Firmen fürchten Fachkräftemangel – und vertrauen auf Mitarbeitende
Umfrage in der Region
So blicken Unternehmen aus der Region auf das kommende Jahr: Züriost hat einige der bedeutendsten Firmen befragt. Trotz einiger Sorgen starten sie mit Zuversicht ins neue Jahr.
Im vergangenen Jahr hatten die Unternehmen nicht nur in der Schweiz mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. So kam es zu Unterbrechungen der Lieferketten und geopolitischen Spannungen, es zeichnete sich auch ein schwerwiegender Energiemangel ab. Wie geht die regionale Wirtschaft mit diesen Problemen um? Mit welchen Erwartungen blickt sie dem neuen Jahr entgegen?
Die Einschätzung der Lage
Züriost hat 30 der bedeutendsten Unternehmen aus der Region gefragt, was sie vom kommenden Jahr erwarten. 14 der angefragten Firmen haben die Fragen beantwortet.
Die Umfrage
Der Fragebogen bestand aus sechs Fragen aus den Themen Personalentwicklung, Einschätzung der Wirtschaftslage sowie Sorgen und Hoffnung bezüglich 2023. Die Umfrage wurde zur schriftlichen Beantwortung an 30 Unternehmen aus der Region geschickt, 14 Unternehmen haben geantwortet. Manche sind in ihrer Branche Weltmarktführer, andere sind die grössten Arbeitgeber in der Region, wieder andere stehen für viele ähnliche Unternehmen in der Region und sind deshalb ein guter Indikator für die Zukunftsaussichten. (eka)
Die Auswertung der Umfrage zeigt, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer im Zürcher Oberland mehr Vertrauen in die Entwicklung ihrer eigenen Unternehmen haben als in die Entwicklung der gesamtschweizerischen Wirtschaft.
Martin Schäppi, Leiter Unternehmenskommunikation der Meier Tobler AG, sieht zwar die Schwierigkeiten für die Schweizer Wirtschaft, aber auch die Chancen für den Schwerzenbacher Klimatechniker: «Lieferketten und Fachkräftemangel sind limitierende Faktoren, doch der Energie- und Technologiewandel sowie der Bestand an veralteten Heizungen in Gebäuden sind für uns ein grosser Arbeitsvorrat.»
Martin Jucker, Mitgründer der Jucker Farm, stösst ins gleiche Horn. Er erwartet ein positives Jahr für den Juckerhof in Seegräben: «Grundsätzlich haben wir eine Pandemie zu verdauen und wieder in geordnete Bahnen zu kommen. Die vielen neuen Produkte aus der Hofmanufaktur und der Eventbereich ohne Covid-Einschränkungen werden aber zum Wachstum beitragen.»
Die Personalentwicklung
Positiv sieht es auch bei der Entwicklung der Arbeitsstellen in den befragten Unternehmen aus. Die Umfragedaten zeigen, dass die Firmen von Ende 2021 bis Ende 2022 65 Vollzeitstellen aufgebaut haben. Für den Dezember 2021 geben die 14 Unternehmen rund 5710 Vollzeitstellen an, für den Dezember 2022 sind es 5775. Nach den Einschätzungen für das kommende Jahr befragt, sollen bis Ende 2023 noch einmal rund 70 Stellen dazukommen.
Zu dieser Entwicklung wird unter anderen das GZO Spital Wetzikon beitragen. «Wir haben von der Zürcher Gesundheitsdirektion den Leistungsauftrag zum Aufbau einer Neonatologie erhalten. Ebenfalls aufbauen werden wir eine interne orthopädische Abteilung. Für beide Bereiche werden Fachkräfte gesucht», erklärt CEO Matthias Spielmann.
Auch im neuen Jahr werden wir unsere Wachstumsstrategie weiterführen.
Andreas Meile, Head Global Communiations & Brand Management bei Belimo Automation AG
Auch die Belimo Automation AG in Hinwil hat Ausbaupläne. Andreas Meile, Head Global Communications & Brand Management, sagt diesbezüglich, dass zwei langfristige Trends für den Hinwiler Klimatechniker Wachstumstreiber bleiben: die Verbesserung der Energieeffizienz des weltweiten Gebäudebestands sowie die erhöhten Anforderungen an die Raumluftqualität in Gebäuden. «Auch im neuen Jahr werden wir unsere Wachstumsstrategie weiterführen.»
Die grössten Sorgen
Wer wachsen und ausbauen will, der benötigt auch Fachkräfte. Diese zu finden – und sie zu behalten – bereitet den befragten regionalen Unternehmen eindeutig die grössten Sorgen.
Zurecht, denn Mitte Dezember waren in der Schweiz über 250'000 Stellen offen, wie eine vergangene Woche publizierte Auswertung des Personalunternehmens x28 zeigt. Das sind gut 12'000 mehr als drei Monate zuvor. «Der Fachkräftemangel ist auch bei uns im Spital sehr spürbar und so richten wir unsere Anstrengungen besonders auf die Pflegeberufe aus», erklärt die Leiterin Marketing und Kommunikation des Spitals Uster Martine Frei.
Worauf Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften achten sollten und wie sie die Fachkräfte auch im Unternehmen halten können, erklärt Marcel Schutte von der Gut Personal Consulting GmbH in Wetzikon im Interview.
Neben den sechs abgefragten Sorgenfaktoren geben die befragten Unternehmen als weitere Faktoren den Ukraine Krieg, den Klimawandel, die dynamische Zinsentwicklung und die eingetrübte Konsumentenstimmung an.
Die Zuversichtsfaktoren
Trotz all den Sorgen zeigen sich die Firmen in der Region grundsätzlich zuversichtlich. Sie vertrauen vor allem auf ihre Produkte und das Knowhow ihrer Mitarbeitenden.
Viele Unternehmen sehen neben den drei abgefragten Faktoren gerade auch den Energie- und Technologiewandel sowie das Kundenbedürfnis nach Nachhaltigkeit als Chance.
Die Pandemie habe die Werte in der Öffentlichkeit zum Regionalen und Nachhaltigen verschoben, sagt Martin Jucker: «Unser Fokus, mit regenerativer Landwirtschaft nicht Produkte von maximaler äusserer Qualität herzustellen, sondern die inneren Werte ins Zentrum zu stellen, wird gerade sehr belohnt.»
Auch Martin Schäppi von Meier Tobler sieht im Technologiewandel nicht nur Chancen für die Firma selber sondern auch für ihre Mitarbeitenden: «Die Digitalisierung und der Wandel hin zu erneuerbaren Energien sorgen bei Meier Tobler dafür, dass sich viele Jobs wandeln – sie werden sinnhafter und interessanter.»