«Kollaps der CS hätte globale Finanzkrise auslösen können»
BSU-Chef zur CS-Übernahme
Die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS dominiert die Schlagzeilen. Was sagen die Regionalbanken im Zürcher Oberland zum Mega-Deal? Damian Lanter, CEO der Bank BSU, nimmt Stellung.
Herr Lanter, waren Sie überrascht von der Entwicklung der letzten Tage und vor allem vom Tempo?
Damian Lanter, CEO Bank BSU: Leider nein. Verschiedene ungünstige Voraussetzungen sind in dieser dramatischen Entwicklung kumuliert. Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns in einer solchen Situation befinden: Ich erinnere hier an die Swissair. Auch damals gab es eine lange Vorgeschichte und das Grounding als plötzliche Wendung. Als Angestellter habe ich bei der UBS sowohl die Fusion der Bankgesellschaft mit dem Bankverein im Jahr 1997 wie auch die globale Finanzkrise 2008 miterlebt. Darum beschäftigt mich diese Entwicklung sehr. Ich kann mir vorstellen, was in den Mitarbeitenden der Credit Suisse jetzt vorgeht und was in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren bei der Integration der beiden Banken auf sie zukommt.

Wie schätzen Sie die «Zwangsheirat» zwischen der UBS und der CS ein? Was bedeutet sie für den Bankenplatz Schweiz?
Ich gehe mit vielen Kommentatoren einig: Es ist die beste aller schlechten Varianten. Was die Übernahme konkret bedeutet, ist jetzt noch sehr schwer abzuschätzen. Aber sie ist aus heutiger Sicht sicher der richtige Schritt nicht nur für den Finanzplatz Schweiz, sondern auch für den Wirtschaftsstandort und damit für unsere Volkswirtschaft.
Hat die Fusion irgendwelche Auswirkungen auf Ihre Bank und Ihre Kundinnen und Kunden?
Grundsätzlich nein. Ein anderes Szenario, nämlich der Konkurs der CS, hätte schwerwiegende Folgen gehabt – nicht nur für die Bank BSU, sondern für uns alle. Die Credit Suisse gehörte zu den weltweit grössten Banken. Ein Kollaps hätte angesichts aller Verflechtungen das Potenzial gehabt, eine globale Finanzkrise auszulösen.
Was raten Sie heute den Kundinnen und Kunden der CS?
Es ist verständlich, dass die Menschen verunsichert sich. Aber überstürzte Entscheide sind in Finanzangelegenheiten nur selten gute Entscheidungen. Natürlich dürfen sich die Kundinnen und Kunden überlegen, ob die neue UBS noch die richtige Bank für sie ist. Die Frage ist ebenso legitim, wie sich auch unsere Kunden jederzeit die Frage stellen könnten, ob ihre Bedürfnisse von einer Regionalbank erfüllt werden. Aber Panikaktionen halte ich für unnötig.