Deshalb spannen regionale Lifte mit grossen Skigebieten zusammen
Skilifte in der Region
Gleich drei Oberländer Skilifte setzen ab dieser Saison auf eine überregionale Partnerschaft. Auch der Atzmännig kennt ein solches Modell, das zur Zukunftssicherung beitragen soll.
Die vergangenen Tage mögen zwar etwas darüber hinweggetäuscht haben, doch die Skilifte in der Region kämpfen immer häufiger mit warmen und schneearmen Wintern. In der letzten Saison liessen sich die Betriebstage in manchen Gebieten an einer Hand abzählen. Ein Problem, das den Skiliftbetreibern zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Was also können die Skilifte im Zürcher Oberland tun, um ihren Betrieb langfristig zu sichern?
Einerseits setzen die Lifte auf zusätzliche Technik wie Beschneiungsanlagen oder neue Geräte, die auch eine Pistenpräparierung bei wenig Schnee zulassen. Andererseits gibt es kreative Ansätze. So schaffte der Bäretswiler Skilift Steig im vergangenen Winter Schnee aus der nahe gelegenen Eishalle heran, um einige wenige Skitage zu ermöglichen.
Ebenfalls hoch im Kurs sind Partnerschaften mit grösseren und höher gelegenen Skigebieten. Auf diese Saison hin gehen mit dem Skilift Oberholz-Farner in Wald und dem Skilift Schafbüel in Wildberg gleich zwei Gebiete eine solche Kooperation mit den Pizolbahnen oberhalb von Bad Ragaz ein. Der Skilift Steig wiederum setzt auf eine Partnerschaft mit dem Skigebiet Andermatt-Sedrun-Disentis.
Dabei können die Oberländer Lifte einerseits vom Know-how des grossen Partners profitieren, andererseits erhalten die Kundinnen und Kunden attraktive Rabatte. Denn wer bei den drei Oberländer Skigebieten eine Saisonkarte kauft, erhält die Tageskarte in den Partnergebieten zu einem um 50 Prozent vergünstigten Preis.
Praktische Unterstützung
«Die Partnerschaft ist durch einen persönlichen Kontakt aus dem Vorstand entstanden», erzählt Sven Hüppi von der Skilift-Genossenschaft Steig. Neben den Vergünstigungen und dem Wissensaustausch kommen noch ganz praktische Vorteile für den Lift dazu. «Allenfalls können wir Gebrauchtwaren vom Kinderland oder von der Skischule übernehmen», sagt Hüppi. Der wichtigste Aspekt der Zusammenarbeit liege aber im Marketingbereich.
Allerdings braucht man mit dem Auto fast zwei Stunden von Bäretswil nach Andermatt. Ist die Distanz nicht zu gross, damit die vergünstigten Tageskarten attraktiv bleiben? Hüppi sieht darin kein Problem. «Wir haben viele Gäste aus Zürich und aus Winterthur», sagt er. Gerade für sie sei das Skigebiet im Kanton Uri interessant.
Schwierige Lage
Für den Walder Skilift Oberholz-Farner ist die neue Partnerschaft mit den Pizolbahnen ebenfalls ein wichtiger Schritt. «Die Saisonkarten sichern uns neben den Mitgliederbeiträgen den Betrieb. Wir wollen sie darum attraktiver machen», sagt Evelyne Hengartner von der IG Skilift Oberholz-Farner. Die Pizolbahnen seien als Partner ideal. «Das Skigebiet ist in einer vernünftigen Zeit erreichbar.»
Auflagen und Investitionen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, machen dem Skilift Oberholz-Farner nämlich genauso zu schaffen wie vielen anderen Skiliften in der Region. «Die Auflagen sind enorm», sagt Hengartner, «aber sie sind für alle gleich.»
Alternative Möglichkeiten, um die Saison zu verlängern und das Gebiet zu finanzieren, gibt es für Hengartner derzeit nicht. «Schneekanonen sind für uns kein Thema. Und wir können auch nicht auf einen Sommerbetrieb setzen.» Gleichzeitig unterstreicht Evelyne Hengartner die Bedeutung der kleineren Skigebiete in der Region: «Wir bilden hier die Kinder aus, die später in den grösseren Gebieten Ski fahren.»
Auch der Präsident von Skifahren Wildberg ist sich der schwierigen Lage der Skilifte bewusst. «In den vergangenen Jahren haben wir gelernt, jeden Schneefall zu nutzen, als wäre es der letzte», sagt Patrick Schmid. Um das Skigebiet zu betreiben, sei neben freiwilligen Helfern auch die Unterstützung durch Sponsoren nötig. In Wildberg hofft man damit darauf, den Skiliftbetrieb auch künftig zu erschwinglichen Preisen aufrechterhalten zu können.

Für die Pizolbahnen sind Partnerschaften mit kleineren Skigebieten eine Herzensangelegenheit, wie CEO Klaus Nussbaumer sagt: «Wir sind fest davon überzeugt, dass wir als Branche aktiv sein müssen, um Kleinskilifte und somit auch den Nachwuchs zu erhalten.» Diese würden es Kindern ermöglichen, «in unmittelbarer Nähe das Skifahren zu günstigen Preisen und in meist einfachem Gelände zu erlernen». Die Pizolbahnen würden hier bewusst vorangehen.
Die Zusammenarbeit ist dabei nicht nur auf vergünstigte Tageskarten beschränkt. «Unsere Techniker stehen bei technischen Fragen zur Verfügung», so Nussbaumer. Ausserdem unterstütze das St. Galler Skigebiet die kleineren Skilifte beim Einkauf, da es von günstigeren Konditionen profitieren könne.

Schon länger arbeiten die Pizolbahnen erfolgreich mit dem Nachbarskilift Tristeli in St. Margrethenberg zusammen. Klaus Nussbaumer könnte sich auch noch weitere Zusammenarbeiten vorstellen. Es würden immer wieder Gespräche mit Skiliftbetreibern stattfinden.
Regionale Zusammenarbeit stärken
Neben den Skiliften in Bäretswil, Wald und Wildberg machen sich auch andere Betreiber in der Region Gedanken über solche Kooperationen. Martin Schoch vom Skilift Fischenthal fände es «schön, mit grösseren Gebieten etwas zu machen».
«Wir sind dran», sagt auch Ernst Steiger vom Skilift Ghöch, der ebenfalls auf Bäretswiler Gemeindegebiet liegt. Daneben verfolgen die beiden Bäretswiler Lifte auch eine Kooperation auf lokaler Ebene. «Wir sollten miteinander statt gegeneinander arbeiten», findet Steiger. Seit Kurzem ist die Zusammenarbeit konkret. Wenn im höher gelegenen Ghöch schon Schnee liegt, helfen die Mitarbeitenden vom Skilift Steig bei Bedarf aus. «Wir sind bereit, im Ghöch zu unterstützen, wenn wir keinen Betrieb haben», bestätigt Sven Hüppi vom Skilift Steig.
Sowieso sei den Skiliften in der Region bewusst, dass sie alle am gleichen Strang ziehen müssten, erklärt Hüppi. Jeweils vor der Saison würden sich alle Skiliftbetreiber gemeinsam mit Zürioberland Tourismus an einen Tisch setzen und sich austauschen. Ein wichtiges Angebot sei auch der Skipass Zürioberland. Dieser gilt gleich für sieben Skigebiete in der Region.
Vergünstigung nur Teilaspekt
Bereits Erfahrungen gemacht mit einer überregionalen Partnerschaft haben die Sportbahnen Atzmännig. Geschäftsführer Roger Meier bezeichnet sie als «sehr sinnvoll und befruchtend». Im Atzmännig ist der grosse «Götti» das Skigebiet in St. Moritz.
Auch im Atzmännig erhalten Saisonkarteninhaber dadurch Rabatt auf Tages- und Mehrtagespässe im Engadin. Dies ist für Meier allerdings nur ein Teilaspekt, der solche Kooperationen interessant macht. «Wir werden in der Bekleidungsbeschaffung, bei der Infrastruktur wie Pistenfahrzeugen oder bei Ressourcen für die Winter-Arena sehr grosszügig unterstützt», erklärt er.
Allerdings ist sich Roger Meier der veränderten klimatischen Bedingungen bewusst. «Wir investieren sehr viel in die Zukunft, jedoch mit Fokus auf die schneelose Zeit», sagt er. Das Kerngeschäft laufe von April bis Oktober. «Wir sind ein Freizeitressort mit Ganzjahresbetrieb.» Eine Option, die den kleineren und auf Freiwilligenbasis betriebenen Skigebieten in der Region kaum bleibt.