Wanderlust beflügelt Wetziker Outdoor-Firma
Kindermund tut Wahrheit kund. Wer darauf hört, kann das Geschäft seines Lebens machen. So geschehen beim Outdoor-Kinderlabel Namuk mit Sitz in Wetzikon. Während weite Teile der Wirtschaft im 2020 Corona-bedingt darben, fuhr die Firma laut eigener Aussage ein Rekordjahr ein.
Das Besondere: Namuk lässt seine Produkte von Kindern testen und passt sie an die Bedürfnisse der gnadenlos ehrlichen Kritiker an.
Doch auch den Trend zu ökologisch nachhaltigen Textilien macht Namuk-Gründer Franz Bittmann für den Geschäftserfolg verantwortlich. In dieses Bild passt denn auch die hohe Nachfrage für die neue Kollektion aus biologisch abbaubarem Fleece – eine Innovation, für deren Entwicklung die Oberländer den Anstoss gegeben haben.
Bereit für Experimente
«Bisher gab es nur abbaubare Isolationen», sagt Bittmann. «Das reichte uns aber nicht, denn das Hauptproblem sind die Mikrofasern vom Aussenstoff.» Etwa 1,7 Gramm synthetisches Material gibt eine Fleecejacke pro Waschgang an die Umwelt ab. Hinzu komme die natürliche Abnutzung beim Tragen.
In Zusammenarbeit mit einer US-amerikanischen Firma entwickelte Namuk den neuartigen Stoff, aus dem die erste abbaubare Fleece-Kollektion hervorgehen sollte. Ausschlaggebend dabei seien nicht bloss Bittmanns enge Beziehungen zu den Entwicklern gewesen: «Wir können nur so früh bei innovativen Projekten dabei sein, weil wir ein kleines und agiles Unternehmen sind, das gerne mal Experimente mitmacht.»
«Bei Kindertextilien wird immer gespart. Nirgendwo gab es robuste Produkte.»
Franz Bittmann, Gründer Namuk GmbH
Neun Mitarbeiter sind heute für die Namuk GmbH tätig, die bis Anfang Dezember noch Eleven GmbH hiess. Dieser Name ging auf das 1998 von Bittmann gegründete Label für Snowboard-Kleidung zurück. Die Produktion für Erwachsene musste er einstellen, als der Hype um die Wintersportgeräte abnahm und die Konkurrenz übermächtig wurde.
Sein ältester Sohn Levi – der mit 13 Jahren die Namuk-Zielgruppe schon verlassen hat – inspirierte Bittmann zur Gründung einer reinen Kindermarke. Genauer gesagt war es Levis enormer Kleiderverschleiss. «Bei Kindertextilien wird immer gespart. Nirgendwo gab es robuste Produkte», sagt der mittlerweile dreifache Vater.
Onlineshop und Pop-up-Stores
2014 zog die Familie von Wil SG nach Wetzikon, wo seither auch der Hauptsitz liegt – inzwischen mit eigenem Laden. Zusätzlich werden Namuk-Produkte im Onlineshop sowie in «Pop-up-Stores» in Arosa und in der Lenzerheide vertrieben.
Die Herstellung des Sortiments erfolgt sowohl in Europa als auch in Asien. Steht das nicht im Widerspruch zur ökologischen Unternehmensphilosophie? Es mache Sinn, die Kleider dort zu produzieren, wo der Stoff herkomme, sagt Bittmann. Er kenne die Produzenten, besuche sie regelmässig. «Wir benötigen kleine Mengen hoch technologisierter Produkte.»
Bei ihren Zulieferern herrschten gute Arbeitsbedingungen – anders als bei Produzenten, die Massenware für Grossunternehmen herstellten.
«Kein Produkt ohne Alleinstellungsmerkmal.»
Franz Bittmann, Gründer Namuk
Im Kampf gegen diese Konkurrenz lautet das Credo: «Kein Produkt ohne Alleinstellungsmerkmal.» Sei es nun ein Nuggihalter, versteckte Hosenträger oder der «WC-Reissverschluss» um die Hüften. Zudem sollen die Textilien langlebig und robust sein.
Nicht gerade billig
Das alles hat seinen Preis: Ein Namuk-Skianzug kann schon mal um die 300 Franken kosten. Teuer, wenn man bedenkt, dass der Knirps in spätestens zwei Jahren aus dieser Grösse herausgewachsen sein wird.
«So darf man das aber nicht rechnen», hält Bittmann entgegen. Ihre Produkte sollen von Kind zu Kind weitergegeben werden, im Optimalfall über mehrere Generationen hinweg. «Teilt man den Kaufbetrag durch drei oder vier, ist der Skianzug plötzlich nicht mehr so teuer.»
Diese Überschlagsrechnung stellen laut Bittmann immer mehr Eltern an. Eine firmeneigene Secondhand-Plattform für gebrauchte Outdoor-Kleidung der Marke soll diese Mentalität künftig fördern.
«Ob nun eine Pandemie herrscht oder nicht – wenn man Kinder hat, muss man immer raus in den Wald oder in den Schnee.»
Franz Bittmann, Gründer Namuk
Die Pandemie habe diese Entwicklung hin zur Nachhaltigkeit verstärkt, sagt der 44-Jährige. Zwar steckte Namuk im Frühling während zweier Wochen wie so viele in einer von Ratlosigkeit geprägten Krise, konnte dann aber vom Schweizer Wanderboom stark profitieren.
Aus eigener Erfahrung weiss Bittmann: «Ob nun eine Pandemie herrscht oder nicht – wenn man Kinder hat, muss man immer raus in den Wald oder in den Schnee.»
Silvan Hess
Weitere Informationen unter:
www.namuk.ch
