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Technik & Mobilität

Sich von einem virtuellen Ritter führen lassen

Eine neue Ausstellung im Ritterhaus Bubikon holt auf dem Smartphone die Vergangenheit in die Gegenwart. Ein animierter Ritter begleitet die Besucher auf ihrem Weg. Die neue Technik soll auch in Zukunft Teil des Angebots bleiben.

Auf dem Handy-Display zu sehen: die Kapelle und die Animation des Ritters., Kuratorin Noemi Bearth lässt sich auf dem Smartphone von Ritter Diethelm durch dir Ausstellung führen., Im Innern des Ritterhauses finden aktuel umfassende Restaurationsarbeiten statt.

Foto: Bettina Schnider

Sich von einem virtuellen Ritter führen lassen

Um das Ritterhaus in Bubikon stehen Baugerüste. Auch im Innern des Hauses sind die restauratorischen Arbeiten an der ehemaligen Kommende des Johanniterordens sichtbar. Damit Besucherinnen und Besucher aber nicht ganz auf einen Rundgang mit Informationen über vergangene Zeiten verzichten müssen, bietet das Museum seit August die Sonderausstellung «Mit Hightech ins Mittelalter» an.

Noch bevor die Besucherinnen und Besucher das Ritterhaus betreten, können sie eine Ausstellungsapp auf ihr Handy herunterladen. Wer kein eigenes Smartphone dabei hat, der kann ein Leihgerät beim Ritterhaus beziehen. « Mit dieser App kann man im Haus spezielle QR-Codes einscannen und erhält dann Zugang zu den audiovisuellen Informationen» , erklärt Noemi Bearth, die Kuratorin des Ritterhauses.

Erweiterte Realität

Konkret heisst das, dass nach dem Einscannen eines solchen QR-Codes ein animierter Ritter namens Diethelm von Toggenburg auf dem Bildschirm erscheint. Er führt die Besucherinnen und Besucher durch die historischen Räumlichkeiten und gibt ihnen wichtige Informationen zur Geschichte des Ritterhauses mit auf den Weg.

«Die Idee kam unter anderem deshalb auf, weil wir dieses Jahr grössere Restaurierungsarbeiten haben. »

Noemi Bearth, Kuratorin im Ritterhaus Bubikon

«Augmented Reality», auf Deutsch erweiterte Realität, heisst das in der Fachsprache. Wird die Handykamera geöffnet, wird Diethelm eingeblendet, wie er beispielsweise auf seinem Grab steht und erzählt. Wie bei einer normalen Benutzung der Handykamera bleibt der Raum, in welchem Diethelm positioniert wurde, für die Besuchenden sichtbar. So können sie auch weitere Dinge wie Videos und Fotos im Raum entdecken.

Initiiert hat diese multimediale Ausstellung Noemi Bearth. «Die Idee kam unter anderem deshalb auf, weil wir dieses Jahr grössere Restaurierungsarbeiten haben und wir den Besucherinnen und Besuchern trotzdem die Räume und deren Geschichte zugänglich machen wollten.» Mit der Führung von Ritter Diethelm sei das möglich.

Ehrenamtlich engagiert

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit einem zehnköpfigen Kollektiv von ETH-Doktorierenden und -Alumni namens «Design for Duck Tecknology». Sie sind nicht nur für die Animation von Ritter Diethelm in der App zuständig, sondern haben für die Ausstellung ein spezielles Holzpferd gefertigt. «Viele der Bauteile wurden von einem 3D-Drucker erstellt oder mittels Laser gecuttet», erklärt Bearth.

Das Team «Design for Duck Technology» hat sich ehrenamtlich für das Projekt engagiert. «Wir haben zwar ein Crowdfunding gemacht, damit konnten wir aber nur die Bauteile für die Pferdeskulptur bezahlen sowie beispielsweise die Audio-Aufnahmen für Ritter Diethelm.»

Der Ritterfigur hat der Schauspieler Fabian Egli seine Stimme verliehen, der in Bubikon vielen Kindern als Samichlaus bekannt ist. « Es war eine sehr gute Zusammenarbeit, Fabian hat den Ritter Diethelm richtig zum Leben erweckt», meint Bearth.

Zwar habe Egli für seine Arbeit eine kleine Gage erhalten: «Jedoch hat er die Audioaufnahmen für uns aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit viel günstiger gemacht, als das üblicherweise der Falle wäre. Dies hat es für uns überhaupt erst möglich gemacht, ein professionelles Voiceover für die App zu erhalten.»

Neue Informationen

«Mit Hightech ins Mittelalter» soll aber nicht nur die bisherige Ausstellung während der Restaurierungsarbeiten ersetzen, sondern den Besucherinnen und Besucher auch einen Mehrwert bieten. «Die Audio-Dateien sind relativ kurzgehalten, wer mehr Informationen will, kann diese ebenfalls auf dem Smartphone abrufen.»

«Wir sprechen natürlich eine Zielgruppe an, die mit dem Handling eines Smartphones vertraut ist.»

Noemi Bearth

Dort sind unter anderem Texte verfügbar, die Noemi Bearth für diese Ausstellung neu aufbereitet: « Beispielsweise hat es im sogenannten Komtursaal Bilder aus dem 18. Jahrhundert von Zürcher Herrschaftssitzen und Besitztümern des Ritterhauses an der Wand. Deren Bedeutung wurde bisher in der Ausstellung nicht thematisiert, weshalb der Ausstellungsrundgang auch grundlegend neue Erkenntnisse zur Geschichte des Hauses mitliefert.»

Das Feedback zur Ausstellung ist bisher grösstenteils positiv ausgefallen: « Wir sprechen natürlich eine Zielgruppe an, die mit dem Handling eines Smartphones vertraut ist.» Personen ab einem gewissen Alter hätten damit etwas Mühe. «Und das verstehen wir natürlich auch.»

Ergänzung des Angebots

Ebenso haben sie und die Entwickler schon einige Dinge entdeckt, die sie für ein nächstes Projekt ändern würden: «Wir dachten, farbige QR-Codes seien super als Abgrenzung zu anderen QR-Codes, die sich im Haus befinden. Wenn die Lichtverhältnisse nicht stimmen, ist es jedoch teilweise schwierig, diese einzuscannen.»

Zwar sind mit der neuen Ausstellung etwas mehr Besucherinnen und Besucher als üblich in die Ausstellung gekommen, doch überrannt wurde das Ritterhaus nicht. «Das kann aber auch an der Zertifikatspflicht oder am schlechten Wetter liegen. Wir hoffen auf jeden Fall, bis Saisonende noch einige Eintritte verzeichnen zu können», meint die Kuratorin.

«Mit Hightech ins Mittelalter» ist vorerst bis zum 22. Oktober befristet: «Aber wir haben Pläne, die Ausstellung weiterzuführen, auch wenn die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen sind.» Augmented Reality hat im Ritterhaus also Zukunft. «Wir sehen das als sinnvolle Ergänzung zu unserem bisherigen Angebot, aber wir wollen damit Führungen oder Ähnliches nicht ersetzen.»

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