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Jetzt bringen die Oberländer Bauern ihr Heu ins Trockene

Endlich können die Bauern wieder heuen. Das Gras wird Futter für ihre Tiere. Doch das nasse Wetter hat auch einen Einfluss auf die Qualität.

Auf Roman Auers Hof in Ober Emmetschloo oberhalb von Wetzikon herrscht derzeit Hochbetrieb. Erst zum zweiten Mal kann er in diesem Jahr heuen – und schon bald regnet es wieder.

Foto: Simon Grässle

Jetzt bringen die Oberländer Bauern ihr Heu ins Trockene

Landwirte im Stress

Die Bauern in der Region nutzen das schöne Wetter, um zu heuen. Doch das gemähte Gras ist nach dem vielen Regen nicht von guter Qualität – und das hat Auswirkungen.

Roman Auer hat die Wetterprognose stets im Blick. «Am Mittwochabend soll es schon wieder regnen», sagt der Landwirt. Für ihn heisst das: Bis dann muss alles gemähte Gras im Trockenen sein.

Der Bauer aus Ober Emmetschloo in Wetzikon, der für die SVP im Stadtparlament sitzt, ist deshalb im Moment im Dauereinsatz. Er muss das trockene Wetter nutzen.

«Es sind lange Tage, aber das ist auch nicht weiter schlimm», findet er. «Wir hoffen einfach, die Bevölkerung hat Verständnis, dass wir Bauern jetzt auch am Mittag und am Abend arbeiten – dann ist es halt etwas laut.»

Weniger Zucker, weniger Eiweiss

Der Auerhof mit insgesamt 56 Hektaren Land – das entspricht knapp 80 Fussballfeldern – befindet sich oberhalb der Stadt und liegt in teils steilem Gelände. «Eigentlich ist es noch zu nass zum Mähen», sagt Auer.

Die Fahrten auf dem Traktor sind deshalb nicht ganz ungefährlich. Doch länger warten kann der Landwirt nicht.

Denn die Wiesen rund um seinen Betrieb mäht er dieses Jahr erst zum zweiten Mal. «Im Normalfall würde jetzt schon der dritte Schnitt anstehen», erklärt er. Doch es war stets zu nass.

Bauer Roman Auer bei der Heuernte in Ober Emmetschloo.
Roman Auers Land liegt in teils steilem Gelände – die Fahrten mit dem Traktor sind auf dem noch nassen Boden nicht ganz ungefährlich.

Da das Gras nun erst spät geschnitten werden kann, ist es qualitativ weniger hochwertig. «Es ist alt und verholzt», erklärt Auer. Es hat damit einen weniger hohen Zucker- und Eiweissgehalt.

Für die Fütterung der rund 80 Milchkühe auf dem Auerhof ist das Emd, so nennt man das Heu aus dem zweiten Schnitt korrekt, deshalb nicht geeignet. Denn das Futter hat einen direkten Einfluss auf die Milchqualität und -menge. Da die Milchwirtschaft der Haupterwerb des Hofs ist, ist das ein wichtiges Detail.

«Vermutlich füttern wir das Emd dann dem Jungvieh», sagt der Landwirt. Von dem leben auf Auers Hof auch gut 80 Stück.

Heuen mit «mehr Durchschlagskraft»

Wenn Auer weniger gutes Heu hat, muss er Futtermittel zukaufen. Wie einschneidend das ist, kann er aber noch nicht abschätzen. «Wenn die nächsten beiden Schnitte gut sind, dann sieht es gleich wieder anders aus», betont er. Er rechnet damit, dass er heuer insgesamt fünfmal mähen kann anstatt wie üblich sechsmal.

Das bisher nasse Wetter macht ihm aber nicht nur beim Heuen einen Strich durch die Rechnung. «Unsere Kühe waren jetzt sehr lange im Stall und nicht auf der Weide, die war zu nass», erklärt er. Auch das Jungvieh ist noch nicht auf der Alp auf dem San Bernardino, da es dort teils sogar noch Schnee hatte.

Vieles läuft in diesem Jahr nicht wie geplant. Und trotzdem lässt sich Roman Auer nicht aus der Ruhe bringen. Als Landwirt muss er das Wetter nehmen, wie es kommt. Es sei nicht der erste nasse Sommer.

Bauer bei der Heuernte.
Heuen mit «Durchschlagskraft»: Dank Maschinen geht es heute schneller als früher. Doch viel Arbeit ist es für die Oberländer Bauern immer noch.

Das weiss auch Roman Auers Vater Hermann, der immer noch auf dem Betrieb mithilft und während der Heuernte ebenfalls anpackt. «Es gab schon zig solche Jahre», sagt er. «Aber heute hat man beim Heuen viel mehr Durchschlagskraft als früher.» Das heisst, dank den modernen Maschinen kann man mehr Land in kürzerer Zeit bearbeiten.

Die Krux mit dem Nordhang

So viel Durchschlagskraft haben Martina und Andreas Guyer auf dem Schürlihof in Sternenberg nicht. Ihre Maschinen sind im Vergleich um einiges kleiner – auf manchen steilen Flächen kommt man auch mit dem Bergtraktor nicht weit. «Dann müssen wir den Motormäher nehmen und diesen von Hand bedienen», erklärt Martina Guyer.

Sie bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann eine Fläche von gut 10,5 Hektaren. Auf ihrem Hof halten sie 12 Mutterkühe mit Rindern und Kälbern sowie 14 Schafe und 5 Ziegen.

Im Moment sind die beiden im Dauerstress. Bis der nächste Regen kommt, muss das Heu im Heuboden sein. Dazu muss es zuerst gemäht, getrocknet und dann eingesammelt werden.

Im Gegensatz zu Roman Auer mähen die beiden Sternenberger ihre Böden dieses Jahr zum ersten Mal. «Wir bewirtschaften vor allem Nordhänge», erklärt die Bäuerin. Dort trockne das Gras in der Regel weniger schnell.

Auch jetzt sind die Böden immer noch sehr nass. Ganz trocknen kann das Heu somit nicht, bevor es in den Heustock kommt. «Das macht das Futter teuer», erläutert sie. Denn das leicht nasse Heu muss belüftet werden, das wiederum braucht Strom. Doch diese Massnahme ist nötig: Denn sonst kann das Heu zu gären beginnen und sich im schlimmsten Fall selbst entzünden.

Hinzu kommt, dass wie bei Roman Auer das jetzt geerntete Heu von minderwertiger Qualität ist – es ist ebenfalls verholzt. «Das können die Tiere nicht gut verwerten.»

Guyers sind unter anderem auf Mutterkuhhaltung spezialisiert. «Und damit die Kälber wachsen, brauchen sie ebenfalls gute Milch.» Es ist absehbar, dass die Sternenberger mehr Futtermittel als üblich kaufen müssen, um ihre Tiere über die Runden zu bringen.

Trotzdem will sie den Teufel noch nicht an die Wand malen. «Wenn es einen schönen Herbst gibt und wir ein drittes Mal mähen können, können wir wieder etwas aufholen.»

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