Wetziker Traditionsfirma geht in neue Hände über
Nachfolge geregelt
Seit 96 Jahren existiert die Wetter Gebäudetechnik AG in Wetzikon. Nun verliert das Familienunternehmen seine Selbständigkeit. Chefin Barbara Wetter freut das.
Rund 95’000 Unternehmen in der Schweiz haben ein Nachfolgeproblem. Das sind 15,1 Prozent aller Unternehmen, die insgesamt rund 500’000 Mitarbeitende beschäftigen. Diese eindrücklichen Zahlen stammen aus einer Studie des Beratungsunternehmens Dun & Bradstreet aus dem Jahr 2023.
Nicht zu diesen Firmen gehört die Wetter Gebäudetechnik AG in Wetzikon. Seit 96 Jahren gibt es die von Barbara Wetters Urgrossvater Wilhelm gegründete Firma. Für viele Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende in der Region ist das Unternehmen in Robenhausen seither die erste Anlaufstelle, wenn es um Lüftung und Klima geht.
Letzter Arbeitstag Ende März
Barbara Wetter führt das Familienunternehmen seit 2009. Die Betriebswirtschafterin folgte damals auf ihren Vater Peter, der wenige Monate nach der Übergabe unerwartet an einem Herzinfarkt verstarb. Ende März wird sie ihren letzten Arbeitstag haben. Was sie nachher machen wird, ist unklar. «Ich werde erst einmal etwas herunterfahren und dann schauen, in welche Richtung es geht», sagt die Noch-Chefin.
Wenn sie den Schlüssel zum Geschäft an der Usterstrasse 109 abgibt, beginnt eine neue Ära. Die Wetter Gebäudetechnik AG wird zur Tochtergesellschaft der Klinova AG in Zürich. Sämtliche elf Wetter-Mitarbeitenden werden übernommen, der Standort Wetzikon bleibt bestehen. «Jetzt haben die Jungen das Zepter in der Hand», sagt sie mit einem Lachen.
Im Oberland verankert
«Die Jungen», das sind Klinova-Gründer und Inhaber Pascal Stucki und sein Finanzchef Tobias Markstaller, die beide im Zürcher Oberland aufgewachsen und verankert sind. «Die beiden Firmen ergänzen sich sehr gut», sagt Markstaller.
Während sich die Klinova auf grössere Gewerbe- und Industriebauten spezialisiert hat, zählen vor allem Private und Gewerbetreibende zu den Kunden der Wetter Gebäudetechnik AG. «Wir erhalten dadurch einen Zugang zu einem Kundenbereich, den wir bislang nicht hatten.»
Keine Nachfolge in der Familie
Barbara Wetter ist erst 52. Und doch hat sie sich vor zwei Jahren entschieden, ihre Nachfolge in die Wege zu leiten. Aus der Familie drängt sich kein Nachfolger oder keine Nachfolgerin auf. Via Verwaltungsrat entstand der Kontakt zur Klinova, die zwar erst seit 13 Jahren existiert, mittlerweile aber mehr als 50 Mitarbeitende beschäftigt.
«Wir haben schon nach wenigen Gesprächen festgestellt, dass wir in unseren Grundwerten und unserer Philosophie viele Übereinstimmungen haben», sagt Tobias Markstaller. Der Finanzchef der Klinova wohnt in Pfäffikon und verbringt seit zwei Jahren 50 Prozent seiner Arbeitszeit am Standort Wetzikon.
Bei den gemeinsamen Werten geht es in erster Linie darum, die Kundschaft über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts oder eines Systems zu begleiten: von der Projektierung über den Bau und Service bis zum Ersatz nach dem Erreichen der Lebensdauer. «Zudem greifen die Bereiche Lüftung, Klima, Heizung und Sanitär immer stärker ineinander», sagt Barbara Wetter. «Diese Entwicklung ist für uns als kleine Unternehmung eine immer grössere Herausforderung.»
«Die beiden Firmen profitieren voneinander»
Seit zwei Jahren arbeiten die beiden Firmen eng zusammen. Dadurch können sie Synergien nutzen, sei es in der Beschaffung oder auch in der IT. In dieser Zeit wurden auch Aufträge und Arbeiten unter den beiden Firmen aufgeteilt und damit der Fachkräftemangel etwas gelindert.
Nach aussen sichtbar wurde das, wenn beispielsweise statt eines Lieferwagens der Wetter Gebäudetechnik AG ein Klinova-Fahrzeug bei einem Privatkunden vorfuhr. «Daran mussten sich einige Kunden zuerst gewöhnen», sagt Barbara Wetter. «Aber die beiden Firmen profitieren voneinander.»
Auch für ihre Mitarbeitenden war es – trotz den ähnlichen Firmenkulturen – eine neue Erfahrung, dass die Chefin sich in den letzten zwei Jahren nach und nach aus dem Unternehmen zurückzog und dem Standortleiter Patrick Fenner Albrecht das Zepter übergab. Man habe zwar gemeinsame Events organisiert, aber die Integration sei «eine Herausforderung», sagt Tobias Markstaller.
Auch deshalb verbrachte er in den letzten zwei Jahren die Hälfte seiner Arbeitszeit am Standort Wetzikon. Das Ziel: Fragen beantworten, Unsicherheiten ausräumen, Vertrauen aufbauen. Von Anfang an war klar, dass die elf Mitarbeitenden ihre Stellen behalten und dass die Klinova am Standort Wetzikon festhält.
Klar ist auch, dass für Barbara Wetter Ende März Schluss ist und dass die Wetter Gebäudetechnik AG ab dann vom Familienunternehmen zur Tochtergesellschaft wird. Wehmut will die Noch-Chefin trotzdem nicht aufkommen lassen: «Im Zentrum stehen die Firma und die Menschen, die hier arbeiten. Und jetzt ist die fünfte Generation am Drücker, einfach ausserhalb der Familie.»