Deshalb trifft Rüti das Tor nicht mehr
Von einem Platz in den Top 5 sprach Rütis Trainer Shaip Krasniqi im Vorfeld der Meisterschaft. Die Oberländer sollten wieder an die Darbietungen seit dem erneuten Aufstieg in die 2. Liga interregional im Jahr 2015 anknüpfen. Dabei erschufen sie sich nicht nur den Ruf einer Spektakelmannschaft, die immer für viele Tore gut ist.
Der FCR klassierte sich bis 2019 auch immer zwischen Rang 2 und 6. «Der Klub, der über allen anderen thront», lautete der Titel in der Regionalfussball-Beilage des ZO/AvU. Vom Oberländer Vorzeigeklub ist im Artikel die Rede.
Nur: Anspruch und Realität klaffen derzeit erheblich auseinander. Erneut. Schon in der Abbruchsaison überwinterte Rüti lediglich als Tabellenzehnter. Die zu dünne Personaldecke machte Krasniqi in der Rückblende dafür verantwortlich – und vergrösserte deshalb in diesem Sommer das Kader.
Ein positiver Effekt ist daraus allerdings noch nicht spürbar. Im Gegenteil: Die Oberländer liegen nach acht Runden nun sogar auf einem Abstiegsplatz. Dreimal in Serie verloren sie zuletzt – sogar gegen den designierten Absteiger United Zürich gab es keine Punkte.
Und: Die einst so gefürchtete Offensive hat erheblich an Durchschlagskraft verloren. 11:22 lautet das Torverhältnis – fünf dieser Treffer erzielte der FCR beim einzigen Saisonsieg gegen Bassersdorf – und dieser liegt schon einige Wochen zurück.
«Wir verfallen deshalb nicht in Panik und bleiben zuversichtlich.»
Roger Simonelli, Präsident FC Rüti
Von einer Krise will Krasniqi aber selbst nach der 0:5-Schlappe in Amriswil nichts wissen. Dem pflichtet auch Roger Simonelli bei. «Wir verfallen deshalb nicht in Panik und bleiben zuversichtlich», bekräftigt der Präsident, der seit dem Abgang von Christoph Huber gemeinsam mit Krasniqi auch die sportliche Leitung beim FCR innehat.
Vorbereiter statt Vollstrecker
Als FC Syla werden die Rütner schon mal von der Konkurrenz etwas abfällig bezeichnet. Nur ist eine gewisse Abhängigkeit hinsichtlich den direkt neben der Schützenwiese aufgewachsenen beiden Brüdern im Offensivspiel weiterhin nicht von der Hand zu weisen. Gerade wenn die beiden Torgaranten Taulant und Edison nicht mehr im gewohnten Umfang erfolgreich sind.
Erschwerend kommt hinzu, dass Esmir Rastoder (er war ein halbes Jahr beim Erstligisten Tuggen) seit seiner Rückkehr noch überhaupt nicht getroffen hat und zuletzt verletzt ausfiel. Trainer Krasniqi nennt die Absenzen von Leistungsträgern als Grund für die Baisse. Während Edis Smajovic derzeit im Ausland weilt, kämpfen Harbin Osmani sowie Denis Simijonovic mit Verletzungen und mussten wiederholt pausieren.
Die Ausfälle dieser Mittelfeldakteure haben Einfluss auf das Rütner Spiel mit Taulant Syla als Dreh- und Angelpunkt. Der Captain ist dadurch nämlich nicht Vollstrecker, sondern vielmehr Vorbereiter. Bei der ärgerlichen 2:3-Niederlage gegen United Zürich beispielsweise brachte er seinen jüngeren Bruder Edison und Sturmpartner Rastoder immer wieder in Stellung. Doch beide vergaben fast fahrlässig aus besten Positionen. Es entsteht so sogar der Eindruck, als müsste Taulant seine Vorlagen gleich selber verwerten.
«Es ist eine Frage der Zeit, bis der Knopf wieder aufgeht.»
Shaip Krasniqi, Trainer
Und dennoch: Druck will Trainer Krasniqi seinen derzeit erfolglosen Angreifern nicht machen. «Sie kommen zu Chancen – und das ist gut. Es ist eine Frage der Zeit, bis der Knopf wieder aufgeht», ist er überzeugt. Und so ist auch ein mögliches Abstiegsszenario für den 39-Jährigen weiterhin weit weg. «Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Wir haben einfach zu viel Qualität in unserem Team», sagt er.
Vor wegweisenden Spielen
Diesen Nachweis müssten die Rütner Fussballer unbedingt bereits in den verbleibenden vier Partien der Vorrunde erbringen. Gegen Gegner aus dem hinteren Tabellenfeld der Gruppe 6 wie Bazenheid und Weesen ist Punktezuwachs unabdingbar, damit sich die Lage nicht noch weiter zuspitzt.
Vorerst wartet aber am Sonntag Leader Uzwil, der zuletzt sechsmal in Folge als Sieger vom Feld ging. Doch für Krasniqi gibt es keinen Grund, um ins Grübeln zu kommen. «Uzwil liegt uns», sagt er selbstbewusst.
Tatsächlich: Seit Krasniqis Amtsübernahme beim FCR im Sommer 2017 gab es vier Siege und ein Remis im Direktvergleich mit den St. Gallern. Zumindest die Statistik spricht also für die Rütner.
