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Eine besondere Bescherung für den FC Volketswil

Ein unerwarteter Geldsegen für den FC Volketswil. Der Drittliga-Verein erhielt unlängst 30 000 Euro für die Ausbildung des ehemaligen Juniors Andi Hoti. Das Talent war Anfang Jahr vom FCZ zu Inter Mailand gewechselt.

Andi Hoti mit seinen Eltern und den Beratern Philipp Degen und Baykal Bellusci in Mailand. 

Foto: SBE Management/Facebook

Eine besondere Bescherung für den FC Volketswil

Das jeweils über die Auffahrts­tage ausgetragene Fussballcamp im Griespark konnte wegen der Coronavirus-Krise nicht durchgeführt werden.

Und längst abgesagt sind auch das Dorf- und Schülerturnier des FC Volketswil von Anfang Juli. Am parallel auf der Sportanlage stattfindenden (und ebenso abgesagten) Dorffest hätte der Verein im Festzelt auch die EM-Bar geführt.

Er teilt damit das Schicksal von vielen Klubs, die gerade auf die Einnahmen solcher Anlässe angewiesen sind.

Geldsorgen hat der Drittligist aber aufgrund eines glücklichen Umstands trotzdem nicht. Er erhielt unlängst 30 000 Euro vom grossen Inter Mailand für die Ausbildung des früheren Juniors Andi Hoti.

«Dank diesem Betrag können wir das Jahr retten», sagt Präsident Markus Denzler. Doch wie kam es überhaupt dazu?

«Wir glaubten, dass es sich um ein Betrüger-Mail handelt . »

Markus Denzler, Präsident FC Volketswil

Das bis anhin noch in der U18 des FC Zürich spielende Verteidiger-Talent wechselte im Januar noch vor seinem 17. Geburtstag mit einem Profivertrag in den Nachwuchs von Inter.

Sein erster prestigeträchtiger Erfolg gelang ihm dort mit seinem neuen U17-Team noch vor dem Lockdown – einem 1:0-Derbysieg über die AC Milan.

Post vom grossen Inter

Bei Hotis Stammverein Volketswil traute man derweil der Sache zunächst nicht ganz, als plötzlich eine E-Mail mit dem Briefkopf des 18-fachen italienischen Meisters im Postfach landete. ­Inter forderte darin die Konto­daten an, um die fällige Entschädigung überweisen zu können.

«Wir glaubten, dass es sich um ein Betrüger-Mail handelt», sagt Denzler.

Die Volketswiler waren in der Folge gleich mit mehreren Vertretern von Inter Mailand in schriftlichem Kontakt. Diese wunderten sich zunehmend über das defensive Verhalten beim FCV.

Aufgelöst wurde all das schliesslich erst, nachdem die Volketswiler mit dem interna­tionalen Fussballverband Fifa Rücksprache genommen hatten. «Das Geld wäre sonst wohl schon viel eher bei uns auf dem Konto gewesen», sagt Denzler.

Die Skepsis der Volketswiler kommt nicht von ungefähr. Internationale Transfers im jugendlichen Alter von Hoti sind eher die Ausnahme.

Und ebenso selten kann der erste Jugendklub des Spielers sogar noch finanziell profitieren. Auch deshalb, weil die Talente über das seit 2013 bestehende Schweizer Nachwuchsförderungskonzept Footeco früh zum Grossverein gelangen.

Erst ab 12 rechnet es sich

Hoti, der als Achtjähriger dem FCV beitrat, wechselte erst im Sommer 2017 ins FCZ U15-Team Zürich-Oberland und war dort zuerst für eine Saison beim für den FCZ als Administrativ-Verein agierenden FC Bauma lizenziert (siehe Box).

Offiziell für den Stadtklub spielberechtigt wurde Hoti dann ab der Saison 2018/19.

Doch wie kommt der Betrag von 30 000 Euro für den FC Volketswil überhaupt zusammen? Die grundlegenden Voraussetzungen sind, dass es sich um den ersten Vertrag als Profi beim Spieler handelt, der Transfer zwischen zwei verschiedenen Landesverbänden stattfindet und er nicht älter als 23 Jahre alt ist.

Effektiv verrechnet wird dann die Ausbildungsentschädigung ab der Saison, in der der Fussballer sein 12. Altersjahr erreicht. Hierbei setzt die Fifa in insgesamt vier Kategorien feste Beträge pro Jahr ein.

In Europa werden Vereine aus dem Breitensport aus der vierten und untersten Kategorie mit einem Beitrag von jeweils 10 000 Euro abgegolten. Im Fall von Hoti waren deshalb bis zu seinem Wechsel zum FC Zürich total 30 000 Euro fällig.

Radices ungewöhnlicher Weg

Hoti ist übrigens nicht der erste Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, der es in den Profibereich schaffte, und bei dem der FC Volketswil finanziell entschädigt wurde.

Luca Radice schaffte 2014 über den FC Winterthur den Sprung nach Aarau in die Super League. «Bei ihm haben wir auch eine Ausbildungsentschädigung erhalten. Jedoch deutlich weniger. Dazu kam später noch ein weiterer Betrag für den Transfer nach Aarau», sagt FCV-Präsident Denzler.

Der sportliche Weg von Radice ist heute nahezu undenkbar. Mit 17 wechselte Radice vom FCV zum damaligen Interregio-Verein Inter Club Zurigo. Zwei Jahre später erhielt er die Chance, sich über die U21-Mannschaft des FC  Winterthur für das Kader des Challenge-League-Teams zu empfehlen.

Der Rest ist Geschichte. Mit über 400 Einsätzen in den beiden höchsten Spielklasse zählt Radice zu den erfahrensten Profis überhaupt. Seit seiner Rückkehr aus Aarau ist der mittlerweile 33-Jährige wieder bei Winterthur unter Vertrag. Ob nun im Sommer seine Karriere endet, ist noch offen.

Was den FC Bauma mit dem FC Zürich verbindet
Der FC Bauma ist seit vier Jahren sogenannter «Administrativ Verein» für das Team Zürich-Oberland. Was heisst dies konkret? Reglementarisch darf der FCZ auf Stufe U15 nur eine ­Mannschaft melden. In der Praxis hat er aber deren drei. Eines davon läuft unter dem Namen Team Zürich-Oberland auf. Die Spieler werden dafür extra eine Saison für Bauma lizenziert. «Jene, die den Sprung in die U16 schaffen, werden dann zum FCZ transferiert. Andi Hoti ist so ein Beispiel», sagt Werner Berger, Präsident des FC Bauma. Für den Oberländer Verein bedeutet die Zusammenarbeit einen kleinen administrativer Aufwand. Dazu finden mindestens vier Spiele vom Team Zürich-Oberland in Bauma statt. (zo)

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