«Mit der Digitalisierung wird es nicht weniger Jobs geben»
Ohne Handy, geht das heute noch? Ganz gut, findet mindestens Erwin Meier vom Gartencenter Ernst Meier AG. Dank des fehlenden Handys habe er sogar in einem receptionslosen Hotel in den USA, das ganz auf die digitale Welt setze, viel mehr Aufmerksamkeit gefunden, als dies in einem normalen Hotel der Fall gewesen wäre. Die Digitalisierung und der Mensch war denn auch das Thema des 14. Arbeitgeber-Anlasses der Oberländer Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Dieser fand mit rund 200 Teilnehmern am 14. Juni in den Räumen der Dürtner Grossgärtnerei statt.
Neue Organisationsformen
Während Meier am Anlass den Advocatus diaboli spielte, der sich scheinbar der schönen neuen digitalen Welt gut zu entziehen weiss, zeigte Marek Dutkiewicz all die Vorteile auf, die die Digitalisierung in seinen Augen bietet. Der CEO der Dübendorfer HR Campus AG gibt sich überzeugt davon, dass mit der Digitalisierung auch die Zeit der hierarchischen Organisationen abläuft. Bei den künftigen agilen Organisationen könne der Kunde ganz im Mittelpunkt stehen.
Das erhofft sich auch Matthias P. Spielmann, der CEO des GZO Spitals in Wetzikon. «Wir haben vor, bis 2025 das Spital zu digitalisieren. Alle Hauptprozesse werden nicht mehr auf Papier sondern elektronisch abgebildet. Auch die Hilfsmittel sind elektronisch. Die erste Digitalisierungswelle hat dazu geführt, dass Pflegende und Ärzte am Computer gesessen sind und zu wenig Zeit für den Patienten hatten. Die zweite muss nun dazu führen, dass Ärzte und Pflegende wieder mehr Zeit für die Patienten haben.»
Berufe werden sich verändern
In der Podiumsdiskussion betonte Bruno Sauter, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, dass die Zürcher Unternehmen gut aufgestellt seien, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Er gab sich auch überzeugt, dass diese Umwälzung in der Arbeitswelt nicht dazu führen wird, dass es weniger Jobs geben wird. «Aber es wird Verschiebungen geben.» Bezogen auf die RAVs heisse das beispielsweise, dass die eigentliche Suche nach passenden Stellen automatisiert ablaufen können. Bei der Beratung der Stellensuchenden werde es aber mehr Leute brauchen.
Dutkiewicz schob hier nach und erklärt, dass es ganz normal sei, dass Berufe verschwinden und neue kommen. Das zeigte gerade auch die Tätigkeit von Adrian Helbling auf, dem Geschäftsführer der Ecoparts AG. Diese ist hoch technologisiert und stellt Metallteile aus dem Drucker her.
Spielmann wies darauf hin, dass die Digitalisierung in seiner Branche gar ermögliche, fehlendes Personal wenigstens teilweise zu ersetzen. Neue Technologien werden es künftig auch erlauben, dass der operierende Arzt nicht mehr am Tisch stehen müsse, sondern von weit weg per Joystick das Skalpell steuern könne.
Vorteile nutzen, Nachteile erkennen
Zum Abschluss bekannte Meier, dass er keine Angst vor der Digitalisierung habe. «Viele Mitarbeiter von uns haben aber wirklich Angst. Ich versuche aufzuzeigen, dass es auch künftig Nischen geben wird, vielleicht sind es auch nur noch Ritzen, wo wir offline bleiben können und wir uns so ein ganz neues Geschäftsfeld auftun können. Das funktioniert aber nur, wenn wir der Digitalisierung offen gegenüber stehen – deren Vorteile nutzen, die Nachteile erkennen und Neues entstehen lassen. Ich bin überzeugt: Wir sind alle Profiteure der Digitalisierung.»
