«Schlackendebakel». «Finanzwirrwarr». Ein drohender «Sanierungsfall». Was der «Tages-Anzeiger» Anfang Februar über die ZAV Recycling AG zu berichten hatte, liess aufhorchen. Die im Eigentum vonKehrichtverwertungsanlagen (KVA) stehende Firma betreibt in Hinwil seit 2016 eine hochmoderne Aufbereitungsanlage, die aus Kehrichtschlacke wertvolle Metalle gewinnt. Ein Pionierprojekt in grosstechnischem Massstab. Dessen Funktionstüchtigkeit zieht die jüngste Kritik auch nicht in Zweifel, wohl aber dessen Finanzierung. Die Kosten seien «ausser Kontrolle geraten».
Für ihr drastisches Lagebild kann sich die Zeitung auf einen internen Gewährsmann berufen: Daniel Aebli, den Direktor von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ). Das Stadtzürcher Dienstleistungsunternehmen war 2013 Gründungsmitglied der ZAV Recycling AG und hält aktuell 9,5 Prozent der Aktienanteile.
Brandbrief an den Verwaltungsrat
Am 18. November 2019 wandte sich Aebli mit einem Brief an den Verwaltungsratder ZAV Recycling AG. «Zum wiederholten Mal entsteht der Eindruck, dass eine für das Unternehmen kritische Situation zu spät erkannt worden ist und dass die Eigentümer und Lieferanten nicht rechtzeitig informiert wurden», zitiert der «Tages-Anzeiger». Wie der vertrauliche Brief an die Zeitung gelangte, schreibt sie nicht.
Umso klarer ist dafür der Stein des Anstosses: Aebli ärgert sich über den steigenden Anlieferpreis für die Schlacke. In diesem Jahr verlangt die ZAV Recycling AG neu 150 Franken pro Tonne von den Schlackenlieferanten – also auch vom ERZ. Dabei war in ersten Businessplänen noch von einem Tonnenpreis von 40 Franken die Rede.

