Stoff-Lager in Hadlikon: 15 Jahre Erfolg
Nadel und Faden für die Fasnacht
Ursprünglich war es ein Lager für Stoffe. Heute ist das Stoff-Lager nicht mehr aus Hadlikon wegzudenken. Das Erfolgsrezept sei «Herzblut».
Das Nähparadies liegt in Hadlikon. Auf 400 Quadratmetern befinden sich Tausende von Laufmetern an Stoffen, die in Rollen auf speziell gefertigten Tischen liegen. Die lange Fabrikhalle ist hell und lässt die Farben aufleuchten. Man kann sich gar nicht sattsehen.
Eine Insel mitten in der Halle ist ganz der Fasnacht gewidmet. Samt, Tüll und Plüsch liegen zwischen glänzenden, bunten Stoffen. Wer sich für den Umzug selbst ein Kostüm nähen will, wird im Stoff-Lager in Hadlikon inspiriert und bestimmt fündig.
Regula Stutz führt das Stoff-Lager als Filialleiterin und ist passioniert im Einsatz. Mit Schnittmustern und Ideenkatalogen ist sie für jedes Niveau von Schneiderinnen und Schneidern gewappnet. «Für die Fasnacht ist es jetzt die richtige Zeit, diese ist ja schon bald», sagt Stutz. Aufwendige Kostüme werden jedoch häufig im Sommer oder sogar noch früher begonnen.
Die saisonabhängige Präsentation ist ein liebevolles Detail, auf das die Mitarbeiterinnen im Betrieb achten. Denn im Stoff-Lager sind das ganze Jahr über Stoffe für jedes Projekt zu finden: von der Bademode bis zur Jacke.
Das Lager wird zum Laden
Dieses Jahr feiert das Stoff-Lager den 15. Geburtstag. Zu Beginn war das Geschäft ein Lager, das zum Abverkauf gedacht war. Aus einer Weberei in der Region wurden Stoffrollen übernommen, die für Einrichtungen produziert worden waren.
Urs Neukom ist Geschäftsführer der Stoff-Lager Hadlikon GmbH und Besitzer des Areals im Tobel, wo 50 Firmen und Betriebe Platz finden. Er stellte die Halle zu günstigen Konditionen zur Verfügung – die Miete wurde in den ersten Monaten erlassen. «Am Anfang war es ein etwas improvisiertes Geschäft. Es sah auch noch ganz anders aus als jetzt», sagt Neukom. Die Stoffrollen lagen noch auf Paletten und einfachen Tischen.
Für den Verkauf suchte er nach Personen, die Erfahrungen mit Stoffen hatten. Sie sollten sich in Teilzeitpensen um den Verkauf kümmern, so, wie es ihnen zeitlich passte. Stutz war die Erste und formte das Team. «Als ich die Stoffe gesehen habe, war ich sofort elektrisiert», schwärmt sie lachend. Sie ist gelernte Dekorationsgestalterin und näht auch in ihrer Freizeit mit Leidenschaft.
Mit Herzblut zum Erfolg
Das Lager wurde später mit Produkten anderer Hersteller aufgestockt. Früher reichte es, wenn eine Verkäuferin anwesend war, heute sind drei notwendig. Auch die Öffnungszeiten mussten sich anpassen, sodass das Stoff-Lager von Montag bis Samstag betrieben wird statt von Dienstag bis Freitag.
«Anfangs dachte ich, die Mitarbeiterinnen müssen den Stoff bloss schneiden», sagt der Geschäftsführer. Stutz erwidert mit einem fröhlichen Lachen: «In der Praxis ist das eben nicht so.» Sie erklärt, dass kaum jemand einfach nur Stoff kaufe. Der Austausch, wie diese Stoffe verarbeitet werden oder welches Zubehör zu verwenden ist, gehört zur Nachfrage.
Weder die Pandemie noch Online-Konkurrentinnen konnten das Stoff-Lager in die Knie zwingen. Das Geschäft wurde immer erfolgreicher. «Hier steckt Herzblut, und wir sind ein tolles Team», betont Stutz. Sie und ihre Mitarbeiterinnen gehen aktiv auf die Wünsche der Kundinnen und Kunden ein. So kam es auch zur Mercerie, also dem Nähzubehör, das das Sortiment vervollständigt.
Stutz hat vieles über die Stoffe zu erzählen. Ein Effekt der starken Kundenbindung. Sie weiss, an welchen Projekten gearbeitet wird und was gerade im Trend liegt. So kommt sie der Kundschaft entgegen und kurbelt den Verkauf an. «Ich schneide Stoffe im Voraus zu, die dann für spezifische Näharbeiten gebraucht werden», sagt sie. Der Verkauf sei somit etwas schneller und entlaste die Stosszeit.
Das Stoff-Lager zelebriert die Vielfalt von Stoffsorten und Farben. Es gehören auch ausgefallene Stücke zum Sortiment. Beispielsweise solche mit Mustern, die mit Spannfäden gewoben wurden. «Das ist selten, denn viele Muster werden heute gedruckt oder maschinell bestickt», erklärt Stutz.
Die Produktion sei durch den Druck günstiger. Durch die Teuerung mussten die Preise etwas erhöht werden. Ein Schnäppchen kann man im Stoff-Lager trotzdem machen. Genau solch ausgefallene Stoffe sind teilweise Restposten und daher einiges günstiger.
Junge Menschen nähen wieder
Die Bandbreite an Kundinnen und Kunden sei gross. Es gebe Schneiderinnen und Schneider wie auch solche, die in der Freizeit nähten. Jung und Alt. «Es ist erfreulich. Die jungen Leute nähen nämlich wieder», sagt Stutz. Sie sei sich sicher, dass viele ein Bewusstsein für Konsum entwickelt hätten und darum das Interesse zum Selbermachen gestiegen sei.
Das merke man auch bei den Fasnächtlern. Ein Kostüm zu tragen, das aus eigener Kreation stamme, habe eine ganz andere Wirkung, als wenn man eines kaufe oder miete. Es ist ein Prozess, der für Stutz zur Tradition gehört.