Euphorie bei Uster, Tristesse in Dübendorf
Er ist die Enttäuschung der Zweitliga-Gruppe 2 überhaupt. Als einer der Top-Favoriten angetreten, liegt der FC Dübendorf eine Runde vor dem Ende der Vorrunde sogar auf einem Abstiegsplatz. Damit ist klar: Nicht einmal ein Sieg im letzten Spiel über Diessenhofen dürfte versöhnlich stimmen.
Mit einem nur unwesentlich veränderten Kader und Marcello Stellato als neuem Trainer starteten die Glattaler nach dem Abstieg aus der Interregio. Dazu kehrte mit Marko Marjanovic der so vermisste Torjäger zurück.
Nie den Tritt gefunden
«Marcello muss die Spieler wieder hungrig machen», forderte Präsident Markus Herzog. Es ist Stellato bisher nicht gelungen. Denn: «Die Spieler sind nicht hungrig genug», sagt Herzog jetzt.
Er beklagt aber auch die lange Verletzungsliste. «Da kann selbst der Trainer nichts dafür», meint der 52-Jährige.
Tatsächlich fand der FCD in keiner Phase der Meisterschaft den Tritt. Bereits der Auftakt in Brüttisellen ging nach «zu guten Testresultaten» (Herzog) gründlich in die Hose. Von einem überheblichen Auftritt ist die Rede.
Später bleiben die Dübendorfer sogar einen Monat ohne Sieg.
«Ich kann es nicht mehr hören.»
Markus Herzog, Präsident FC Dübendorf
«Ihr habt euch viele Chancen erarbeitet», wurde ihm nach den Spielen oft aufmunternd aus dem Umfeld zugesprochen. «Ich kann es nicht mehr hören», kontert er gereizt – und stellt die Mentalitätsfrage.
Die Dübendorfer erlitten einige schmerzhafte Niederlagen. In Uster wird der FCD förmlich Platz vom gefegt. Sogar Nachbar Greifensee findet mit einem 1:0-Sieg auf dem Dübendorfer Zelgli aus der zwischenzeitlichen Krise.
«Die Tabelle lügt nicht», sagt Herzog und kündigt eine Auslegeordnung an. Gut möglich also, dass es in Winter nicht nur zu Retuschen kommt.
Akzente gegen Topteams
Viel besser präsentierte sich der FC Uster. Mit einer nach dem Abstieg aus der 2. Liga interregional verjüngten Mannschaft setzte er immer wieder bemerkenswerte Akzente.
So beim erwähnten Sieg über Dübendorf, oder auch gegen die Topteams SV Schaffhausen und Oerlikon/Polizei. Zuletzt korrigierte der FCU sogar einen 0:4-Rückstand gegen Diessenhofen.
«Die Moral stimmt», sagt der neue Coach Ursal Yasar und streicht den Trainingseifer seiner Spieler heraus. Der in Dübendorf so arg vermisste Hunger scheint auf dem Buchholz vorhanden zu sein.
Nicht unwesentlich war zudem, dass die Ustermer vom Verletzungspech verschont blieben, und mit Dominik Cennerazzo und Jean Michel Kuelo ein Duo zurückkehrte, das den Klub nach der letzten Saison verlassen hatte.
«Beide gaben uns Stabilität», unterstreicht Ex-Profi Yasar. Vor allem der offensive Unruheherd Kuelo fiel an der Seite des gereiften Denis Dzepo wiederholt positiv auf. Das Torjägerduo erzielte 17 der 36 Ustermer Tore.
«Wir wollen in der Rückrunde weiter angreifen.»
Roland Leemann, Sportchef FC Uster
«Wir wollen in der Rückrunde weiter angreifen», sagt FCU-Sportchef Roland Leemann, der die beiden Schaffhauser Teams als erste Aufstiegskandidaten nennt.
Hinter Uster sind nebst Dübendorf auch die weiteren Vereine aus der Region allesamt in der unteren Tabellenhälfte klassiert. Für sie gilt es in erster Linie, in der erneut ausgeglichenen Gruppe 2 den Klassenerhalt zu bewerkstelligen.
Greifensees Endspurt
Die beste Ausgangslage als Siebter hat hierbei Greifensee. Sportchef Rolf Imhof macht jedoch keinen Hehl daraus, dass er sich den einen oder anderen Punkt mehr erhofft hatte.
Immerhin: Mit zuletzt drei Siegen in Cup und Meisterschaft setzte der FCG zu einem starken Endspurt an – just zu dem Zeitpunkt, als der Abgang von Trainer Bruno Schyrr zum Ende der Hinrunde bekannt wurde. Imhof mahnt aber: «Nur zehn Prozent weniger – und schon reicht es nicht mehr».
Ein Auf und Ab war die Saison bisher auch für Gossau. Den Oberländern gelang es aber immer, in heiklen Momenten das nötige Ausrufezeichen zu setzen. So beispielsweise vor Wochenfrist beim furiosen 8:2-Erfolg über Effretikon, nachdem sie zuvor zweimal eine böse Packung erhalten hatten.
Effretikon wusste seinerseits insbesondere in der ersten Meisterschaftshälfte zu gefallen. Aus den letzten sieben Partien resultierte allerdings nur noch ein Sieg.
«Wir haben an der Tür gekratzt, diese aber nicht aufgebrochen.»
Flakon Halimi, Trainer FC Effretikon
Selbst in der Niederlage sagte Trainer Flakon Halimi aber wunderbare Sätze wie «wir haben an der Tür gekratzt, diese aber nicht aufgebrochen» oder «wären wir die Feuerwehr und als solche zu einem Brand gerufen worden – wir wären ins falsche Haus gegangen.»
Etwas mehr Aufwärmzeit brauchte Wetzikon, der zweite Aufsteiger aus der Region. Ab dem vierten Spieltag punkteten die Wetziker aber regelmässiger. Die Chance ist gross, dass dieses Mal der Aufenthalt in der 2. Liga länger andauert wie bei den letzten Anläufen.
Bleibt noch der FC Brüttisellen-Dietlikon, der nach einer fast perfekten Saison im Herbst neun Partien sieglos blieb – nun aber nach zwei Siegen wieder Mut schöpfte. «Der FC Brüttisellen lebt noch», sagte Trainer Robert Merlo nach der Durststrecke.
