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Wirtschaft

Meierbeck in Bettswil geht in neue, bekannte Hände über

Daumen hoch für eine geglückte Nachfolgeregelung. Ursina Meier übernimmt den Meierbeck in Bettswil von ihrem Vater Theo.

Übergabe geglückt: Ursina Meier führt die Bäckerei in Bettswil weiter, die ihr Vater Theo im Jahr 1995 von seinem Vater übernommen hatte.

Foto: Annina Meier

Meierbeck in Bettswil geht in neue, bekannte Hände über

In der fünften Generation

Ursina Meier führt ab Januar 2024 den Meierbeck in Bettswil in fünfter Generation. Der Tradition verbunden, aber mit neuen Ideen.

Bruno Pfenninger

Seit 1891 existiert der Meierbeck in Bettswil; gegründet wurde die heutige Bäckerei-Konditorei als «Landwirtschaftsbetrieb mit Bäckerei im Nebenerwerb». Nun übernimmt die fünfte Generation in Person von Ursina Meier das Familienunternehmen. Die Stabübergabe erfolgt am 1. Januar 2024. Theo Meier, der die traditionsreiche Bäckerei seit 28 Jahren führt, erreicht nächstes Jahr das Pensionsalter. Für ihn und seine Frau Regula ist es daher an der Zeit, sich allmählich zurückzuziehen.

Tochter Ursina arbeitet schon länger im elterlichen Betrieb und kennt von Kindesbeinen an alle Details und Gegebenheiten. Ihre Lehre hatte sie auf eigenen Wunsch in der «Fremde» beim Ehriker Beck absolviert, anschliessend hat sie sich zur diplomierten Betriebsleiterin Bäckerei-Konditorei HF weitergebildet.

Sie freue sich auf ihre Selbständigkeit in einem anspruchsvollen Marktsegment, sagt die 34-Jährige. Wohl wissend, dass sie vorläufig noch auf die Unterstützung und die helfenden Hände der Familie zählen kann. Aber sie hat einige Ideen, die sie im Lauf der Zeit angehen und umsetzen möchte: «Mir schwebt vor, einen Selbstbedienungsladen mit unseren Produkten zu installieren, aus dem die Kunden rund um die Uhr das Gewünschte holen können.»

Weitere regionale Produkte aus dem Bäretswiler Weiler könnten das Sortiment dereinst ergänzen. Den zur Bäckerei gehörenden kleinen Dorfladen will sie beibehalten. «Allerdings werde ich sicher die Ladenöffnungszeiten überprüfen müssen.»

Die Vorteile des Kleinbetriebs

Die junge Unternehmerin setzt auf die Vorteile eines Kleinbetriebs: «Mit meinen vier Lernenden und zwei Mitarbeitenden will ich flexibel auf Kundenwünsche eingehen. Wenn sich ein Hochzeitspaar eine spezielle Hochzeitstorte vorstellt, so kreiere ich gerne eine solche nach dessen Wünschen.» Sie habe keinen Katalog, aus dem die Kunden eine Standardtorte aussuchen müssten, fügt sie erklärend an.

Neuen Trends wie vegan oder glutenfrei will Ursina Meier ebenso die nötige Beachtung schenken wie den Erwartungen an einen zeitgemässen Auftritt in den sozialen Medien. Da sie lieber in der Backstube steht, als sich mit IT zu beschäftigen, holt sie sich die nötige Unterstützung dazu von ihrer jüngeren Schwester Annina.

35 Lehrlinge mit immer überdurchschnittlichen Lehrabschlusserfolgen

Der Meierbeck geniesst einen hervorragenden Ruf als Ausbildungsbetrieb. Diese Tradition will Ursina Meier weiterführen: «Sofern ich gewillte Lernende finde, werde ich weiterhin drei Ausbildungsplätze anbieten.»

Eine Branche kann nur überleben, wenn sie genügend Nachwuchskräfte ausbildet. Auch deshalb war und ist die Berufsbildung ein wichtiges Anliegen von Vater Theo. «In den vergangenen 28 Jahren haben wir 35 Lernende erfolgreich durch die Lehre begleitet», sagt der Seniorchef und fügt nicht ohne Stolz an: «Die Lehrabschlussnote aller Absolventen betrug im Durchschnitt 5,2.»

Trotz der Lage etwas «ab vom Schuss» in der Bäretswiler Aussenwacht konnten die Lehrstellen fast immer besetzt werden – die angehenden Bäckerinnen und Bäcker schätzten den familiären Betrieb und den Familienanschluss.

«Früher ass man auch Brot, das mehr als einen Tag alt war»

Blickt er auf seine Laufbahn als Bäcker-Konditor und als Unternehmer zurück, erwähnt Theo Meier neben vielen interessanten Bewegungen vor allem das veränderte Konsumverhalten seiner Kundschaft: «Früher wurde allgemein mehr Brot gegessen, auch solches, das mehr als einen Tag alt war. Heute wollen die Leute täglich frische Ware.» Markant zugenommen habe in den letzten Jahren zudem der Reichtum an Brotsorten. «Und Süssigkeiten produzierten wir früher nur am Wochenende, weil nur dann die Nachfrage da war. Heute werden Konditoreiprodukte alle Tage verlangt und gegessen.»

Theo Meier hat diese Trends aufgenommen und sein Unternehmen in eine erfolgreiche Gegenwart geführt. Tochter Ursina nimmt nun die Herausforderungen der Zukunft an. «Eine hohe Produktqualität ist unser Markenzeichen. Das wird so bleiben.» Die neue Chefin wird nicht alles auf den Kopf stellen, sondern auf Bewährtem aufbauen. «Unseren Hauslieferdienst behalten wir bei», nennt sie ein Beispiel. «Denn unsere treuen und langjährigen Kunden sind unser wichtigstes Kapital.»

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