Etwas Morgenröte – aber auch Respekt vor einer «zweiten Welle»
Rund drei Monate lang fand wegen der Coronavirus-Krise schweizweit kein Spiel statt. Das hat nun am Samstag ein Ende, wenn um 13 Uhr zwischen Winterthur und YF Juventus – unter Einhaltung von vereinsspezifischen Schutzkonzepten – die erste Trainingspartie im Raum Zürich stattfinden wird.
Fussballfans aus der Region müssen sich hingegen noch etwas gedulden, der erste Match eines Zweitligisten ist derzeit auf den 19. Juni zwischen dem FC Greifensee und Linth 04 angesetzt.
Es besteht dadurch aber beim Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) die berechtigte Hoffnung, mit der neuen Saison plangemäss ab Mitte August beginnen zu können.
«Wenn ein weiteres halbes Jahr nicht gespielt werden könnte, müssten wir den Laden herunterfahren.»
Patrick Meier, FVRZ-Geschäftsführer
Und dennoch: Patrick Meier, Geschäftsführer beim FVRZ, hat Respekt vor einer möglichen «zweiten Welle» und sagt: «Wenn ein weiteres halbes Jahr nicht gespielt werden könnte, müssten wir den Laden herunterfahren.» Sprich: Der Regionalverband käme nicht drumherum, Stellenprozente abzubauen – und könnte damit auch gewisse Dienstleistungen nicht mehr erbringen.
Einbruch der Einnahmen
Knapp 40 Prozent der üblichen Einnahmen fehlen dem FVRZ in diesem Frühling aus dem laufenden Spielbetrieb. Meier spricht in diesem Zusammenhang von fehlenden rund 450 000 Franken. Dazu kommen gekündigte Sponsorenverträge und nicht gesicherte Subventionseinnahmen, die letztlich auch die Mitarbeiter des FVRZ zur Kurzarbeit zwangen. «Es geht jetzt darum, die Zukunft abzusichern», sagt der 55-Jährige.
Ein Erlass der Vereinsgebühren (sie machen etwa 4 Prozent der Einnahmen aus – die Red.) für die nächste Saison, wie es der Aargauische Verband in seiner Region jüngst ankündigte, kommt für ihn deshalb derzeit nicht infrage.
«Das ist eine nette Geste. Wir können aber im Moment einen solchen Entscheid nicht fällen. Dafür ist die Situation viel zu unplanbar», sagt Meier. Natürlich hat man jedoch beim Zürcher Regionalverband alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Fixkosten herunterzufahren – und die entsprechenden Sparmassnahmen eingeleitet.
Kein Dankeschön-Anlass
Da ist zunächst die Absage der traditionellen Gala-Veranstaltung. Sie hätte Anfang Dezember erneut mit rund 1000 Besuchern in der Dübendorfer Samsung Hall stattgefunden. Deshalb werden in diesem Jahr für einmal keine Auszeichnungen der verschiedenen Wettbewerbe (beispielsweise Vorbildlicher Verein) vorgenommen.
Meier bedauert insbesondere diesen Entscheid. «Vor allem, weil dieser Dankeschön-Anlass bei den Klubs sehr beliebt ist», wie er betont.
Ebenso nicht stattfinden wird der alle zwei Jahre im August mit einer Schifffahrt auf dem Zürichsee durchgeführte Kick-off-Event für die Präsidenten der Vereine.
«Durch alle Massnahmen kommen wir heute mit einem Minus im tiefen sechsstelligen Bereich weg.»
Patrick Meier, FVRZ-Geschäftsführer
Dazu kommen kleinere Einsparungen im Bereich der Drucksachen, Merchandising sowie dem Ausfall der Spielinspektionen. «Durch alle getätigten Massnahmen kommen wir per Stand heute mit einem Minus im tiefen sechsstelligen Bereich weg», sagt Meier.
Gegen 150 000 Franken nahm der FVRZ zuletzt jährlich dank den Sponsoren ein. Das ist weit mehr als jeder andere der insgesamt 13 Regionalverbände. «Weil wir ein gutes Konzept haben – und wegen der Gala», ist Meier überzeugt.
Doch die Covid-19-Situation hat alles verändert. «Es ist ungewiss, ob wir wieder zu den heutigen Geldern kommen. Ein Sponsor ist ausgestiegen, ein zweiter wird es nächstes Jahr tun. Und momentan ist es schwierig, neue Sponsoren zu akquirieren», sagt Meier.
Den Puls der Vereine fühlen
Der FVRZ beantragte deshalb beim Kanton Zürich – nach den vom Regierungsrat für den Sport gesprochenen zwei Millionen Franken – auch erfolgreich eine Soforthilfe. Rund 20 Fussballvereine aus dem Regionalverband profitieren bisher ebenso davon. Und Meier ist überzeugt, dass noch bis Ende Monat weitere Gesuche eingereicht werden.
Er selbst will in den nächsten Wochen zu einer Reihe von ausgewählten Vereinen des gesamten Einzugsgebiets reisen, um die finanziellen Auswirkungen der Coronavirus-Krise aufzunehmen. «Der persönliche Kontakt ist mir wichtig», sagt er. Vor allem gibt es Meier aber ein umfassenderes Bild, wie es um die Klubs in der Region wirklich steht.
