Gossau mit Demut ganz vorne dabei
Es war schon fast eine Drohung an die Konkurrenz. «Wenn wir in einen Lauf kommen, ist sehr viel möglich», sagte Gossaus Trainer Andreas Häsler vor der Saison.
Er sollte recht behalten. Der FCG ist als Tabellendritter der Zweitliga-Gruppe 2 die positive Überraschung nach der Vorrunde. Sie ist am Mittwoch aufgrund der steigenden Fallzahlen vorzeitig beendet worden.
«Wir wissen, woher wir kommen.»
Andreas Häsler, Trainer FC Gossau
Übermütig wird Häsler aber deshalb nicht. «Wir wissen, woher wir kommen», sagt er. Tatsächlich. Die letzte reguläre Meisterschaft 2018/19 beendeten die Oberländer direkt über den Abstiegsrängen. Und beim Corona-bedingten Abbruch der Vorsaison sah es als Zehnter nicht viel besser aus.
Personell hat sich in der Zwischenzeit allerdings wenig getan. Weshalb also der Aufschwung unter dem nach der letzten Hinrunde zum Cheftrainer beförderten Häsler? «Wir haben taktisch etwas umgestellt. Und einige Spieler haben sich entwickelt», sagt er.
Die Basis für die Konstanz ist aber für ihn die Kadertiefe. Das Spiel vor einer Woche gegen Wetzikon steht für Häsler sinnbildlich, als er arrivierte Akteure wie Jonas Müller und Peter Niffeler einwechseln konnte. Letzterer erzielte prompt das vorentscheidende 4:1.
Usters Derbyschwäche
Bereits 22 Punkte sind auf dem Konto der Gossauer – und sind damit das beste Team aus der Region. Mitten im Spitzenfeld ist da nur noch das aufstiegswillige und zum engsten Favoritenkreis zählende Uster.
Trotz weiter aufgerüstetem Kader blieb der FCU allerdings eher unter den Erwartungen. Besonders augenfällig: Seine drei Saisonniederlagen handelte er sich ausgerechnet in den Derbys gegen Dübendorf, Gossau und Greifensee ein.
Apropos Konstanz: Die ging auch Dübendorf gänzlich ab. Lediglich auf Platz 9 überwintern die Glattaler. Das ist zwar besser als vor einem Jahr, als die Lage auf einem Abstiegsplatz besonders ungemütlich war. Und doch ist die Ausbeute mit diesem Personal im Kader karg.
«In dieser Gruppe kann man gegen jeden gewinnen, aber auch verlieren», sagt Trainer Luca Ferriccio. Beim FCD fällt insbesondere die eklatante Auswärtsschwäche auf.
«Es ist nicht erklärbar.»
Luca Ferricchio, Trainer FC Dübendorf
Keinen Punkt holten die Dübendorfer nämlich auf fremden Terrain. «Es ist nicht erklärbar. Und schwierig, in die Köpfe zu schauen», ortet Ferricchio mentale Schwächen und nimmt seine bestandenen Spieler in die Pflicht. «Sie müssen mehr führen.»
Das breite Mittelfeld
Der FCD gehört zum breiten Mittelfeld, das sich von Rang 5 (Brüttisellen-Dietlikon) bis Platz 11 (Wiesendangen) erstreckt – und in dem noch jedes Team in den Abstiegskampf geraten könnte. «Diese Saison reichen 32 Punkte nur knapp», sagt Gossaus Häsler.
Miteingerechnet hat er da auch die schlechte Zwischenbilanz in der 2. Liga interregional, in der sich derzeit mit Adliswil (Gruppe 5), Rüti und United Zürich (Gruppe 6) gleich drei FVRZ-Teams auf einem Abstiegsplatz befinden. So müsste auch noch der schlechteste Viertletzte der beiden regionalen Zweitliga-Gruppen absteigen.
Und es erschwert die Aufgabe von den ohnehin schon stark relegationsgefährdeten Effretikon und Wetzikon. Beide Teams haben sich bereits einen erheblichen Rückstand auf die rettenden Ränge eingehandelt.
Während der FCE in den letzten beiden Partien mit den ersten Erfolgserlebnissen noch etwas Moral tankte, wartet Wetzikon seit dem Startspiel im August auf einen Sieg.
«Wir haben schon so oft mitgehalten und dann doch verloren. Das ist weder Pech noch Zufall», sagte unlängst FCW-Trainer Gabor Gerstenmaier. Es sind Worte, die nicht unbedingt Zuversicht versprechen.
Die Hoffnung des FVRZ
«Es ist davon auszugehen, dass der Spielbetrieb frühestens im Frühjahr 2021 wieder aufgenommen werden kann», schreibt der Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) in seiner Mitteilung vom Donnerstagmittag. Er lässt mit dieser Formulierung zumindest Raum für Spekulationen. Denn im Gegensatz zu den Abteilungen 1. Liga und Amateurliga (dem der Interregio-Klub FC Rüti angehört) folgt er damit so nicht der Empfehlung des Schweizerischen Fussballverbandes nach dem Bundesratsverbot für Kontaktsportarten, die verbleibenden Spiele dieses Jahres auf das Frühjahr 2021 zu verschieben.
Stattdessen vertröstet der FVRZ die Vereine auf eine Information bis spätestens Mitte November. Der Hintergrund: Der Zürcher Regionalverband hofft, gerade die verbleibenden Spielen der Halbjahresmeisterschaften (5. Liga, 4. Liga Frauen, Junioren) doch noch austragen zu können. Als letztes Datum hatte er schon vor dem Saisonunterbruch den 13. Dezember definiert. Solch ein Szenario ist im Moment aber sowieso weit weg.
Immerhin: Klarheit vermittelte der FVRZ nach der anfänglichen Verwirrung bezüglich den Aktivitäten für Kinder unter 16 Jahren. Mittlerweile ist klar, dass diese zwar normal trainieren, aber dennoch keine Spiele bestreiten dürfen. (zo)
