Das Ende einer «Gurken-Saison»
«Wir haben eine Gurken-Saison anständig zu Ende gebracht», sagte Gossaus Assistenztrainer Andreas Häsler vor Wochenfrist nach dem geschafften Ligaerhalt in der 2. Liga. Die Oberländer waren im Vorfeld der Saison sogar zum erweiterten Kreis der Favoriten gezählt worden.
Doch der Begriff «Gurken-Saison» steht nebst dem FCG auch für einen Grossteil der restlichen Interregio- und Zweitliga-Teams aus der Region. Dazu passt: Nach dem Abstieg von Uster und Dübendorf spielt erstmals seit sechs Jahren mit dem FC Rüti künftig nur noch ein Klub in der 2. Liga interregional.
Es ist insbesondere ein Armutszeugnis für die Klubs aus der dritt- und viertgrössten Stadt des Kantons, wo die Verantwortlichen auch immer wieder mal beteuern, dass die Interregio oder sogar 1. Liga möglich sein müsste.
Anspruch und Wirklichkeit
Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen in beiden Fällen auseinander, sodass die sportlichen Abstürze nicht wirklich überraschend kommen. Der FC Dübendorf verlor im Vergleich zur ersten Interregio-Saison an Substanz und befand sich – auch weil von den Neuen kaum einer mehr als ein Mitläufer war – bald in Rücklage. Für die Glattaler spricht zwar die Konstanz und Kontinuität im personellen Bereich, zur nachhaltigen Etablierung auf Stufe Interregio fehlt so aber der Nährboden – trotz einer A-Junioren-Mannschaft auf Coca-Cola-League-Niveau.
In Uster ist man derweil nicht weiter als beim letzten Abstieg im 2017. Mit Neo-Trainer Fabio Digenti gelang zwar der Wiederaufstieg. Der altersbedingte Umbruch wurde mit einem Sack externer neuer Spieler vollzogen, die nun mit dem Abgang von Digenti zu einem grossen Teil gleich wieder weiterziehen. Ein Kern an Ustermer Eigengewächsen mit Interregio-Potenzial konnte seither aber nicht nachhaltig nachgezogen werden. Kurzfristig sieht es so für den FCU eher nach Mittelmass in der 2. Liga aus.
Ganz viel Mittelmass
Und höchstens Mittelmass ist es auch was die anderen Teams aus der Region darstellen. Während bei Neuling Brüttisellen-Dietlikon der Ligaerhalt ein Erfolg ist, gehören Greifensee und Gossau zu den Enttäuschungen in der Gruppe 2.
Im Falle von Cupsieger Greifensee kam es zwar in der Winterpause sogar zu einem Trainerwechsel – von Aufbruchstimmung war aber auch hernach wenig zu spüren. Im Gegenteil: Das Team geriet sogar zwischenzeitlich in Abstiegsgefahr.
Ähnliches gilt für den zweiten FCG, der zwar im letzten Sommer mehrere arrivierte Zweitliga-Spieler verpflichten konnte, trotzdem aber weit davon entfernt war, die gute letzte Saison zumindest zu bestätigen.
Starke regionale Zweitliga-Fraktion
Für die raren Lichtblicke waren somit Wetzikon und Effretikon besorgt, die mit ihren Aufstiegen die regionale Fraktion in der 2. Liga weiter stärken.
Dem FCW gelang in der Gruppe 6 ein souveräner Start-Ziel-Sieg und könnte in einer Woche mit dem Erfolg im FVRZ-Cupfinal sogar das «Double» feiern. Für die zuletzt zum Liftklub mutierten Oberländer wird die kommende Saison aber unabhängig davon zur Reifeprüfung.
Die erste Adresse
Als einziger Hoffnungsträger auf Interregio-Stufe bleibt aber sowieso der FC Rüti. Die Oberländer könnten mit einem Sieg die Meisterschaft auf dem guten dritten Rang beenden. Für eine noch bessere Platzierung war aber insbesondere die Rückrunde schlicht zu durchschnittlich.
Überhaupt hat der FCR den Nimbus einer Spektakel-Mannschaft zuletzt etwas verloren. Die 52 erzielten Tore sind der schwächste Wert seit Jahren. Sinnbildlich dafür stehen die Gebrüder Taulant und Edison Syla, die im Vergleich zu früheren Saisons weniger treffsicher waren.
Es ist allerdings Kritik auf hohem Niveau an ein Team, das sich seit dem Aufstieg im 2015 stets in den Top 6 klassierte. Denn die Rütner dürften auch nach den Abgängen einiger Leistungsträger (Grimm, Delli Compagni, Osmani) weiterhin die erste Adresse im Oberländer Regionalfussball bleiben.
