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«Ich bin einfach froh, dass es weitergeht»

Ein Industrie-Unternehmen verlegen, während die Produktion weiterläuft. Das geht, wie Stewi gerade zeigt.

2017 übernahm Lorenz Fäh mit seinem Geschäftspartner Stephan Ebnöther die Traditionsfirma Stewi. Nach dem Umzug nach Saland wird er sich zurückziehen.

Foto: Sandro Compagno

«Ich bin einfach froh, dass es weitergeht»

Stewi-Geschäftsführer Lorenz Fäh

Ein Umzug an sich ist schon eine Herausforderung. Ein Industrieunternehmen bei laufendem Betrieb zu zügeln, ist eine logistische Herkulesaufgabe.

Es ist kalt an diesem Donnerstagmorgen an der Rudolf-Diesel-Strasse in Winterthur-Grüze. Der erste Schnee ist bis ins Flachland gefallen, ein matschiger Brei liegt auf dem Vorplatz der Firma Stewi, die hier seit mehr als 50 Jahren ihre legendären Wäschetrockner produziert.

Geschäftsführer Lorenz Fäh führt durch den in die Jahre gekommenen Industriebau. «Eigentlich ist es ja mehr eine industrielle Manufaktur als eine Fabrik», sagt der 65-Jährige.

In der Tat steckt noch immer viel Handarbeit in den Stewi-Produkten. Im Hintergrund fädelt gerade eine Stewi-Mitarbeiterin Kunststoffschnüre in eine der Wäschespinnen. Die Produktion soll während des Umzugs möglichst ohne Unterbruch weitergehen.

Eine Stewi-Mitarbeiterin fädelt Fäden in eine Wäschespinne.
Viel Handarbeit: Stewi ist mehr Manufaktur als Fabrik.

Ein paar Meter weiter schieben drei Männer eine Maschine durch den Raum. Sie wird bereit gemacht für den Transport an den neuen Sitz in Saland. Im alten Fabrikgebäude arbeiteten zu den besten Zeiten in den 1980er Jahren bis zu 140 Menschen. Damals stand Stewi als Gattungsbegriff für jede Art von Wäscheständer.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Tumbler gehört mittlerweile in einen gut ausgestatteten Haushalt. Und billige Importware konkurrenziert die qualitativ hochwertigen Produkte aus Winterthur. Aktuell sind 14 Namen auf der Lohnliste der Firma.

Männer schieben eine knallgrüne Maschine auf einem Handhubwagen.
Muskelkraft gefragt: Zügelmänner transportieren eine Maschine ab.

Ein Name, der nur noch kurze Zeit dort stehen wird, ist Lorenz M. Fäh, der als Managing Director firmiert. Bis im August war Fäh gemeinsam mit seinem Partner Stephan Ebnöther noch Eigentümer der Firma, die sie 2017 von der Gründerfamilie Steiner erworben hatten.

Um ein Haar wäre Stewi im Sommer untergegangen. Fäh und Ebnöther haben das Pensionsalter erreicht und wollen sich zurückziehen, ein potenzieller Käufer sprang im letzten Moment ab. «Wir hatten schon allen Mitarbeitenden gekündigt», erzählt Fäh über den turbulenten Sommer.

Dann trat der deutsche Industrielle Felix Reichardt auf den Plan. Mit seiner Unternehmensgruppe ist er im süddeutschen Raum vor allem als Zulieferer für die Automobilindustrie tätig. Doch die Stewi AG passt mit ihrem Know-how und ihren Produkten aus Aluminium und Kunststoff ins Portfolio.

Rasch wurde man handelseinig und widerrief sogleich die Kündigungen. Lorenz Fäh bezeichnet den neuen Besitzer als Glücksfall. «Ich bin einfach froh, dass es mit Stewi weitergeht.»

Weiter geht es auch mit dem Umzug: Ein Teil der Fassade im Obergeschoss ist offen. Durch die Lücke wuchtet ein Kran eine schwere Maschine. Sie hat ihren Dienst getan und verschwindet in der Mulde eines Entsorgungsunternehmens.

Denn im Gegensatz zu den Mitarbeitenden werden nicht alle Maschinen den Umzug in den Techpark nach Saland mitmachen. Lorenz Fäh: «Einige Maschinen konnten wir verkaufen, andere gehen zuerst in die Revision, und wieder andere haben ihre Lebensdauer erreicht und werden entsorgt.»

Beispielsweise jene Maschinen, mit denen Stewi Kunststoffteile in die richtige Form presste. Sie werden nicht mehr gebraucht. Den Kunststoff für die Wäscheständer und -spinnen wird Stewi künftig von einer Gesellschaft der Reichardt-Gruppe beziehen. So schafft man Synergien.

«Wir nutzen den Umzug auch, um unseren Maschinenpark zu erneuern», erklärt Lorenz Fäh. So werden am neuen Standort in Saland auch Roboter zum Einsatz kommen und Teile produzieren. Auf diese Weise lässt sich die Produktion automatisieren und die Effizienz erhöhen.

Ein altes Fabrikationsgebäude. Davor steht ein Sattelschlepper.
Seit 1972 produziert Stewi in diesem Industriegebäude in Winterthur-Grüze. Im kommenden Jahr wird es abgerissen und einem Neubau Platz machen.

Ende Dezember muss der Umzug abgeschlossen sein. Das Stewi-Haus im Winterthurer Grüze-Quartier wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Ein spektakuläres sechsstöckiges Gewerbehaus ist in Planung.

Sobald die Produktion in Saland läuft, wird Lorenz Fäh die Firma verlassen, die er 2017 erworben, modernisiert und letztlich vor dem Untergang bewahrt hat. Er zieht sich aus dem Geschäftsleben zurück. Als glücklicher Mensch.

Räumungsverkauf bei Stewi

Die Stewi AG nutzt den Umzug von Winterthur nach Saland für einen Räumungsverkauf. Im Angebot stehen neben Produkten und Inventar wie Büromöbel auch verschiedene Maschinen und Werkstatteinrichtungen.

Ort: Stewi AG, Rudolf-Diesel-Strasse 11, 8408 Winterthur.

Datum: Ab 6. Dezember täglich von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr.

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