Frau Fabrique gibt ausgedienten Kleidern eine zweite Chance
Neuer Secondhandladen in Steg
Aurélie Calland Mischler hat in Steg einen Secondhandladen eröffnet – und hofft, dass auch die Tösstaler auf den Geschmack kommen.
Es ist ein bekanntes Klischee. Französinnen gelten als sehr modebewusst. Doch Aurélie Calland Mischler sagt von sich selbst, dass es auf sie zutrifft. «Ich liebe Mode und Kleider.»
So sehr, dass sie kürzlich einen Secondhandladen in der alten Fabrik in Steg eröffnet hat: Frau Fabrique.
«Ich kaufe seit Jahren viele Kleider aus zweiter Hand», erzählt sie. «Auch für meinen 13-jährigen Sohn, der gefühlt alle zwei Wochen zehn Zentimeter wächst.»
In der Region um Fischenthal sei das Angebot an gebrauchter Kleidung aber eher dürftig. So sei ihr die Idee gekommen, einen eigenen Laden zu eröffnen.
Von Kindern zu Kleidern
Eigentlich ist Calland Mischler ausgebildete Kleinkindererzieherin. Die Französin lebt seit 23 Jahren in der Schweiz und wohnt mit ihrer Familie seit 8 Jahren in Gibswil. Letztes Jahr hat sie sich dann eine berufliche Auszeit genommen, um sich neu zu orientieren.
Und was passt da besser, als ihre Leidenschaft für Kleider mit dem Wunsch nach einer selbständigen Tätigkeit zu verbinden?
Anfang Jahr verkaufte Calland Mischler zusammen mit ihrer Bekannten Ursula Kägi in deren Beizli Drossli in Gibswil Secondhandkleider.
Ich habe aber lange gehadert und mich gefragt: ‹Mache ich es, mache ich es nicht?›
Aurélie Calland Mischler, Inhaberin von Frau Fabrique
Ebenso hatte sie die Idee, einen Flohmarkt für Frauen ins Leben zu rufen, an dem sie ihre nicht mehr gebrauchten Kleider verkaufen können. «Der erste Flohmarkt fand im März hier in der Fabrik in Steg statt und war ein voller Erfolg», erzählt Calland Mischler. Dieser soll daher nun regelmässig stattfinden.
Lange Vorbereitungszeit
Der logische nächste Schritt ist da, einen eigenen Laden zu eröffnen. «Ich habe aber lange gehadert und mich gefragt: ‹Mache ich es, mache ich es nicht?›» Irgendwann Anfang Jahr sei dann der Punkt gekommen, an dem sie sich gesagt habe: «Okay, jetzt wage ich es.»
Für Calland Mischler war vieles neu. Von der Buchhaltung bis zum Umbau des Ladens. «Es brauchte extrem viel Vorbereitung», erinnert sie sich. Zum Glück kann sie dabei auf Unterstützung aus ihrem Umfeld zählen.
Angefangen bei den Kleidern. Über Monate musste sie genügend Stücke auftreiben. «Selbst Freunde und Bekannte aus Frankreich haben Kleider organisiert.»
Diese musste sie fein säuberlich etikettieren und katalogisieren. Denn: «Gewisse sind Spenden, andere Kleider verkaufe ich auf Kommission.» Das heisst, bei einem Verkauf erhält der vorherige Besitzer 50 Prozent des Kaufpreises. Findet sich kein Abnehmer, muss dieser das Stück zurücknehmen.
Stolz auf das Angebot
Die Kleider für den Laden standen bis kurz vor Ostern alle im Haus ihrer Familie in Gibswil. Denn den Schlüssel zu ihrem Ladenlokal hat sie erst am Gründonnerstag erhalten, etwas mehr als eine Woche vor der Eröffnung. «Über Ostern hat die ganze Familie mit angepackt, damit wir den Laden einrichten konnten», erzählt sie.
Es hat alles geklappt. Am 15. April konnte Calland Mischler Frau Fabrique eröffnen.
Zu finden sind dort vor allem Frauenkleider. «Und zwar in ziemlich allen Grössen», erzählt die Ladeninhaberin nicht ohne Stolz. Denn das Sortiment kann sie nicht selber zusammenstellen. Es hängt davon ab, welche Kleider die Leute loswerden wollen.
Aber auch Schmuck, ein paar wenige Männerkleider und Selbstgemachtes sind im Angebot. Calland Mischler näht seit Jahren Accessoires wie Taschen und Necessaires und stellt Deko-Artikel her.
Auch diese Produkte verkauft sie jetzt in ihrem Laden. «Ich kann mir vorstellen, dass hier auch andere bald ihre Kreationen anbieten können.»
«Voll im Trend»
Calland Mischler denkt also bereits an die Zukunft. Trotzdem will sie langsam starten.
Im Moment öffnet sie ihren Laden an drei Tagen pro Woche, von Donnerstag bis Samstag. Sie weiss, dass es etwas Zeit braucht, bis sich der Laden etabliert. Davon leben kann sie noch lange nicht.
Doch sie ist zuversichtlich, dass auch die Fischenthalerinnen und Fischenthaler bald auf den Geschmack kommen. Sie ist überzeugt: «Die Leute wollen nachhaltiger leben, Secondhand liegt also voll im Trend.»