Schlusspfiff auf den regionalen Plätzen
Es ist definitiv: Der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) genehmigte am Donnerstag einen Antrag der Amateur-Liga und der 13 Regionalverbände – darunter der Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) –, die Saison vorzeitig abzubrechen.
Damit steht auch fest: Es wird ab Stufe Promotion League sowie auf allen Ebenen im Frauenfussball weder Auf- noch Absteiger geben. Keine Fortsetzung findet des Weiteren der regionale Cup. Die beiden Teilnehmer am Schweizer Cup der kommenden Saison aus dem FVRZ werden per Los aus den in den regionalen Cup-Wettbewerben übrig gebliebenen Teams bestimmt.
Immerhin: Unter den 16 Teams sind auch noch Volketswil, Uster, Dübendorf und Greifensee.
Der Entscheid ist keine Überraschung. Aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Krise konnte in diesem Jahr auf sämtlichen Amateurstufen kein einziges Spiel der Rückrunde bestritten werden. Um aber die Meisterschaft vor den Sommerferien rechtzeitig beenden zu können, hätte die Frühjahrsrunde spätestens Mitte Mai aufgenommen werden müssen.
Trainings in Kleingruppen
Es ist ein unrealistisches Szenario, auch wenn nach dem Beschluss des Bundesrats ab dem 11. Mai bis auf Weiteres mit Einschränkungen wieder in Kleingruppen trainiert werden darf (maximal fünf Personen, kein Körperkontakt).
Der SFV hat dazu bereits ein Schutzkonzept erstellt, das nun noch der Genehmigung der zuständigen Behörden bedarf. Fussballspiele dürften aber sowieso frühestens ab 8. Juni «in Ligen mit übermässig professionellem Spielbetrieb» wieder möglich sein.
Alternative Modelle für eine mögliche Fortsetzung des regionalen Fussballs fanden übrigens bei den Funktionären kein Gehör – auch wenn die schon länger im Raum stehende Annullation der Saison nicht bei allen Klubverantwortlichen gut ankam.
Der SC Veltheim beispielsweise, souveräner Leader der Drittliga-Gruppe 4, reichte dem FVRZ schon im März diverse Vorschläge ein, um die Saison noch beenden zu können.
So etwa, die Meisterschaft mit einer Pause während der Sommerferien bis in den September zu verlängern. Und die nächste Saison dafür erst im Oktober zu starten. Oder im schlechtesten Fall, wenn in diesem Jahr gar nicht mehr gespielt werden könnte, die Meisterschaft im Frühjahr 2021 fortzusetzen.
Anklang fanden diese Vorschläge genauso wenig wie ein noch Anfang der letzten Woche verschickter Protestbrief an den SFV, mit dem Ziel, den Antrag auf Meisterschaftsabbruch rückgängig zu machen. «Wir hätten uns kreativere Lösungen erhofft», sagte dazu der zu den Unterzeichnern zählende Veltheim-Präsident Jürg Ryffel im «Landboten».
Unterschiedliche Interessen
Klar scheint zudem: Das grosse Engagement des Winterthurer Vereins dürfte auch mit der guten Ausgangslage respektive dem möglichen Aufstieg vor Augen zu tun haben. Auf der Gegenseite ist das Interesse von relegationsgefährdeten Klubs zum Weiterspielen vergleichsweise kleiner.
Jetzt sei es «besser, ganz aufzuhören und neu zu beginnen», meinte beispielsweise Effretikons Präsident Rainer Bierbrodt. «Zum einen ist die Verletzungsgefahr hoch, wenn ohne grosse Vorbereitung zu oft gespielt wird.
Zum anderen ist der Sportplatz Eselriet ab 30. Juni jeweils geschlossen.» Nur: Neuling FCE überwinterte bekanntlich auf einem Abstiegsplatz der Zweitliga-Gruppe 2 und zählt somit zu den Profiteuren der Situation.
Das bayerische Modell
Die Runde machte sogar der Weg des Bayerischen Fussballverbands. Er hatte insgesamt 70 Videokonferenzen mit den Vereinen abgehalten, um seine Absichten zu erklären.
Anschliessend hatten diese die Möglichkeit, über das vorgeschlagene Modell abzustimmen. Das Ergebnis: 68 Prozent der Teilnehmer sprachen sich dafür aus, die laufende Meisterschaft (frühestens) am 1. September fortzusetzen und damit auch nicht abzubrechen.
«Wir bedaueren, dass nun einige Klubs um die möglichen Früchte einer bis dato guten Saison gebracht werden.»
Dominique Blanc, SFV-Präsident Dominique Blanc
«Bei der Frage der Wertung der Saison oder eben nicht schreibt uns das Wettspielreglement vor, was gilt. Wir bedauern, dass nun einige Klubs um die möglichen Früchte einer bis dato guten Saison gebracht werden», liess sich dazu SFV-Präsident Dominique Blanc zitieren.
Warum aber keine Verlängerung über den Sommer hinaus? «Diese hätte die nächste Saison zu stark beeinträchtigt. Damit haben wir nun Planungssicherheit», sagt Blanc.
Ob aber wirklich termingerecht in der Saison 2020/2021 wieder Fussball gespielt werden kann, steht derzeit sowieso noch in den Sternen. Laut dem SFV wird dies unter Berücksichtigung der behördlichen Vorgaben so früh wie möglich entschieden.
Das sind die Oberländer Gewinner
In der Zweitliga-Gruppe 2 gibt es mit Ausnahme von Uster und Greifensee eigentlich nur Gewinner. Denn mit grosser Wahrscheinlichkeit wären zwei der drei Absteiger aus der Region gekommen. Effretikon und Dübendorf überwinterten auf einem Abstiegsplatz. Dem Interregio-Absteiger FCD drohte damit sogar der Super-GAU eines nächsten Absturzes. Zwar wirbelten die Glattaler besonders heftig auf dem Transfermarkt – eine Garantie auf Qualität ist der Aktionismus aber nicht. Die Neuen kamen schliesslich allesamt von ebenso erfolglosen Teams (Thalwil, Wallisellen). Eng wäre es auch für einige Drittligisten geworden. In der Gruppe 3 zählten Fällanden und Pfäffikon 2 zu den heissen Relegationskandidaten. Zudem: Mindestens einen Oberländer Absteiger aus dem Quartett Mönchaltorf, Wetzikon 2, Weisslingen und Hinwil hätte es auch in der Gruppe 6 gegeben. (zo)
Das sind die Oberländer Verlierer
Als Tabellenvierter in Lauerstellung hätte der FC Uster sicher gerne in der Zweitliga-Gruppe 2 noch ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitreden wollen. Dafür leistete er sich sogar die Dienste des viel gereisten Ex-Profis Thomas Weller. Der bald 40-Jährige wechselte im Winter vom Erstligisten Kosova aufs Buchholz. «Wir waren gut vorbereitet und hätten gerne gespielt», bedauert FCU-Sportchef Roland Leemann den Abbruch.
Eine noch bessere Basis hatte sich Pfäffikon in der Gruppe 6 der 3. Liga erarbeitet. Fünf Punkte beträgt das Polster des Leaders auf die nächsten Teams. Trainer Marcel Erismann glaubte aber schon länger nicht mehr an eine Fortsetzung. Er bedauert allerdings auch, dass das Erreichte keinen Einfluss auf die neue Meisterschaft hat – beispielsweise in Form von Bonuspunkten. «Das wäre ein gutes Szenario», findet Erismann. (zo)
Das sind die Extremfälle
In der Rütner Interregio-Gruppe 6 kann United Zürich jubeln. Das abgeschlagene Schlusslicht (3 Punkte) setzte in der Vorrunde nicht nur 38 Spieler in 12 Partien ein – es erlitt auch eine denkwürdige 1:17-Pleite gegen Chur.
Eine Stufe tiefer hätte Wallisellen in der Gruppe 2 mit 4 Punkten nur noch ein Wunder geholfen. Für den negativen Höhepunkt steht aber Thayngen in der Drittliga-Gruppe 5. Die Ausbeute: 10:50 Tore, 11 Partien, 0 Punkte! (zo)
