Ein kleines Windrad sorgt für zusätzlichen Strom in Hittnau
Aber nur bei starkem Wind
Elektrounternehmer Stefan Nagy hat auf dem Dach seiner Firma ein Windrad aufgebaut. Doch an die Leistung der Solarpanels kommt es bei weitem nicht heran.
Wenn es um die Energieversorgung des Firmensitzes seiner Elektroplanet AG in Hittnau geht, mag es Stefan Nagy unkonventionell. «Wir heizen hier mit unseren Klimageräten», erklärt der Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident. Seine Firma ist auf Notbeleuchtungsysteme & Gebäudeautomation-, sowie Ersatzstromsysteme spezialisiert.
«Bis 2021 hatten auch wir eine Ölheizung», erzählt er. Doch die steigenden Kosten hätten ihn zum Umdenken angeregt. «Zuerst wollte ich eine Wärmepumpe einbauen lassen», sagt er. Am Schluss hat sich aber herausgestellt, dass es viel effizienter ist, im Winter mit der Klimaanlage zu heizen. «Diese ist ebenfalls eine Wärmepumpe, wenn man sie technisch genauer betrachtet.»
Und auch bei der Stromversorgung des Hauses setzt er nicht auf konventionelle Wege: «Wir sind zwar ans öffentliche Netz angeschlossen, können uns aber auch selber versorgen dank unserer Photovoltaik-Anlage ergänzt mit einem Energiespeichersystem.»
Batterie mit Wind aufladen
Der Strom kommt primär von der hauseigenen Solaranlage. Diese wurde im vergangenen Jahr ausgebaut, und umfasst nun neben dem Dach auch die Fassade.
Damit das Haus aber auch bei Dunkelheit nicht auf die öffentliche Stromversorgung angewiesen ist, hat Nagy eine Batterie mit 100 Kilowattstunden Speicherkapazität zusammen mit seinem Team eingebaut. «Die habe ich selber entwickelt», erzählt er nicht ohne Stolz. Solche Batterielösungen verkauft Elektroplanet auch an ihre Kundinnen und Kunden.
Watt und Kilowattstunden
Der Begriff Watt bezeichnet die Strommenge, die pro Sekunde verbraucht wird. 1000 Watt sind ein Kilowatt.
Kilowattstunden bezeichnen hingegen den gesamthaft verbrauchten Strom. Ein Rechenbeispiel: Eine Kilowattstunde ist die elektrische Energie, die ein während einer Stunde eingeschaltetes Gerät von 1000 Watt verbraucht. (Quelle: energie-umwelt.ch)
Die Batterie wird aber nicht nur mit den Solarpanels aufgeladen. Seit letztem Sommer steht auf Nagys Dach auch ein kleines Windrad. Der Durchmesser der Turbine beträgt etwas mehr als zwei Meter. Nagy hat es aus einem Bausatz zusammengebaut.
«Für uns war das ein Experiment», erklärt er. Wenn es stark windet, scheint die Sonne meistens nicht. Deshalb wollte er ausprobieren, wie viel Strom er mit einem kleinen Windrad zusätzlich gewinnen kann.
In der Auswertung überlässt Nagy nichts dem Zufall. Der ganze Stromverbrauch und -produktion des Hauses im Hittnauer Industriequartier wird akribisch überwacht.
Auf einer speziellen App hat er die ganzen Daten im Haus jederzeit im Blick. Seine Erkenntnis: «Das Windrad liefert wirklich nur Strom, wenn es sehr stark windet», erklärt er.
Das Windrad ist nur eine Ergänzung.
Stefan Nagy
Geschäftsführer Elektroplanet in Hittnau
Das ist meistens in den Wintermonaten der Fall, wenn die Solarproduktion am schwächsten ist. Mit reiner Windenergie produzierte Nagy im Januar und Februar rund je 2,8 Kilowattstunden. «Als es vergangene Woche stürmte, haben wir diesen Wert sogar an einem Tag erreicht», freut er sich.
Für ihn geht die Rechnung auf. Etwas mehr als 2200 Franken hat er für das Rad ausgegeben. Er ist deshalb überzeugt, dass er die Kosten in drei bis fünf Jahren wieder amortisiert hat.
Und für die Hauptproduktion des Stroms vertraut er ohnehin auf seine Solarpanels. «Das Windrad ist nur eine Ergänzung.» Allerdings eine, die durchaus Potenzial hat.
Eine normale Baubewilligung
Für Nagy ist klar, dass die Windenergie von kleinen Anlagen noch völlig unterschätzt wird. «Ein solches Windrad lässt sich eigentlich auf fast jedem Dach anbringen», sagt er. «Die Anschaffungskosten sind gering, und wenn man in einer windigen Gegend wohnt, kann sich das durchaus lohnen», erklärt er.
Das Windrad ist so klein, das stört niemanden.
Stefan Nagy
Kleinere Modelle beginnen auch schon bei weniger starken Winden zu drehen. «Es ist aber von Vorteil, wenn das Windrad möglichst hoch in der Luft ist», erklärt er. Denn dort ist der Wind stärker.
Für das Windrad ist eine normale Baubewilligung nötig. «Ich musste das Projekt auch ausstecken», sagt Nagy, «damit die Nachbarn die Grösse abschätzen können.» Fragen – oder gar Einsprachen – hat es keine gegeben.
«Das Windrad ist so klein, das stört niemanden», ist Nagy überzeugt. Man höre zwar, wie die Propeller drehen. «Aber wenn es stark windet, nimmt man das ja ohnehin wahr.»