Vom kleinen FC Brüttisellen blamiert
Nur 1300 Zuschauer verlieren sich im Letzigrund. Die heute so hippe Südkurve heisst noch «Züri-Egge». Der FCZ durchläuft eine schwierige Zeit.
Die sportliche Heimat ist bereits die zweite Saison in Folge die zweigeteilte Nationalliga B. Die Gegner in der Ostgruppe heissen Chur, Emmenbrücke, Zug, Glarus – oder FC Brüttisellen .
Am 22. Oktober 1989 kommt es zum Rückspiel gegen den FCB. Den ersten Vergleich hatte der grosse Favorit nach zwei frühen Toren noch standesgemäss auswärts 2:0 für sich entschieden. Die 2650 Besucher sorgen für eine Rekordmarke auf dem Sportplatz Lindenbuck.
«Ich war froh, den Match zunächst von der Ersatzbank zu schauen. Von dort hatte ich die beste Sicht aufs Feld», sagt der damalige Brüttiseller Spieler René Waldvogel und lacht.
Die ganze Zeit ausgepfiffen Im Stadion Letzigrund stürmt Waldvogel aber einige Wochen später von Beginn weg. Die Anspannung ist gross. «Ich hoffe, der Match ist bald fertig», sagt er im Kabinengang zu Torhüter Peter Meier noch vor dem Anpfiff. Die anfängliche Nervosität legt sich schnell. Hans Malik tunnelt nach einem Konter den FCZ-Goalie Stefan Knutti (21.). Und in der 26. Minute steht es bereits 2:0. Kurt Wehrli trifft spektakulär per Seitfallzieher. Die Vorlage dazu liefert Waldvogel. «Es ist alles für uns gelaufen», erinnert sich der 54-Jährige.
Die Fans im «Züri-Egge» pfeifen die Brüttiseller Amateure, die nur drei bis vier Mal während der Woche trainieren, 90 Minuten lang unentwegt aus. Es nützt alles nichts. Es fällt sogar noch der dritte Treffer. Erneut ist es Wehrli, der die Stadtzürcher in Mark und Bein trifft.
Der Stadionspeaker lässt nach dem 0:3 versehentlich «We Are The Champions» über die Lautsprecher abspielen. Er korrigiert seinen Fauxpas umgehend.
«Mein Gegenspieler wurde immer ausfälliger.»
René Waldvogel, ehemaliger NLB-Stürmer des FC Brüttisellen
Mehr denn je genervt sind auch die Profis des FCZ. «Mein Gegenspieler Christoph Gilli wurde immer ausfälliger», sagt Waldvogel. Er nimmt es cool und fragt zurück, wie viel es denn eigentlich steht. Dem FCZ gelingt nur noch das Ehrentor.
Einen wesentlichen Anteil am Erfolg hat auch René Rogalla, der als Aussenverteidiger mit Robert Kok einer der Schlüsselspieler neutralisieren kann. Er spricht von einem Megaerlebnis. «Nur der Aufstieg in die NLB war schöner.»
Hinterher gehörig gefeiert Für den späteren Spitzenschiedsrichter Rogalla, der noch immer als Inspizient in der Super League tätig ist und es sich auch nicht nehmen lässt, Spiele in den untersten Ligen zu arbitrieren, ist hinterher klar: «Die haben uns unterschätzt.» Im Team des FC Zürich stürmt nebst dem Holländer Kok der spätere Schweizer Nationalspieler Marco Grassi. Und die Abwehr wird vom tschechischen Strategen Jan Berger zusammengehalten. Doch auch diese grossen Namen können die Pleite gegen das kleine Brüttisellen nicht abwenden. «Den Sieg haben wir gehörig gefeiert», sagt Waldvogel, der mittlerweile beruflich als Trainer im Nachwuchsspitzenfussball tätig ist. Die Spieler des FCZ müssen hingegen tags darauf mächtig Häme einstecken. Präsident Hotz poltert in der Boulevardpresse Von einer «peinlichen Vorstellung» ist in den Zeitungen die Rede. Der «Blick» spricht von einer Blamage, und FCZ-Präsident Sven Hotz kündigt in der Boulevardzeitung für einen Wiederholungsfall gleich Bussen an die Adresse der Spieler an. «Es war eine absolute Frechheit gegenüber den Zuschauern und natürlich auch gegenüber unseren Sponsoren», lässt er sich zitieren. Die Drohungen von Hotz kommen ganz offensichtlich bei der Mannschaft an. Dem FC Zürich gelingt nämlich am Ende der Meisterschaft trotzdem die Rückkehr in die NLA. Für den FCB bleibt hingegen der Coup im Letzigrund einer der raren sportlichen Saisonhöhepunkte. Er schliesst anschliessend auch die Abstiegsrunde auf dem letzten Platz ab.
