Die Trendwende scheint geschafft
Für Stephan Züger verlief die Premiere einst schmerzhaft. Vor 13 Jahren stürzte der Walder bei der ersten Austragung des Supermoto Bäretswil 2006 im ersten von drei Wertungsläufen und musste seine Hoffnungen auf eine Spitzenplatzierung früh beerdigen.
Züger ist in der Königsklasse Prestige noch immer dabei – obwohl der Töffpilot mittlerweile 38 ist. Und er erlebt am Wochenende bei der 14. Auflage des Anlasses zugleich dessen Dernière mit. «Schade», bedauert der Routinier. «Für mich und meine Sponsoren war es immer ein wichtiges Rennen.»
«Wir haben zu wenige Topfahrer für zwei verschiedene Meisterschaften.»
Stephan Züger
Der Oberländer hat auf diese Saison hin seinen Trainingsaufwand nochmals gesteigert. Beflügelt auch von einem Teamwechsel, den er vor der letzten Saison vollzogen hatte.
Fünfmal hat der Honda-Pilot in seiner langen Karriere die Meisterschaft in der Prestige-Klasse in den Top 3 beendet. Dahin will er auch diese Saison. Aktuell liegt der Walder in der Gesamtwertung an fünfter Stelle, wobei die Supermoto-Fahrer heuer erst zweimal um Meisterschaftspunkte kämpften.
Ist es eine Krise?
Acht Termine standen ursprünglich 2019 im Programm. Der Saisonauftakt in Moléson aber wurde gestrichen, das Abschlussrennen in Ramsen ebenso. Auf nächstes Jahr hin fällt nun auch Bäretswil weg, was man in der Szene seit langem weiss.
Die Frage stellt sich: Ist die Nischensportart in der Krise?
Es ist zweifelsohne schwieriger geworden, Organisatoren zu finden. Und zwischenzeitlich bestanden die Felder in der höchsten Klasse nur noch aus rund 15 Fahrern. Das wertete die Aussagekraft der Resultate ab.
Dennoch: Von einer Krise kann man nicht sprechen. Die Veranstaltung in Moléson fiel einem Wintereinbruch zum Opfer, für Ramsen hat man eine Ersatzveranstaltung organisiert.
«Man muss sich zwei, drei Jahre lang durchbeissen. Das braucht Geduld. Die bringt nicht jeder Fahrer auf.»
Kevin Tschümperlin
Letztlich besteht die laufende Meisterschaft aus sieben Rennen – es ist bei einem Blick auf die vergangenen sieben Saisons ein durchschnittlicher Wert. Kevin Tschümperlin findet, zwischen acht und zehn Rennen seien ideal. Der seit 2010 in der Prestige-Klasse fahrende Hadliker sagt: «Bei einer solchen Menge kann man einen Ausfall kompensieren und die Meisterschaft wird nicht verfälscht.»
Ein Wendepunkt war das Jahr 2013. Statt zwei konkurrierende gibt es seitdem nur noch eine von den zwei Verbänden SAM und FMS gemeinsam ausgerichtete Supermoto-Meisterschaft.
«Dieser Zusammenschluss war wichtig», sagt Züger. «Wir haben zu wenige Topfahrer für zwei verschiedene Meisterschaften.»
Gefragt sind Geld und Biss
Das Niveau blieb über die letzten Jahre in der Prestige-Klasse hoch, die Schweizer Topfahrer sind auch im internationalen Vergleich Spitze. Die Startfelder in der nationalen Königsklasse aber wurden in der jüngeren Vergangenheit immer etwas kleiner – auch weil der Nachschub von unten stockte.
«Wir sind auf dem richtigen Weg.»
Stephan Züger
Aus nachvollziehbaren Gründen. Die Differenz zur nächst tieferen Klasse (Challenge) ist beträchtlich. Etwa im Materialbereich. Wer in der höchsten Stufe mitfährt, braucht mehr und vor allem teureres Equipment.
Allein ein Rennwochenende kostet schnell einmal 1000 Franken. Vom finanziellen Aufwand für die grösstenteils im grenznahen Ausland stattfindenden Trainings ganz zu schweigen.
Zudem ist der sportliche Niveauunterschied zwischen den Klassen Challenge und Prestige gross. Tschümperlin sagt, oben herrsche dünne Luft. «Man muss sich zwei, drei Jahre lang durchbeissen. Das braucht Geduld. Die bringt nicht jeder Fahrer auf.»
Die neue Regel wirkt
Die Trendwende scheint jedoch geschafft. An den ersten zwei Rennwochenenden der aktuellen Saison waren jeweils mehr als 20 Prestige-Fahrer gemeldet, in Bäretswil stehen 24 Fahrer am Start.
«Cool» findet das Züger, der wie Tschümperlin überzeugt ist: «Wir sind auf dem richtigen Weg.»
Tiefere Lizenzgebühren und Preisgelder bis zum 25. Platz stellen einen kleinen Anreiz dar. Das wichtigste Instrument aber ist eine neue Regel. Sie besagt: Die 15 besten Fahrer der letztjährigen Meisterschaft in der Kategorie Challenge (sowie Promo und Einsteiger) müssen in die nächsthöhere Klasse aufsteigen.
Dies bringt neben dem grösseren Feld weitere positive Effekte mit sich.
Die Königsklasse hat eine Blutauffrischung erfahren. Und die Neulinge haben zahlreiche Fahrer in Schlagdistanz um sich herum, die sich ebenfalls ans höhere Niveau herantasten. «Das macht es für jeden Einzelnen einfacher», glaubt Züger.
Zugleich ist klar: Der alte Hase der Supermoto-Beletage räumt seinen Platz nicht freiwillig. Schon gar nicht bei der Abschiedsvorstellung in Bäretswil.
