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Wer will Buco aus Bauma übernehmen?

Die Firma stellt im Tösstal Spielzeugeisenbahnen her – und hat eine treue Fangemeinde. Doch die Zukunft ist ungewiss.

Die Feinarbeit macht Buco-Inhaber Andreas Sudler in der Regel nicht. Er steht lieber an der Maschine.

Foto: Mirjam Müller

Wer will Buco aus Bauma übernehmen?

Nachfolger gesucht

Dank zwei Baumern ist es 2011 zur Renaissance der Buco-Spielzeugeisenbahnen gekommen. Nach einer langen Erfolgsgeschichte sucht Inhaber Andreas Sudler einen Käufer.

Andreas Sudler ist ein vielseitiger Mensch. Aber wenn er etwas nicht ist, dann ein «Bähnler». Und trotzdem ist der Gemeindepräsident (parteilos) von Bauma seit 2009 Inhaber der einzigen Schweizer Firma, die Spielzeugeisenbahnen aus Weissblech – in der Fachsprache Tinplate – herstellt: die Buco Spur 0 GmbH.

«Damals ist mein guter Kollege und Eisenbahnfan Fritz Grotz auf mich zugekommen», erzählt er. Grotz hatte die Idee, zusammen mit Sudler einen alten Spielzeugklassiker wieder auf den Markt zu bringen – die Buco-Eisenbahnen.

Buco in Bauma steht zum Verkauf. Andreas Sudler in der Firma in Bauma.
Den BLS-Speisewagen von Buco gibt es dank zwei Baumern wieder.

«Buco hat mir überhaupt nichts gesagt», erinnert sich Andreas Sudler. «Für mich stand das Interesse im Vordergrund, mir neben meiner Firma für Dreh- und Frästechnik ein zweites Standbein aufzubauen.»

Dass hinter dem Namen eine traditionsreiche Marke steht, wusste er deshalb noch nicht. Buco hatte seine Blütezeit bis in die Mitte der 1950er Jahre.

Zuerst aus Holz und dann aus Blech stellte die A. Bucherer & Co. AG im sankt-gallischen Diepoldsau Spielzeugeisenbahnen her. 1944, vor genau 80 Jahren, präsentierte sie ihr Gleissystem für Spur-0-Bahnen. Spur 0 bezeichnet eine festgelegte Baugrösse für Modelleisenbahnen mit einer Spurweite von 32 Millimetern.

30 Tonnen Material

1957 war der Zenit für das Unternehmen aber überschritten, die Produktion wurde eingestellt. Eine Wiederaufnahme der Herstellung unter dem alten Namen gab es nicht, und das Werkzeug fand diverse Abnehmer.

Einer von ihnen wollte seine Käufe altershalber wieder abgeben. Und so erwarben Sudler und Grotz 2009 rund 30 Tonnen Werkzeuge und Halbfabrikate.

2011 kauften die Baumer sich auch noch das Markenrecht von Buco und das geschützte Armbrust-Label – und noch im gleichen Jahr brachten sie ihre erste Serie mit Postwagen auf den Markt. Die Aufgabenteilung in der Firma war von Anfang an klar. Grotz brachte als Eisenbahnfan das Wissen über Modelle und Serien mit und Sudler das technische Verständnis für den Herstellungsprozess.

Die Gerätschaften, die Sudler dabei bedient, stammen aus den 1950er Jahren. Um den heutigen Standards zu entsprechen, wurden sie aber umgebaut. «Eine Neuanschaffung wäre unglaublich teuer», sagt Sudler. Und die Maschinen tun immer noch ihren Dienst.

Aus Blech werden die Einzelteile gestanzt und geprägt, teilweise bedruckt und dann zusammengesetzt. So entstehen Lokomotiven, Wagen und Zubehör. «Es ist alles viel Handarbeit.»

Spielzeug, kein Modell

Sudler ist dabei fürs Grobe zuständig. Er bedient vor allem die Maschinen. Für die Montage und die Administration ist eine Mitarbeiterin zuständig, die ein bis zwei Tage pro Woche arbeitet. «Für diese Kleinarbeit sind meine Augen auch nicht mehr gut genug», sagt der Baumer Gemeindepräsident.

Dass unter seinen Händen keine Modelleisenbahnen entstehen, sondern Spielzeug, ist für ihn ein wichtiger Unterschied. «Damit kann man richtig spielen. Die Fahrzeuge dürfen auch einmal entgleisen, da geht nichts kaputt.»

Im Gegensatz zu Modelleisenbahnen müssen die einzelnen Wagen und Teile nicht ganz dem Original entsprechen. «Natürlich soll es ähnlich sein, aber es muss nicht jedes ‹Schrübeli› stimmen. Der Spielgedanke steht im Vordergrund.» Im Vergleich sind die Fahrzeuge von Buco deshalb auch einiges günstiger.

So kostet beispielsweise ein Personenwagen des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland (DVZO) 160 Franken, ein BLS-Gepäckwagen 245 Franken. Für originalgetreue Stücke geben Modelleisenbahnliebhaber hingegen schnell 1000 Franken und mehr aus.

Und obwohl es sich offiziell um Spielzeug handelt, sind die meisten Käuferinnen und Käufer keine Eltern oder Götti. «Es sind eher ‹ältere Kinder›, die immer noch Freude an den Eisenbahnen haben.»

Bald digital?

Seit die Produktion 2011 in Bauma gestartet ist, hat das Unternehmen eine treue Fangemeinde. «Es ist wichtig, dass man weiss, was gefragt ist», sagt Sudler dazu.

30 verschiedene Serien hat Buco bisher auf den Markt gebracht – immer das erste Exemplar bleibt bei der Firma und kommt in eine Vitrine.

Seit einigen Jahren darf Sudler für die Ideen und die Entwicklung der neuen Stücke mit zwei eingefleischten Kennern der Szene aus seinem Umfeld zusammenarbeiten. Denn 2020 verstarb sein Geschäftspartner Fritz Grotz. Und bald will auch er aufhören. Sudler arbeitet bisher gut 10 Prozent für Buco. Im Vergleich zu seinem Hauptbetrieb und den Aufgaben als Gemeindepräsident von Bauma ein kleines Pensum.

Die Firma Buco – und damit auch der traditionsreiche Firmenname – soll jedoch weiterleben. Er sucht deshalb einen Käufer – bald finden erste Gespräche statt. «So viele Schweizer Hersteller von Spielzeug gibt es nicht mehr», sagt Sudler. Ihm ist es ein Anliegen, dass Buco erhalten bleibt. Und er sieht auch Möglichkeiten, die altehrwürdige Spielzeugeisenbahn weiterzuentwickeln. «Elektrifiziert ist sie schon», sagt er. «Nun könnte man sie noch digitalisieren.»

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