren.

Je nachdem, wie viele regionale Seiten eingeplant sind, muss die Druckvorstufe in Zusammenarbeit mit dem Tagesleiter der Redaktion entscheiden, ob der Seitenumfang erhöht werden soll oder ob bestimmte Seiten aus dem überregionalen Programm gestrichen werden.

Screenshots von Computerprogrammen der Druckvorstufe.
Zu den Aufgaben der Druckvorstufe gehört auch das Freistellen von Motiven für die Frontseite der Zeitung – hier für den «Zürcher Oberländer» vom 10. Juli.

Allerdings: Je mehr die Zeit verstreicht, desto schwieriger – und teurer – wird es, Änderungen vorzunehmen. «Jede nachträgliche Änderung des Umfangs wirkt sich auf den Druckprozess aus – etwa auf die Druckplatten, die Papiermenge oder das Gewicht bei der Verteilung», sagt Huser. Und die Uhr tickt: Verspätet sich die Zeitung, droht der Fahrplan der Druckerei in Verzug zu geraten.

Sind alle Seiten kontrolliert und im Druckzentrum eingetroffen, greift der Spätdienst zum Telefon und lässt die Drucker wissen, dass die Zeitung «im Kasten ist». Jetzt gilt es nur noch zu überprüfen, ob die Umwandlung der Zeitungsseiten in E-Paper-Seiten funktioniert hat. Und dann – um zirka 0.30 Uhr morgens – heisst es auch in der Druckvorstufe Lichterlöschen.

In unserer fünfteiligen Serie «Hinter den Schlagzeilen» stellen wir Ihnen den Weg eines Artikels in die gedruckte Zeitung im Briefkasten vor.
Teil 1: Der Artikel, erschien am 18. Juli.
Teil 2: Die Produktion, erschien am 26. Juli.
Teil 4: Der Druck, erscheint am 8. August.
Teil 5: Die Verteilung, erscheint am 15. August.

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