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Der Büffel ist im Element

Jan Elvedi ist beim SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga schnell zur festen Grösse gewachsen. Nun kann der Greifenseer in den Viertelfinals des DFB-Pokals sogar Historisches schaffen.

Unzimperlich: Der Greifenseer Jan Elvedi versucht St.-Pauli-Angreifer Guido Burgstaller vom Ball zu trennen.

Foto: Keystone

Der Büffel ist im Element

Scheitern hat seinen Reiz. Das Buch «111 Gründe, den SSV Jahn Regensburg zu lieben», kann jedenfalls diesen Eindruck erwecken. Die letzte Saison in der Bundesliga liegt schon über 60 Jahre zurück, und auch im DFB-Pokal war meistens in der ersten Runde Schluss. «Die Fans lieben ihren SSV auch ohne grossen Titel», ist der Autor deshalb überzeugt.

Mittlerweile ist der Verein aus der Oberpfalz bereits 114 Jahre alt und eine Tradition wurde doch unlängst gebrochen. Der Jahn steht nämlich erstmals in den Cup-Viertelfinals und trifft dort am nächsten Dienstag auf den Bundesligisten Werder Bremen.

Anteil am Erfolg hat auch Jan Elvedi . Der Greifenseer stand nicht nur in der letzten Runde bei der Überraschung gegen den ebenso oberklassigen 1. FC Köln auf dem Rasen (4:3 nach Penaltyschiessen) – er ist auch sonst schnell in Regensburg zu einer festen Grösse gewachsen.

Keine einzige Minute verpasste Elvedi bis letzte Woche, als er in Braunschweig (0:2) erstmalig wegen einer Gelb-Sperre passen musste.

Er knüpft damit nahtlos an seine Zeit beim Challenge-League-Verein SC Kriens an, bei dem sich der 24-Jährige innert zweier Saisons zum Abwehrchef mauserte. «Ich will in die Super League», sagte er damals zu seinen Ambitionen.

Umweg durch die Provinz

Statt zum nahen FC Luzern zog Elvedi im letzten Sommer aber zu Jahn Regensburg, einer eher grauen Maus in der 2. Bundesliga in Deutschland. Und doch passt der Klub irgendwie zur sportlichen Vita des Innenverteidigers.

Während Zwillingsbruder Nico schon als Teenager vom FC Zürich zu Borussia Mönchengladbach auf die grosse Bühne wechselte, stand Jan gleich mehrfach am Scheideweg seiner Karriere. So beispielsweise, als er nach seinem KV-Abschluss mangels Perspektiven sogar einen Schritt zurückmachte – vom FC Winterthur zum drittklassigen SC Cham.

Die Umwege durch die Provinz über Cham, Wohlen und Kriens scheinen sich für den ehemaligen FCZ-Junior gelohnt zu haben. «Seine Entwicklung ist wirklich bemerkenswert. Im Verein hält man grosse Stücke auf ihn. Er ist absolut gesetzt», sagt Felix Kronawitter. Der Sportredaktor der «Mittelbayerische Zeitung» streicht gerade die Stärken im mentalen und physischen Bereich des Teams heraus.

Der 1,87 Meter grosse und kräftige Elvedi passt da perfekt in dieses Bild – genauso wie sein Übername «Büffel», aufgrund seiner energischen Art, in die Zweikämpfe zu steigen. Kronawitter thematisierte erst unlängst in einem Artikel die Sprintstärke des Teams. Sein Schluss: Die Regensburger sind unglaublich fit und damit in dieser Kategorie sogar bundesligareif. « Elvedi ist der drittbeste Sprinter», hat er ausgerechnet.

Der Greifenseer hat sich schnell in der neuen Umgebung eingelebt. Er wohnt etwas ausserhalb der Stadt. Mit dem Auto ist er in einer Viertelstunde auf dem Trainingsgelände. In diesem Frühling soll auch Freundin Viviane nachkommen. Sie ist noch auf der Suche nach einem Job in Regensburg. «Für mich ist es selbstverständlich schön, wenn sie da ist», lässt Elvedi schriftlich via Medienstelle ausrichten. Für ein persönliches Gespräch stand er nicht zur Verfügung.

Sportlich spürte Elvedi sogleich grosses Vertrauen bei Trainer Mersad Selimbegovic. «Er sagte mir, dass ich mutig sein und auf meine Qualitäten vertrauen soll», sagt er. Kronawitter stellt ihm nach rund zwei Drittel der Saison «ein ordentliches Zeugnis» aus. Erhärtet wird der Eindruck durch den Notenschnitt des Fachmagazins «Kicker» (3,67).

«Ein Schiff geht nur unter, wenn man Wasser reinlässt.»

Mersad Selimbegovic, Trainer SSV Jahn Regensburg

«Man merkt besonders im taktischen und physischen Bereich deutliche Unterschiede zur Schweiz», hat Elvedi schnell festgestellt. Er habe sich dieser Herausforderung aber unbedingt stellen wollen», betont er. Luft nach oben hat der Innenverteidiger noch in seinem Aufbauspiel. Nicht zuletzt, weil ihm doch auch einige folgenschwere Schnitzer unterliefen – so wie im Pokal gegen Köln. «Man lernt, dass die Aufarbeitung von Fehlern wichtig und notwendig ist», äusserst sich dazu Elvedi selbstkritisch.

Der Ratschlag des Trainers

Geholfen hat ihm in diesem Prozess auch ein Ratschlag von Trainer Selimbegovic. «Ein Schiff geht nur unter, wenn man Wasser reinlässt. Ich sollte also keine negativen Gedanken in meinen Kopf lassen.» Es ist eine Aussage, die sich das ganze Team gerade jetzt beherzigen sollte.

Losgelöst vom Pokal-Coup über Köln ist es in der Meisterschaft schon sechs Partien ohne Sieg. Jahn Regensburg ist dadurch auf Platz 13 abgerutscht und muss aufpassen, nicht noch in den Abstiegskampf involviert zu werden. Ein Erfolgserlebnis am Freitag gegen Paderborn würde da helfen. «Ich bin überzeugt davon, dass wir den Klassenerhalt schaffen», sagt Elvedi .

Der Verein gefällt sich in der Rolle des ewigen Aussenseiters – im Konzert gegen ehemalige Grössen wie den Hamburger SV, Hannover 96, Nürnberg oder Fortuna Düsseldorf. Und er unterstreicht dieses Image auch mit seiner Transferpolitik. «Regensburg setzt gerne auf Spieler aus unteren Spielklassen. Jan ist also ein Musterbeispiel», sagt Kronawitter.

Das positive Beispiel

Dabei erwies sich Jahn Regensburg auch schon als Sprungbrett für die Bundesliga. Exemplarisch dafür steht Sargis Adamyan. Nach seiner Verpflichtung aus der Regionalliga schaffte der armenische Stürmer dank starken Leistungen mit vielen Toren und Assists im Sommer 2019 den Sprung zur TSG Hoffenheim in die Bundesliga.

Soweit denken will Jan Elvedi , dessen Vertrag noch ein Jahr läuft, natürlich nicht. «Ich konzentriere mich hier auf meine Aufgaben und versuche, mich sportlich weiterzuentwickeln. Alles andere ist nebensächlich», sagt er zu seinen möglichen Perspektiven. Konkreter wird da schon Kronawitter. «Regensburg muss nicht die Endstation sein. Von den Anlagen her traue ich Elvedi einiges zu.»

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