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Auch bei 50’000 Produkten gibt es im Brocki Wila kein Chaos

Secondhand liegt im Trend – auch im Tösstal. Im Heilsarmee Brocki in Wila geht es dabei nicht nur um Nachhaltigkeit.

Filialleiterin Deborah Piergentili bezeichnet sich selber als Brocki-Kind.

Foto: Bettina Schnider

Auch bei 50’000 Produkten gibt es im Brocki Wila kein Chaos

30 Jahre Secondhand im Tösstal

Das Heilsarmee-Brocki in Wila feiert sein 30-Jahr-Jubiläum – und wird immer beliebter. Die Institution hinter dem Brocki spielt für die Kundschaft kaum eine Rolle.

Es ist einiges los im Brocki in Wila: Zwei Kundinnen stehen an der Kasse. Am Schalter daneben gibt ein älterer Herr mehrere Gegenstände und Kleider ab. Und ein paar Schritte weiter räumt eine Mitarbeiterin Herbstdekoration in ein altes Gestell.

Immer mittendrin ist Deborah Piergentili. «Wir stellen gerade auf die Herbstsaison um», erklärt sie. Denn auch im Brocki werden gewisse Produkte saisonal verkauft. «Dafür haben wir ein Lager.»

Doch das meiste lande direkt im Verkaufslokal. «So ist unser System», erklärt die Filialleiterin. «Die Kunden bringen Gegenstände, und wir verarbeiten sie gleich vor Ort.» Das heisst, es wird der Preis bestimmt und das Produkt dann im Verkaufslokal einsortiert.

Ein Brocki-Kind

Wie viele verschiedene Produkte im Brocki mit rund 1000 Quadratmetern Ladenfläche im Angebot sind, kann Piergentili nur schätzen. «Es werden vermutlich über 50’000 Sachen sein», vermutet sie. Eine Inventur gibt es nicht. «Das wäre unmöglich.»

Man sieht eine Person, die Kleider sortiert.
Die abgegebenen Kleider und Gegenstände werden noch vor Ort sortiert und landen dann im Laden.

Verstauben soll davon nichts. Und wenn die Mitarbeitenden feststellen, dass ein Gegenstand schon lange am selben Ort herumsteht, wird er entweder recycelt oder an einem anderen Ort präsentiert. «Immer wieder stellen wir fest, dass ein Ladenhüter auf einmal verkauft wird, wenn wir ihn umstellen.»

Piergentili muss es wissen. Sie arbeitet seit zehn Jahren für das Heilsarmee-Brocki, seit Anfang Jahr ist sie Filialleiterin in Wila. Vorher arbeitete sie in Wetzikon.

«Ursprünglich habe ich eine Ausbildung auf der Post gemacht», sagt sie. «Das war im Vergleich sehr langweilig.» Nach einem längeren Auslandsaufenthalt hat sie dann angefangen, im Brockenhaus zu arbeiten.

Das ist kein Zufall. «Schon meine Mutter arbeitete im Heilsarmee-Brocki, ich bin sozusagen ein Brocki-Kind.» Und nicht nur das, sie ist auch Heilsarmee-Kind, wie sie selbst sagt. «Ich bin in der Kirche aufgewachsen und habe auch die Sonntagsschule besucht.»

Christliche Werte im Zentrum

Wie es der Name vermuten lässt, betreibt die Stiftung der Freikirche Heilsarmee das Brockenhaus in Wila. Der Gewinn kommt somit auch der Stiftung zugute, die zahlreiche soziale Projekte umsetzt.

Für Piergentili ist dieser Aspekt zentral. «Es geht mir in meiner Arbeit um christliche Werte, soziales Handeln und Nachhaltigkeit», betont sie.

Bei der Kundschaft hingegen scheinen diese Punkte nicht im Vordergrund zu stehen. «Ich glaube, die wenigsten nehmen das wirklich wahr», vermutet sie. «Das finde ich eigentlich schade.»

Ist Kritik an der Heilarmee, beispielsweise über den Umgang der Kirche mit queeren Menschen, im Brocki ein Thema bei den Kunden? «Nein», sagt die Filialleiterin.

Voll im Trend

An Kundschaft fehlt es in Wila ohnehin nicht. In den letzten Jahren kommen sogar noch mehr Leute ins Brocki als früher. «Es hat wohl ein Umdenken stattgefunden», vermutet Piergentili.

Secondhand liegt im Trend, und die Leute wollen nachhaltiger leben.

Deborah Piergentili

Filialleiterin Brocki Wila

«Secondhand liegt im Trend, und die Leute wollen nachhaltiger leben.» So finden vor allem auch am Wochenende viele Kunden den Weg nach Wila – auch von ausserhalb des Tösstals. Unter der Woche sind es gemäss der Filialleiterin vor allem Stammkunden aus der Region.

«Ich vermute, viele kommen zu uns, weil sie die familiäre Atmosphäre schätzen», sagt sie. Dafür, dass diese stets stimmt, ist ein Team von gut zehn Personen zuständig.

Fast alles darf ins Brocki

Eine Herausforderung für alle ist die Preisgestaltung. Die Gegenstände werden dem Brocki gespendet. Doch kostet ein Oberteil jetzt Fr. 4.90 oder Fr. 7.90? Der Entscheid ist nicht immer ganz einfach. «Wir haben hier Leitlinien, je nach Produktkategorie», sagt Piergentili.

Bei seltenen oder antiken Gegenständen helfe meist eine Suche im Internet, um das Einordnen leichter zu machen. «Aber es kommen immer wieder Dinge zu uns, da haben wir keine Ahnung, was es ist», sagt die Filialleiterin. Aber auch diese finden immer wieder Abnehmer, die wohl genau das gesucht haben.

Man sieht Kisten und Gegenstände in einem Brockenhaus.
Rund 50'000 Produkte gibt es vermutlich im Angebot – und dieses wechselt ständig.

«Es braucht in diesem Beruf einfach eine gewisse Portion Neugier.» Auch bei Räumungen von Wohnungen – diese bietet das Brocki ebenfalls an – wisse man nie, was einen erwarte.

Grundsätzlich kann man fast alle alten Kleider oder Gegenstände abgeben. «Es gibt eine Grundregel: Was man selber nicht kaufen würde, das geht nicht», erklärt Piergentili. Darunter fallen beispielsweise dreckige Matratzen oder Unterwäsche.

Auch die Filialleiterin kauft vor allem Secondhand, von Kleidern bis zur Wohnungseinrichtung. «Wenn man in einem Brocki arbeitet, kann man vermutlich irgendwann gar nicht mehr neue Dinge kaufen», meint sie. «Jetzt muss ich nur noch schauen, dass auch meine Kinder bald so denken.»

Ein Fest zum Jubiläum

Am 2. September feiert das Brocki in Wila ein Jubiläumsfest. Das Brocki hat von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Mehr Informationen findet man unter brocki.ch/wila.

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