Morgenröte für Audino in der Slowakei
«Das ist hier wie in Wetzikon«, sagt Ivan Audino mit Bezug auf seinen Heimatort. Der 29-Jährige spricht von Ziar nad Hronom, einer knapp 20000 Einwohner zählenden Kleinstadt in der Mittelslowakei mit etwas Industrie.
Erst seit ein paar Tagen ist er da. Audino hat beim slowakischen Erstligisten FK Pohronie vorerst einen Vertrag bis zum Ende der Vorrunde unterschrieben. «Ich nehme es als Riesenchance«, sagt er. Am Wochenende kam er im Heimspiel gegen Senica (1:2) rund eine halbe Stunde zum Einsatz. «Ich bin gut reingekommen», sagt der Oberländer.
Es ist ein ungewöhnlicher Transfer – aufgrund der doch eher exotischen Destination. Und weil Audino doch über ein Jahr kein Spiel mehr bestritten hatte. Nach seiner Vertragsauflösung beim Challenge-League-Klub Wil unterschrieb er im September 2019 bei der AC Bellinzona. «Ein Schritt zurück, um dann zwei nach vorne zu machen«, begründete er damals seinen Wechsel in die drittklassige Promotion League.
Auch im Tessin hatte Audino den Status eines Profis, und fühlte sich eigentlich im Team wohl. «Ich wusste, auf was ich mich eingelassen habe», bekräftigt er. Und dennoch verliess der Offensivspieler den Verein nach nur vier Partien wieder, weil für ihn die Gesamtsituation nicht stimmte.
Zur Probe in den USA
Audino spielte beim Deutschen Drittligisten Viktoria Köln vor und reiste anschliessend zu sogenannten Trials in die USA. Doch weder in St. Louis noch in Charlotte – bei Vereinen aus der zweithöchsten Liga (USL Championship) – kam es zu einem Abschluss.
Der Wetziker durfte sich fortan bei seinem früheren Klub FCZ in der U-21 fit halten und schien schliesslich Anfang Juli beim SC Kriens – für die wegen der Coronavirus-Pause verlängerte Saison – endlich unterzukommen. Doch auch daraus wurde nichts. Der Transfer scheiterte an den Regularien der Swiss Football League.
«Jedes Nein hat mir mehr Kraft gegeben.»
Ivan Audino, Fussballprofi aus Wetzikon
Gab es da bei all diesen Absagen nie Gedanken um ein Ende der Karriere? Ivan Audino winkt ab. «Jedes Nein hat mir mehr Kraft gegeben«, sagt er. Nicht in die Karten spielte ihm da nebst der besonderen Corona-Situation womöglich auch, dass im Schweizer Fussball generell eher auf junge Spieler gesetzt wird.
Mit 29 passte Audino so vielen Klubs nicht ins Alters- und auch nicht ins Lohngefüge – ungeachtet seiner guten Skorerwerte und rund 200 Partien auf Stufe Challenge League. «Ich habe nie an meinen Qualitäten gezweifelt«, sagt Audino.
Zwischen Hotel und Stadion
Wie schnell es gehen kann, zeigt sein Wechsel in die Slowakei, den ein dem Verein nahe stehender Berater auslöste. Audino spricht von «einem spannenden Projekt». Erst seit acht Jahren gibt es den aus einer Fusion entstandenen FK Pohronie. Noch neuer ist das 2017 eröffnete kleine Stadion mit einem Fassungsvermögen von 2300 Zuschauern.
Fans sind aber derzeit sowieso nicht erlaubt. Das Leben in der Slowakei steht nahezu still. Noch bis mindestens Anfang November besteht eine teilweise Ausgangssperre im gesamten Land.
Und so bewegt sich Audino derzeit vornehmlich zwischen Stadion und Hotel, wo er seit seiner Ankunft und bis auf Weiteres lebt. Es ist für ihn kein Problem. Vielmehr freut er sich über das gute Niveau im Team sowie der slowakischen Furtuna Liga. Und der Möglichkeit, sich endlich wieder auf dem Platz zu präsentieren.
