Trainieren gegen den Pessimismus
Es war alles vorbereitet. Mit Eintrittskontrollen, Registrierung und Maskenpflicht wollte der
FC Effretikon seine Juniorenturniere in der Eselriet-Turnhalle an fünf Wochenenden bis Mitte Dezember möglich machen. Aufgrund des Zusatzaufwands hätten selbst die Spielerinnen und Spieler der Aktiven mit angepackt. Präsident Rainer Bierbrodt spricht von einer grossen Solidarität im Verein. «Wir haben bis zuletzt gehofft, die Turniere durchführen zu können», sagt er.
Zwar dürfen selbst nach dem bundesrätlichen Entscheid von Ende Oktober zumindest Jugendliche unter 16 Jahren uneingeschränkt trainieren, Wettkämpfe sind aber selbst auf Stufe Kinderfussball bis auf Weiteres untersagt. Für die Turniere des FCE war diese Regelung der K.-o.-Schlag.
«Die Turniere sind äusserst beliebt.»
Rainer Bierbrodt, Präsident FC Effretikon
Mögliche Verschiebungen ins neue Jahr hinaus sind aufgrund der Hallenauslastung nicht möglich. Die Absage trifft den Verein nicht nur monetär, sondern vor allem emotional. «Die Turniere sind äusserst beliebt», sagt Bierbrodt.
Damit fielen alle relevanten Anlässe für die Effretiker dem Coronavirus zum Opfer. Im April zunächst die Juniorentrainingswoche, im September die Illnauer Chilbi. Dem nicht genug – ist schon klar, dass das nächste Effifäscht erst im Jahr 2022 über die Bühne geht. Für den FCE versiegt damit fürs nächste Jahr eine weitere Einnahmequelle.
Mit dem FC Pfäffikon wurde ein weiterer aktiver Klub hart getroffen. Eine Reihe von Events organisiert er abseits des Meisterschaftsbetriebs durchs Jahr. Noch im Kalender stehen einzig die Junioren-Hallenturniere vom Januar. «Sie müssen wir aller Voraussicht nach auch absagen», gibt sich Theo Widmer, Juniorenleiter beim FCP, allerdings wenig optimistisch.
Das Loch in der Kasse
Zum gleichen Zeitpunkt würden die Hallenturniere des FC Wetzikon stattfinden. Sie wurden bereits gestrichen. «Finanziell reisst die nicht enden wollende Situation ein respektables Loch in die Kasse. Ich schätze den Ausfall auf 70 000 Franken», sagt Präsident Stefan Gautschi.
Seine Zuversicht hat er aber wie der Grossteil der Klubverantwortlichen deshalb nicht verloren. Pfäffikons Widmer sagt dazu: «Pessimismus macht ja auch krank.» Er hofft wie sein Wetziker Kollege Gautschi auf einen früheren Start im März.
Die Teams mit unter 16-jährigen Junioren trainieren sowieso weiterhin vielerorts unter Einhaltung der Vorschriften. Einziger Unterschied: Jüngere Jahrgänge, die ansonsten nach den Herbstferien in die Halle wechseln, spielen oft weiterhin draussen auf Kunstrasen. Und sie sollen nach der Festtagszeit – wie beispielsweise in Wetzikon – bereits im Januar das Training dort wieder aufnehmen können. «Es ist eine Kostenfrage, unsere Funktionäre ziehen jedoch unter den gegebenen Umständen das Aussentraining vor», sagt Gautschi. Man prüfe deshalb diese Option mit der Stadt.
Den Kindern etwas bieten
Es ist ein Vorsichtsmassnahme, die auch bei anderen Klubs aus der Region praktiziert wird. Selbst vom FC Greifensee, der nur über einen kleinen Kunstrasen verfügt.
«Gerade für die Kinder ist es wichtig, trainieren zu können.»
Pascal Seifert, Präsident FC Greifensee
Es hindert ihn nicht daran, dass fast alle Teams mindestens ein Zeitfenster während der Woche erhalten. «Die Trainingszeit ist teils kürzer», sagt Präsident Pascal Seifert. Er ist überzeugt davon, dass der grosse Teil der Mitglieder froh über das Angebot ist. «Wir sind es ihnen schuldig. Und gerade für die Kinder ist es wichtig, trainieren zu können», betont Seifert.
Selbst die in der 2. Liga spielende erste Mannschaft von Greifensee hat das Training wieder aufgenommen. Auch wenn sie sich nur mit maximal 15 Spielern und ohne direkten Körperkontakt bewegen darf. Sie dürften damit im Aktivbereich eine Ausnahme sein.
Nach einer langen Saison weitgehend ohne Sommerpause haben die meisten Teams ihre Aktivitäten nach dem Meisterschaftsunterbruch eingestellt. Oder sie beschränken sich wie in der Lockdown-Phase im Frühling auf virtuelle Trainings.
«Priorität hat die Gesundheit unserer Mitglieder.»
Rico Maurer, Präsident FC Uster
Während einige Klubs ihren Mannschaften freien Spielraum bezüglich der Durchführung von Trainings geben, schlägt der FC Uster mit einem generellen Unterbruch einen anderen Weg ein. «Priorität hat die Gesundheit unserer Mitglieder. Die Entscheidung soll dokumentieren, dass wir in der aktuellen Situation unseren gesellschaftlichen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten wollen», sagt Usters Präsident Rico Maurer.
Auffällig dabei: Der andere auf dem Buchholz beheimatete Klub, der FC Rot Weiss Winikon, trainiert mit seinen Junioren weiterhin.
