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Deshalb spielt Audino künftig im Tessin

Ivan Audino und der FC Wil haben sich ein Jahr vor dem Ende des Vertrags getrennt – seine Karriere will der Wetziker nun bei der AC Bellinzona neu lancieren.

Ivan Audino bei einem Testspiel in Volketswil mit dem FC Wil gegen den FCZ.

Archivfoto: Robert Pfiffner

Deshalb spielt Audino künftig im Tessin

«Ein Schritt zurück, um dann zwei nach vorne zu machen», so begründet Ivan Audino seinen Wechsel zur AC Bellinzona.

Tatsächlich ist es ein erstaunlicher Transfer. Immerhin lief der Wetziker Fussballer in seiner Karriere fast 200-mal in der Challenge League auf, bis vor einigen Tagen sein eigentlich noch ein Jahr laufender Vertrag beim FC Wil aufgelöst wurde.

«Im gegenseitigen Einvernehmen», wie in solchen Fällen zumeist betont wird. «Es war das Beste für beide Parteien», sagt Audino.

Tatsächlich dürften Verein wie Spieler finanzielle Zugeständnisse gemacht haben. Wil hat somit rechtzeitig vor dem Ende des Transferfensters zum Monatsschluss einer seiner wohl teureren Spieler von der Lohnliste – und Audino blieben so als vertragsloser Profi alle Möglichkeiten offen.

Der Oberländer hat sich schnell entschieden. Er sagt: «Der Markt ist klein in der Schweiz. Und die meisten Klubs setzen auf Junge.» Und so heisst Audinos neuer Arbeitgeber Bellinzona.

Der Tessiner Klub hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Noch in der Saison 2007/08 war er im Uefa-Cup, ehe es nur wenige Jahre später zum finanziellen Exodus kam.

Davon hat sich Bellinzona mittlerweile wieder erholt. Die ACB spielt seit 2018 wieder mit Ambitionen in der Promotion League. Dazu passt: Audino ist als Profi unter Vertrag. «Bellinzona ist eine Fussball-Stadt. Und ich freue mich, wieder spielen zu können», sagt er.

Fast immer gespielt

In Wil wurde ihm dies zuletzt verwehrt. Bei dem gut in die Meisterschaft gestarteten Ostschweizer Verein spielte Audino seit Beginn der Saison keine Rolle mehr. «Man hat mir bereits im Mai gesagt, dass man nicht mehr mit mir plant – das ist legitim», findet Audino. Seither konnte er sich bis zur endgültigen Trennung im Verein fit halten.

Mit dem Abgang aus Wil endete für den Offensivspieler ein ereignisreiches Kapitel mit Hochs und Tiefs. Ab 2012 stand er insgesamt sechs Jahre lang unter Vertrag, und war damit der dienstälteste St. Galler Akteur überhaupt. Beachtliche 180 Spiele bestritt er in dieser Zeitspanne und erzielte 38 Tore.

Unterbrochen wurde die Liaison von zwei leihweisen Abstechern zum Ligakonkurrenten Aarau, weil Audino von der damaligen Klubleitung (eine türkischen Investorengruppe führte den Verein von 2015 bis 2017) ungeachtet des gut dotierten Vertrags aussortiert wurde.

Auch nach seiner Rückkehr auf Anfang 2018 wurde zunächst wieder über einen Abgang spekuliert und beispielsweise der damals gleichklassige FC Rapperswil-Jona als mögliche neue Adresse gehandelt.

Doch Audino blieb ein Wiler und wurde wieder unumstrittene Stammkraft. In der letzten Saison kam er in 35 von 37 Pflichtspielen zum Einsatz. Die beiden anderen Partien verpasste er wegen einer Gelbsperre.

Der Oberländer war selbst nach der Entlassung von Trainer Konrad Fünfstück von Ende März unter Nachfolger Ciriaco Sforza gesetzt und steuerte so immerhin vier Tore und fünf Assists zum soliden fünften Platz bei. Umso verwunderlicher wirkt die Trennung von Aussen.

«Wil verfolgt eben ein neues Projekt», sagt dazu Audino. Tatsächlich kam es im Kader der Wiler in der Sommerpause zu einer eigentlichen Eruption. 17 Zuzüge stehen 19 Abgänge gegenüber. Nebst Audino traf es weitere arrivierte Kräfte.

Damit ist auch die Fahrtrichtung des Klubs offensichtlich. Ein Grossteil der Neuen fand nämlich aus Nachwuchsteams aus der ganzen Schweiz den Weg aufs Wiler Bergholz.

An Persönlichkeit gewonnen

Audino haben die Geschehnisse nicht aus der Bahn geworfen. Ausgerechnet ein privater Schicksalsschlag (sein Vater starb vor über drei Jahren) liess ihn in seiner Persönlichkeit reifen. «Er hat mir gezeigt, was im Leben wirklich wichtig ist», sagt er.

Der Wetziker rennt längst nicht mehr dem «Traum von einer grossen Karriere» hinterher. Audino hat sich bereits vor geraumer Zeit von seiner langjährigen Berater-Agentur getrennt – im Guten, wie er betont. Unterstützung erhält er nun von einem anderen Management – allerdings ohne Vertrag.

Dazu passt, dass er sich in den letzten Jahren in einer privaten Schule für die Zeit nach dem Fussball weitergebildet hat – und erlangte dort die Maturität.

«Bellinzona ist für mich eine neue Lebenserfahrung.»

Ist Audino womöglich sogar bald am Punkt seines früheren Teamkollegen Gianluca Frontino? Dieser hatte unlängst bereits im Alter von 29 genug vom Profifussball und sprach hernach in einem Interview mit «Watson» offen über das Leben in der Challenge League und windige Manager. «Der Lohn ist Horror, es ist lächerlich», sagte er darin deutlich.

Audino hat im Gegensatz zu Frontino als 28-Jähriger – also so quasi im besten Fussballeralter – aber noch überhaupt nicht mit dem Fussball abgeschlossen. «Bellinzona ist für mich eine neue Lebenserfahrung», sagt er.

Was er drauf hat, kann er am 15. September erstmals zeigen – dann trifft er mit in seinem neuen Team im Schweizer Cup auf Neuchâtel Xamax.

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