Der FC Uster und die Sehnsucht nach der 2. Liga interregional
Spielt neben Rüti in der nächsten Saison mit dem FC Uster wieder ein zweiter Klub aus der Region in der 2. Liga interregional?
Zwar gibt es auf den verschiedensten Leistungsstufen einige Tabellenführer, die sich nach dem Saisonabbruch wegen der Coronavirus-Krise um ihre Lorbeeren gebracht fühlen, und auch öffentlich ihre Enttäuschung über den Entscheid kundtaten. Doch darunter ist kein Verein aus dem Oberland.
Selbst Uster, der bestklassierte Zweitligist aus der Region, hat eigentlich keine sportlichen Argumente. Er lag bei Meisterschaftshalbzeit in der Gruppe 2 nur auf dem vierten Platz. Und dennoch wurde der Verein bei der zuständigen Amateurliga vorstellig. «Wir wären bereit für die 2. Liga interregional», bestätigt FCU-Sportchef Roland Leemann.
Die unbelohnte Reise
Doch weshalb überhaupt? Aufgrund einer Fusion zweier Interregio-Klubs und mindestens einem Rückzug ist es möglich, dass nicht mehr als 84 Teams (je 14 Mannschaften pro Gruppe) aus der bisherigen 2. Liga interregional für die nächste Saison übrig bleiben (siehe Box).
Und damit sind wir beim FC Uster. Dieser hofft in diesem Fall als bester Interregio-Absteiger der Saison 2018/19 von der Nichtwertung der Ende April abgebrochenen Spielzeit zu profitieren.
Bereits im Vorjahr war es wegen je eines Aufstiegsverzichts und Mannschaftsrückzugs zu einer speziellen Konstellation gekommen. Die beiden besten Drittletzten der sechs Gruppen durften damit in der 2. Liga interregional verbleiben.
Drei Ustermer Fussballer waren damals sogar extra die 230 Kilometer nach Eclépens ins Waadtland gefahren, um das entscheidende Nachtragspiel des mitinvolvierten FC Stade-Payerne zu verfolgen. Nur: Stade-Payerne holte den nötigen Sieg, sodass der FCU absteigen musste.
Weitere Interessenten
Und nun also ein Happy End mit einem Jahr Verspätung als drittbester Drittletzter? Nein. Heinz Rähmi, Leiter Wettspielkommission bei der Amateurliga, bestätigt zwar das Interesse von Uster, will aber nichts von einem solchen Szenario wissen. Für ihn ist klar – es wird keine Nachrücker geben.
«Das würde ansonsten nicht mehr aufhören», antwortet Rähmi auf die Frage, weshalb der Wunsch von Uster kein Gehör finden dürfte. Seine klare Botschaft: «Es ist egal, ob wir mit 14, 13 oder 12 Teams in einer Gruppe starten.»
Tatsächlich ist Uster aber nicht der einzige Interessent. Der FC Lenzburg beispielsweise, designierter Aufsteiger aus der Aargauer 2. Liga, hatte schon vor Wochen deutlich Stellung bezogen, um allenfalls nachrücken zu können.
Im Falle eines Ustermer «Wiederaufstiegs» müsste auch der Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) über die Bücher. Dieser hätte nämlich wiederum Konsequenzen auf den Wettspielbetrieb im FVRZ.
Drittliga-Leader Veltheim zählte während der Wochen der Ungewissheit zu den lautesten Kritikern. Der Ruf nach einer sportlichen Lösung blieb aber beim Verband ungehört. Die Winterthurer würden bei einem positiven Bescheid für Uster ebenso profitieren wollen. Vor einem Jahr mussten sie als «bester» Absteiger aus der 2. Liga absteigen.
Rähmis Bedenken wegen einer möglichen Kettenreaktion sind also nicht unbegründet.
2. Liga interregional: Mindestens ein Rückzug und eine Fusion
Seit mittlerweile bald 20 Jahren gibt es die 2. Liga interregional. Unumstritten war die von den Kritikern des Öftern als «Zwischenliga» verspottete Spielklasse aber nie. Zu teuer und unattraktiv sei sie, sagte beispielsweise Luigi Ponte, der Präsident des Aargauer Regionalverbands unlängst. Er will sie deshalb gerne abgeschafft haben. Sicher nicht ungelegen kommt ihm da die jüngste Entwicklung. Ausgerechnet aus seinem Verband zieht sich zum Saisonende der FC Wettingen aus finanziellen Gründen in die 2. Liga zurück. Dem nicht genug: Bereits in der Winterpause hatte Eagles Aarau aufgrund von fehlenden Junioren kapituliert. Ab Stufe 2. Liga regional ist für jeden Verein eigentlich eine Nachwuchsabteilung Pflicht. Diesen Passus kann im Kanton Aargau mit einem (hohen) Ausbildungsbeitrag aber umgangen werden. Mit dem Meisterschaftsabbruch und dem gleichzeitigen Entscheid, dass es keine Auf- und Absteiger gibt, erhielt der Klub nun eine zweite Chance. Diese will er nutzen und versucht, derzeit das Problem mit einem Klub durch eine Partnerschaft im Juniorenbereich zu lösen. Viel Zeit bleibt aber nicht. Schon ganz sicher ist hingegen die Fusion der jurassischen Interregio-Klubs Cornol-La Baroche und Courgenay, sodass ein weiteres Team wegbricht. (zo)
