Turbenthaler warten weiter auf schnelles Internet
Wegen Weko-Untersuchung
Der Anschluss ist da, aber blockiert: Swisscom-Kunde Sascha Steinmann aus Oberhofen hätte gerne Antworten zum Glasfasernetz. Doch die Swisscom vertröstet.
«Ab 2022 erfolgt mit der Glasfaser ein nächster Schritt beim Netzausbau in Turbenthal.» Unter diesem Titel pries die Swisscom im Herbst 2021 den Glasfaserausbau in der Tösstaler Gemeinde an.
Auch Sascha Steinmann aus Oberhofen hat diese Mitteilung erhalten. Für ihn war klar, dass er sein Haus ans neue Netz anschliessen will. «Bisher sind wir nur über die Telefonleitung erschlossen», erklärt er.
Die Internetgeschwindigkeit ist damit auf 250 Megabit für den Download und 50 Megabit für den Upload beschränkt.
«Wenn man mit grossen Dateien arbeiten muss, ist das schwierig», meint der Teamleiter eines Thurgauer Internetanbieters. Bei Glasfaser sind bis zu 10 Gigabit pro Sekunde möglich.
Schacht mit eigenem Geld
Der Oberhöfler unterzeichnete den nötigen Anschlussvertrag und hoffte darauf, bald schnelleres Internet zu haben. Für die Leitung hat er sogar noch selber Geld in die Hand genommen.
Die Firma, die das Netz baut, wollte die Glasfaserleitung nämlich an die bestehenden Freileitungsmasten hängen.
Für Steinmann ist das ein Unding. «Jedes Jahr kommt jemand von der Swisscom vorbei, um den Baum im Garten zu schneiden, da er in die Freileitung reinwächst.» Das sei einfach sinnlos.
Auf eigene Kosten – und mit viel eigener Arbeit – haben er und seine Nachbarn dafür gesorgt, dass für die Glasfaser ein Leitungsrohr im Boden verlegt wird. Gut 3500 Franken hat Steinmann für die Grabarbeiten, das Rohr und den Schacht ausgegeben.
Keine Informationen der Swisscom
Ende letzten Jahrs war es dann so weit. Die Leitung wurde zum Haus gezogen, der Anschlusskasten installiert. «Jetzt müsste eigentlich nur noch die Dose im Haus eingebaut und die Leitung freigegeben werden», sagt Steinmann.
Doch darauf wartet er seither vergeblich. «Wir erhalten keine Informationen, wann wir endlich ein Glasfaser-Abo bestellen können», ärgert er sich.
Er habe schon mehrmals bei der Swisscom nachgefragt und sei immer vertröstet worden. «Zuletzt hiess es, wir werden im Januar informiert.» Doch es passierte nichts.
Einer von 500’000
Steinmann und mit ihm viele weitere Turbenthalerinnen und Turbenthaler sind nicht die Einzigen, die im Moment auf schnelleres Internet warten.
In der ganzen Schweiz sind laut der Medienstelle der Swisscom rund 500’000 Anschlüsse gebaut, die nicht in Betrieb genommen werden können. Grund dafür ist eine Untersuchung der Wettbewerbskommission (Weko) vom Dezember 2020.
Die Behörde bemängelt die von der Swisscom verwendete neue Bauweise «Punkt-zu-Multipunkt» (P2MP). Diese behindere die Konkurrenten in der Gestaltung ihrer Internetangebote. Seither sind die neuen Anschlüsse blockiert.
Glasfaser-Bauweisen
Bei der «Punkt-zu-Punkt»-Netzstruktur (P2P) eines Glasfasernetzes erhält jeder Kunde eine eigene Glasfaser. Die Glasfaserkabel führen von den Anschlusszentralen direkt zu den Glasfaserdosen in den Wohnungen. Anbieter können damit eigene Technik verwenden.
In einer «Punkt-zu-Multipunkt»-Netzstruktur (P2MP) wird die Glasfaser auf dem ersten Streckenabschnitt für mehrere Kunden genutzt. Erst an einem optischen Splitter im Verteilerkasten erfolgt eine Aufteilung der Signale auf einzelne Anschlüsse. Vor allem kleinere Anbieter argumentieren, dass sich die Installation und der Unterhalt eines Splitters nicht lohnen. Deshalb seien sie mit dieser Bauweise benachteiligt.
Die Swisscom wehrte sich vergeblich gegen die Blockierung. Auch das Bundesgericht stützte im vergangenen Jahr das Vorgehen der Weko.
Bereits vorher, im letzten September, hatte die Swisscom eingelenkt. Sie kündigte an, ihren Glasfaserausbau so umzustellen, dass er den Vorgaben der Wettbewerbshüter entspricht.
Datum noch offen
Doch was passiert mit Anschlüssen wie in Turbenthal, die eigentlich schon erstellt sind? Diese müssen nun wieder umgebaut werden.
«So eine Umstellung bedarf jedoch aufgrund der Komplexität einer gewissen Zeit und lässt sich nicht von heute auf morgen vollziehen», sagt Armin Schädeli von der Medienstelle der Swisscom.
Kundinnen und Kunden wie Sascha Steinmann müssen damit weiter Geduld haben. «Da mit der Planung des Nachbaus jetzt begonnen wird, können wir noch keinen konkreten Termin nennen», erklärt der Mediensprecher weiter. «Sobald ein solcher feststeht, werden die Kunden über geeignete Kanäle informiert.»
Für Sascha Steinmann ein kleiner Trost. «Mich stört vor allem, dass wir wichtige Informationen zur Verfügbarkeit nicht direkt von der Swisscom erhalten haben.»