Unbekümmert nach vorne
Die Rückkehr in den Meisterschaftsalltag hätte für sie nicht aufregender sein können. Kaum eingewechselt, verpasste Naomi Mégroz, allein auf die gegnerische Keeperin zulaufend, den Freiburger Ausgleich zum 2:2. Dieser fiel später trotzdem.
Und es kam noch besser. Denn bei ihrem zweiten Versuch war auch die Greifenseerin erfolgreich. In der Nachspielzeit reagierte die 21-Jährige nach einem Missgeschick des Potsdamer Goalies am schnellsten und erzielte den Sieg bringenden dritten Treffer. Es war das erste Bundesliga-Tor von Mégroz.
Besonders bemerkenswert: Deutschland ist mit der Wiederaufnahme der Meisterschaft europaweiter Vorreiter und Einzelgänger bei den Frauen. Die weiteren Top-Ligen in England, Spanien oder Frankreich wurden – genauso wie die Schweizer NLA – wegen der Coronavirus-Krise vorzeitig abgebrochen.
In der Bundesliga konnten bis Anfang März noch drei Runden bestritten werden. Mégroz reiste anschliessend im Kreis des Nationalteams nach Marbella ins Trainingslager – ehe es kurze Zeit später zur Lockdown-Phase kam.
Diese verbrachte sie mit ihrer WG- und Teamkollegin Meret Wittje in ihrer Wohnung in Freiburg. «In Baden-Württemberg waren die Restriktionen zum Glück nicht so gross. So konnten wir für die Laufeinheiten an die frische Luft», sagt sie.
Wochen der Ungewissheit
Die ersten Trainingseinheiten zurück auf dem Feld noch in Kleingruppen erlebte das Team allerdings mit gemischten Gefühlen. «Wir waren hin- und hergerissen, bis klar wurde, dass überhaupt weitergespielt wird», sagt Mégroz.
Nach einer einwöchigen Quarantäne-Isolation ging es für die Bundesligisten dann Ende Mai mit den entsprechenden Schutzvorkehrungen los. Zweimal pro Woche unterziehen sich die Spielerinnen seither einem Corona-Test. Bisher ohne ein positives Ergebnis.
Den Freiburgerinnen hat die rund zweimonatige Zwangspause offenbar gutgetan. Nach dem erwähnten 3:2-Erfolg über Potsdam doppelten sie vor Wochenfrist mit einem 6:0 über Schlusslicht Jena nach.
Dass auch die Partien in der Frauen-Bundesliga derzeit ohne Zuschauer stattfinden, kümmert Mégroz kaum. «Ich bin es mir aus der Schweiz gewöhnt, vor wenigen Fans zu spielen», sagt sie. Auch wenn die vorangegangenen Saison-Heimpartien von Freiburg im Schnitt vor immerhin 1200 Besuchern stattfanden.
«Da wird man schon mal von den Socken gehauen.»
Naomi Mégroz, Bundesliga-Spielerin aus Greifensee
Vier Spieltage stehen noch bis Ende Monat aus. Der SCF befindet sich als Tabellensiebter einmal mehr im gesicherten Mittelfeld. «Uns fehlte es etwas an Konstanz für eine noch bessere Klassierung. Einige späte Gegentore kosteten uns den einen oder anderen Punkt», sagt Mégroz.
Aus Niederlagen lernen
Die Greifenseerin selbst fand nach ihrem Abgang beim Serienmeister FC Zürich schnell ihre Rolle in Freiburg – und wurde sogleich Stammspielerin.
«Im Training wie im Match geht es anders zur Sache. Da wird man schon mal von den Socken gehauen. Und es gibt natürlich im Vergleich zur Nationalliga A mehr starke Einzelspielerinnen», sagt sie.
So erlitt der SCF gegen den designierten Meister Wolfsburg auch einmal eine 0:8-Klatsche. Für Mégroz kein Grund, zu hadern. Im Gegenteil: Sie nimmt den Anschauungsunterricht als Ansporn, um weitere Fortschritte zu erzielen.
«Naomi ist ehrgeizig, lernbereit und nimmt die Herausforderungen der einzelnen Positionen sehr gut an.»
Daniel Krauss, Trainer SC Freiburg
Dies bekräftigt auch ihr Coach Daniel Krauss. «Naomi ist ehrgeizig, lernbereit, nimmt die Herausforderungen der einzelnen Positionen sehr gut an und arbeitet zielstrebig an ihrem Spiel.»
In offensiverer Rolle
Tatsächlich kommt Mégroz nach einer ersten halben Saison als Aussenverteidigerin nun verstärkt im seitlichen Mittelfeld zum Einsatz. «Auf dieser Position kann sie noch mehr offensive Aktionen haben», sagt Krauss. Über den Rollenwechsel freut sich die 13-fache Schweizer Nationalspielerin, auch wenn sie zuletzt jeweils nur zu Teileinsätzen kam. «Ich bin ja ein gelernter Flügel», betont sie.
Doch ist ihre Vielseitigkeit nicht Fluch und Segen zugleich? «Nein», entgegnet sie. «Ich sehe sie als Vorteil. Man kann mich doch fast überall bringen.» Überhaupt hat sich Mégroz, deren Vertrag noch eine weitere Saison läuft, gut in der Universitätsstadt eingelebt. So arbeitet sie neben dem Training täglich in einem Café («Ich brauche einen Ausgleich zum Sport.»).
Und ihr Trainer will sie nicht missen. «Als lebensfrohe Person auf und neben dem Platz tut sie dem Team sehr gut. Wir sind froh, Naomi bei uns zu haben», sagt Krauss.
