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Wirtschaft

Ein Hauch Hüttenromantik für die Stadt

Mit dem «Alpomat» hat die Gibswilerin Margrit Abderhalden einen neuen Vertriebsweg für Landwirte kreiert. Der Lebensmittelautomat hat nun in Zürich seinen Bestimmungsort gefunden.

Die Gibswilerin Margrit Abderhalden (rechts) hat den «Alpomat» nach Zürich gebracht., Dabei handelt es sich um einen Automaten mit handgemachten Lebensmitteln von der Alp und aus ländlichen Regionen des Kantons.

PD

Ein Hauch Hüttenromantik für die Stadt

Der «Alpomat» ist ein rund um die Uhr geöffneter Mini-Hofladen für die Stadt. Anders als bei einem Selecta-Automat finden sich darin jedoch keine Schwangerschaftstests oder industriell gefertigten Softdrinks, sondern handgemachte Lebensmittel von der Alp und aus ländlichen Regionen des Kantons Zürich.

Die Initiantin des Automaten in anheimelnder Alphütten-Optik ist Margrit Abderhalden. Die Gibswiler Landwirtin testete ihre Erfindung noch bis letztes Jahr an temporär bewilligten Standorten in Winterthur, Wetzikon und Seegräben (wir berichteten).

Mittlerweile wurde das Projekt nach Zürich verlegt. Fünf Alpomaten halten dort seit Kurzem ihre Produkte feil und locken die Stadtbewohner mit Qualität und einem Hauch Hüttenromantik.

Alternativer Vertriebsweg

Die Idee eines mit Alp- und Hofspezialitäten gefüllten Automaten konkretisierte sich 2016, als Abderhalden mit ihrem Mann Ueli und den drei Kindern einen Biobetrieb mit Milchwirtschaft in Gibswil übernahm.

Die herkömmlichen Varianten zur Vermarktung kamen für die Familie nicht infrage. So habe die Teilnahme an Wochenmärkten zeitlich nicht drin gelegen. Die Vermarktung über kleinere Läden sollte sich ebenfalls als schwierig erweisen, da diese in der Regel bereits feste Lieferanten hätten.

Die Zusammenarbeit mit dem Grosshandel schliesslich sei nicht kostendeckend. Tatsächlich gehen laut dem Schweizer Bauernverband von jedem Franken, den der Endverbraucher ausgibt, nur 30 Rappen an den Produzenten. Diese geringe Marge dürfte auch der Grund sein, weshalb gemäss Bundesamt für Statistik mittlerweile fast jeder vierte Bauernhof einen eigenen Hofladen betreibt.

«Wir unterstützten Margrit Abderhalden bei der Überarbeitung des Sortiments, bei der Finanzierung, in der Kommunikation und in der Zusammenarbeit mit anderen Bauernhöfen.»

Patricia Mariani, Kleinbauern-Vereinigung

Mit diesen Problemen ist die Kleinbauern-Vereinigung vertraut. Sie war deshalb sogleich an Abderhaldens innovativem Vertriebsweg interessiert, als die Gibswilerin 2016 auf sie zukam. Seither agiert die Vereinigung als Beraterin des Alpomaten-Projekts. «Wir unterstützten Margrit Abderhalden aber auch bei der Überarbeitung des Sortiments, bei der Finanzierung der Investitionskosten, in der Kommunikation und in der Zusammenarbeit mit anderen Bauernhöfen der Region», erklärt Kommunikations- und Projektleiterin Patricia Mariani.

Viele potenzielle Käufer

Der Alpomat, so Mariani, sei die Antwort auf die Frage, wie der Hofladen in die Stadt kommt, wo viele potenzielle Käufer von bäuerlichen Produkten wohnen und arbeiten. «Zu den bewährten Angeboten wie dem Wochenmarkt haben wir im Alpomat eine sinnvolle, rund um die Uhr geöffnete Ergänzung gefunden.»

«In der Stadt gibt es keine Hofläden und die Leute gehen auch bei Regen zur Arbeit.»

Margrit Abderhalden, Gibswiler Landwirtin und Initiatorin des «Alpomat»

Die Erfahrungen, die Abderhalden mit den Alpomaten während der Testphase im Zürcher Oberland gemacht hatte, bestärkten sie in der Überzeugung, dass diese Erfindung in erster Linie für die Stadt konzipiert sei. So habe es in den ländlichen Regionen bereits ein Angebot an Hofprodukten gegeben. Zudem seien die Verkaufszahlen stark vom Wetter abhängig gewesen. «In der Stadt hingegen gibt es keine Hofläden und die Leute gehen auch bei Regen zur Arbeit», sagt Abderhalden.

Viel wichtiger als das Wetter sei dort der Standort: Gut frequentiert und weit herum sichtbar sollte er sein. Die Tramhaltestelle am Albisriederplatz hat sich diesbezüglich als wahrer Glücksfall entpuppt; von allen fünf Automaten verbucht nämlich der dort installierte zurzeit den höchsten Umsatz.

Beheizt im Winter, gekühlt im Sommer

Einmal pro Woche packt Abderhalden ihren Wagen und macht sich auf eine Tour von Alpomat zu Alpomat, um deren Fächer aufzufüllen. Dank Telemetrie weiss sie im Voraus, wo welche Lebensmittel benötigt werden.

Zu den meistverkauften Produkten gehören momentan die Apfelringe aus Märstetten, Linthmais-Waffeln aus dem schwyzerischen Tuggen und die Linzertörtli von Abderhaldens Betrieb in Gibswil. Aber auch Pikanteres wie Alpkäse und Rauchwurst werden relativ oft aus dem Alpomat gezogen.

Die Lebensmittel haben alle ein langes Haltbarkeitsdatum und werden im Sommer gekühlt. Bei tiefen Temperaturen hingegen heizt der Automat, denn gefrorener Süssmost stiesse bei den Kunden auf ähnlich wenig Begeisterung wie geschmolzene Alpbutter.

Schwierige Standortsuche

Wie schon im Zürcher Oberland ist das Feedback aus Zürich bisher positiv. Reklamationen hätten lediglich technische Probleme betroffen, die inzwischen beseitigt worden seien. Abderhalden und die Kleinbauern-Vereinigung suchen bereits nach fünf weiteren Standorten.

Auflagen bezüglich des Erscheinungsbildes sowie Konkurrenzklauseln machen die Suche jedoch zu einem schwierigen Unterfangen. Irgendwann könnte der Alpomat den Sprung in andere Grossstädte oder wieder in kleinere Städte des Zürcher Oberlands schaffen. Doch von dieser Vision sei man zum jetzigen Zeitpunkt noch «sehr weit weg», wie Abderhalden zugibt.

Silvan Hess

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