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Jetzt steht das Monster auch bei uns auf dem Platz

Jahrelang hat David Schweizer quasi als Einzelkämpfer ein Internetportal für den Amateurfussball im Raum Zürich betrieben. Nun ist er Partner einer reichweitenstarken deutschen Plattform geworden.

Auf fupa.net stehen Amateurteams wie der FC Gossau und Brüttisellen-Dietlikon im Mittelpunkt.

Archivfoto: David Kündig/Montage: Oliver Meile

Jetzt steht das Monster auch bei uns auf dem Platz

Um die zwei Stunden brauchte Alessio Pedrotti. Dann hatte der Assistenztrainer des FC Gossau die Fotos aller Spieler des Fa­nionteams und einige dazugehörende Daten auf die Website fupa.net hochgeladen.

Noch gibt es Lücken im Gossauer Profil. Das liegt allerdings auch an der ­Fülle der neuen Optionen. Der Oberländer Zweitligist gehört dank Pedrottis Einsatz immerhin zu den sieben Klubs der Gruppe, die die Mannschaft komplett erfasst haben.

Mit einem Klick auf die Spieler erhält man weitere Informationen – die Position, das Alter oder auch den Spitznamen. 

«Ale» steht bei Pedrotti. Ihm gefällt, dass der FC Gossau im Internet wie eine Profimannschaft daherkommt. Seit rund zwei Monaten ist er nun einer der sogenannten Vereinsverwalter. Als solcher sollte er in Zukunft für aktuelle Gossauer Daten sorgen.

Pedrotti sieht keinen grossen Aufwand dahinter. Und gibt freimütig zu: Bis vor Kurzem ­kannte er die Website gar nicht. «Jetzt schaue ich gerne rein. Man findet alle Informationen zum Regionalfussball an einem Ort.»   

Beharrlich zur Bühne  

Auf dem Portal sind 33 Gruppen gelistet, in denen Klubs aus der Region Zürich mitspielen. Von der Challenge League hinunter bis in die 5. Liga. Um all diese Teams abdecken zu können, sind deutlich mehr Vereinsverwalter nötig als die aktuell registrierten 63.

David Schweizer weiss das. In den letzten neun Jahren hat er in seiner Freizeit und mithilfe einiger Mitstreiter das Portal regional-fussball.ch aufgebaut, das nun seit Anfang Jahr in die deutsche Website fupa.net integriert ist. 

«Diese Chance müssen wir nutzen.»

David Schweizer

Er sei ein «Freak in diesem ­Bereich», sagt er. Und meint damit den Fussball in den unteren Ligen im Raum Zürich. Mit Herzblut und Beharrlichkeit hat er dem vom nationalen Verband stiefmütterlich behandelten Amateurfussball eine Plattform gegeben.

Eine Bühne, die ihm traditionelle Medienhäuser ebenfalls nicht bieten. Sie müssen aus Platzgründen gewichten. Oder verspüren nur geringes Inter­esse am Regionalsport.   

Der Vogel erhält Aufwind

Schweizers Website etablierte sich, einzelne Artikel wurden über 10 000-mal geklickt. Das sind ansehnliche Zahlen. Doch der täg­liche Einsatz neben der Arbeit als Sportredaktor bei der Zürcher Oberland Medien AG forderte seinen Tribut. Und der Werbeumsatz stagnierte.

Das führte dazu, dass sich Schweizer zusehends Gedanken über die Entwicklung seines Projekts machte. Er wirft in den Raum, vielleicht wäre er ja bald zum Schluss gekommen: «So hoch fliegt dieser Vogel nicht.» Und hätte den Stecker gezogen.

Von einem solchen Szenario kann keine Rede mehr sein. Im Gegenteil: Das Projekt hat Aufwind erhalten. Schweizer ist Partner der bayrischen Firma Fupa GmbH geworden, indem er für den Raum Zürich ihre Lizenz erworben hat.

Nun darf er die Marke Fupa sowie deren Applikationen nutzen. Die Technik stammt neu also aus Deutschland. Das schränkt ihn bisweilen ein. Und nicht jede Neuerung macht für ihn Sinn. Wichtig aber ist: Inhaltlich ist Schweizer weiterhin «vogelfrei».

«Der Apparat ist riesig, aber ein lässiges Tummelfeld.»

David Schweizer

Nicht etwa der Einzelkämpfer aus Zürich klopfte bei den Fupa-­Machern an, sondern diese bei ihm. Für Schweizer war danach schnell klar: «Diese Chance müssen wir nutzen.»

Warum er so ­dachte, erkennt man beim Blick auf die Dimensionen des Portals, dem die Idee zugrunde liegt, dass sich die Nutzer stark einbringen. Seit der Gründung 2006 wurden bei Fupa über 1,4 Millionen Nachrichten und 1,1 Millionen Videos publiziert, 560 000 Liveticker produziert und 290 000 Bild­galerien hochgeladen.

Kein Wunder, spricht Schweizer bei solchen Zahlen liebevoll von einem Monster. «Ich habe extrem Respekt. Der Apparat ist riesig, aber ein lässiges Tummelfeld.»

Das Franchisekonzept lässt sich im Prinzip in jedem Land anwenden. Trotzdem sind mit dem Grossraum Zürich und Luxemburg erst zwei Regionen ausserhalb Deutschlands auf der Landkarte vertreten.

Auf den Schritt nach Österreich verzichten die Fupa-Macher etwa. Der Amateurbereich ist mit der etablierten Site Ligaportal.at besetzt. 

Aus Captains werden Spielführer  

Sebastian Ziegert, einer der zwei Fupa-Geschäftsführer, sagt, eine wissenschaftliche Bachelor-­Arbeit eines Kollegen über die Verhältnisse in der Schweiz habe ein anderes Bild als in Österreich ergeben.

Der Amateurfussball werde hierzulande medial nur in sehr geringem Masse präsentiert, besitze aber ebenso grosses ­Potenzial wie der deutsche Amateurfussball. 

«Der Raum Zürich soll als Einstieg für Fupa in der Schweiz dienen.»

Sebastian Ziegert, Geschäftsführer Fupa GmbH

«Entsprechend haben wir die Fühler in die Schweiz ausgestreckt und mit David Schweizer und seinen Kollegen ein Team gefunden, das im Schweizer Amateurfussball und insbesondere im Raum Zürich bestens vernetzt ist», lobt Ziegert.

Er sagt auch: «Der Raum Zürich soll als Einstieg für Fupa in der Schweiz dienen. Weitere Gebiete sind aber noch nicht konkret geplant und vor allem entscheidend von den ‹Machern› vor Ort abhängig.»

Ende Januar ist der Wechsel erfolgt. Wer seit diesem Zeitpunkt regional-fussball.ch eintippt, landet auf fupa.net. Die Umstellung löste kaum Reaktionen aus. Dabei werden Captains seither als Spielführer bezeichnet. Und in Tabellen fehlen die nur hierzulande ­verwendeten Strafpunkte.

Es sind verschmerzbare Details, die Schweizer als Franchisenehmer hinnehmen muss. Ab dem Herbst hätte ihn die Lizenz monatlich 250 Euro gekostet. Man hat sich nun aber darauf geeinigt, dass bis Ende 2020 die Gebühren entfallen, da der Wechsel zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kam. 

Eine Frage der Dynamik

Nach dem pandemiebedingten Meisterschaftsabbruch hatten Schweizer und seine Mitstreiter zwar mehr Zeit, sich in ihrer ­neuen Welt zurechtzufinden, ­Dinge auszuprobieren.

Die Besucherzahlen auf der Website sanken aber um 20 Prozent. Die ­Werbeeinnahmen – die regionalen Platzierungen kann er weiterhin selber verkaufen – verringerten sich ebenfalls.

«In Deutschland hat es ganz viele verrückte Typen, die im Hintergrund wirbeln.»

David Schweizer

Schweizer hofft, dass das Projekt mit der Rückkehr zur Normalität, spätestens nach den Sommerferien aber mit dem Meisterschaftsauftakt in den Amateurligen, an Fahrt aufnimmt.

«In Deutschland hat es ganz viele verrückte Typen, die im Hintergrund wirbeln», sagt er. Und bei uns? Die Mitwirkung der Nutzer sei eine Blackbox, findet Schweizer. «Entsteht eine gute Dynamik, kann es extrem cool werden. Tut es das nicht, bleibt vieles an uns hängen.» 

Der Motor ist die Fussballverrücktheit

6500 Punkte. Mehr geht nicht. Dafür erhält man aus dem Prämienkatalog auch einen Grill, auf dem genügend Platz ist, um eine komplette Fussballmannschaft zu verköstigen. Punkte lassen sich sammeln, indem man eine ge­wisse Anzahl von Videoszenen von Spielen hochlädt. Oder ganze Partien live tickert.

Letztlich sind die Prämien beim Mitmachtportal, wie sich fupa.net selber bezeichnet, aber nicht mehr als eine nette Begleiterscheinung. Der wirkliche Motor der Tausenden von Freiwilligen, die für die deutschweit über 40 Fupa-Gebiete Informationen zusammentragen, heisst Fussballverrücktheit. Ihr Tummelplatz: Die Spielklassen von der Regionalliga abwärts, der formell höchsten Amateurliga Deutschlands. 

Und die Spielwiese ist riesig. Rund 25 000 Vereine mit 145 000 Mannschaften gibt es. Dank Fupa erhalten sie die Möglichkeit, sich professionell zu präsentieren. Spielberichte, Bildgalerien, Interviews, Transfernews oder die beeindruckende Datenbank – auf fupa.net hat es schier unbegrenzt Stoff.

Den Hauptanteil davon steuern die Vereinsverwalter bei, von denen es aktuell über 77 000 gibt. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 1500. Ihre Aufgabe ist es, der Bezeichnung entsprechend, die Daten ihres Vereins aktuell zu halten. Daneben hat das Portal über 260 000 registrierte Nutzer, sogenannte Fupaner. Sie können tippen, Liveticker erstellen oder etwa die «Elf der Woche» wählen.

Fupa ist ein Franchisesystem. Die rund 35 Partner der im niederbayrischen Dorf Fürstenstein angesiedelten Firma sind hauptsächlich Verlage, es können aber auch Privatpersonen sein. 18 Mitarbeiter beschäftigt die Plattform aktuel.

Fupa.net gehört mittlerweile zu den zehn meistgeklickten Sportportalen Deutschlands. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate verzeichnete die Fussballwebsite für Amateure bis auf eine Ausnahme (April 2020) immer über eine Million Seitenaufrufe monatlich. 

Absehbar war die Erfolgsgeschichte nicht. Denn als Michael Wagner 2006 im Alter von 16  Jahren die Idee kam, den Ver­einen seiner niederbayrischen Heimat im Internet eine Plattform zu bieten, war der Zuspruch am Anfang schlecht.

«Die Vereine haben mich nicht ernst genommen», sagte Gründer Wagner einst, der heute einer von zwei Geschäftsführern der Gesellschaft ist. Parallel geführte Liveticker in der entscheidenden Meisterschaftsphase trugen danach zum Aufschwung bei. Ebenso Wagners Idee, ein paar gebrauchte Kameras zu kaufen. Er rüstete damit Amateurfotografen aus, die nach dem Besuch von Spielen ihre Bilder zügig hochluden.

Allein auf den Plätzen der ­Amateurligen steht Fupa – der Name ergab sich aus der ursprünglichen Bezeichnung fussball-passau.de – allerdings längst nicht mehr. Die härteste Konkurrenz kommt vom Deutschen Fussballverband (DFB). Nachdem der DFB bis 2014 den Amateur­bereich der Telekom überlassen hatte, schaltete er mit der Website fussball.de in den Angriffsmodus. Mit Erfolg: Im Jahr 2018 verzeichnete die Plattform über 330  Millionen Besuche. (ome)

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