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Der Fluch der Kontinuität

Bei Drittligist Weisslingen bleibt die Personaldecke dünn.

Der FC Weisslingen, Ausgabe 2018/2019.

PD

Der Fluch der Kontinuität

Ein Zuzug, ein Abgang – um die Mannschaftsliste des FC Weisslingen auf den neusten Stand zu bringen, brauchte es nur einen Minimalaufwand. Ist diese magere Transferbilanz Fluch oder Segen? Trainer Marcel Scherrer, der vor der Rückrunde vom zurückgetretenen Christian Nüssli übernahm, ist ehrlich. «In unserer Situation eher Fluch», sagt er und hält gleich auch die Begründung dafür bereit. Die Weisslinger Personaldecke ist dünn. Nicht nur mangelt es generell an Breite, hinter den ersten elf Spielern fehlt auch die Qualität, um Absenzen von Stammkräften aufzufangen oder in Spielen mit einigen Wechseln für Impulse sorgen zu können. «Zumindest je ein Spieler für jede Reihe täte uns gut», sagt der 51-jährige Trainer.

Nur: Beim FC Weisslingen ist man sich bewusst, dass man als Dorfverein kaum Argumente hat, um externe Spieler anzulocken. Scherrers Wunsch nach Verstärkung dürfte weiterhin also kaum zu erfüllen sein. Erschwerend kommt hinzu, dass man in Weisslingen keine A-Junioren-Mannschaft hat. Scherrers Plan sieht nun vor, dass einige B-Junioren die Vorrunde mit den Weisslinger Reserven in der 4. Liga bestreiten, um danach im Frühling ins Fanionteam integriert zu werden. «Doch der Sprung ist gross», weiss Scherrer.

Der Aufwand ist gross

Der Einbau von jungen Spielern ist sowieso Zukunftsmusik. Vorerst werden die Weisslinger mit einem Kader in die Saison steigen, das aus 20 Spielern besteht. Ein routiniertes Kader notabene, in dem ein Dutzend Akteure über 26 Jahre alt ist. Eine der grossen Stärken ist dabei fraglos der Teamgeist. «Dieser hilft uns», sagt Scherrer. Der Trainer kann sich darauf verlassen: «Auch wenn es schwierig wird, läuft niemand einfach so davon.» Die Identifikation mit dem Verein ist gross.

«Auch wenn es schwierig wird, läuft niemand einfach so davon.»
Trainer Marcel Scherrer

Und die Weisslinger haben durchaus Gründe, zuversichtlich zu sein. Nachdem sie letzte Saison eine schwache Hinrunde abgeliefert hatten, steigerten sie sich im Frühling unter Scherrer deutlich. Sie holten beinahe doppelt so viele Punkte (16 statt 9) und ­erzielten doppelt so viele Tore. Weisslingen hielt auch gegen Spitzenteams gut mit, knüpfte beispielsweise dem souveränen Aufsteiger Brüttisellen-Dietlikon einen Punkt ab. «Damit das gelingt, müssen wir aber jeweils einen hohen Aufwand betreiben.» Solche Leistungen über einen längeren Zeitraum abrufen zu können, ist also auch eine Frage der Kraft. Und bedingt, dass man von Verletzungen möglichst verschont bleibt.

Das offensichtliche System

Die Mannschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Saison in den Top 6 zu be­enden. Die Weisslinger spielen neu ­allerdings in der Gruppe 6. Und diese hat es in sich. «Hammergruppe» nennt sie Scherrer wegen der zahlreichen ambitionierten Teams. «Es dürfte also schwierig werden», sagt Scherrer.

An der taktischen Ausrichtung hat er nichts verändert. Die Weisslinger spannen ein engmaschiges Netz, agieren in einem 4-1-4-1-System. Aus offensichtlichem Grund, sagt Scherrer. «Wir ­haben nur einen Topstürmer.» Livio ­Girola heisst er – und hat letzte Saison immerhin siebenmal getroffen.

Tor: Andreas Bosshard (28), Yanic Traber (18).
Verteidigung: Cédric Astl (27), Aaron Büchler (17), Fabio Girola (27), Patrick Irminger (26), Joschua Krebs (26), Tobias Keller (36), Marco Schnider (26), Andres Zulliger (20).
Mittelfeld: Dylan ­Albero (20), Marcel Blöchlinger (27), Gianluca Brunetti (26), Fabian Bünter (33), Cyril Doghmani (18), Patrick Ernst (26), Silvio Girola (23), Andri Kienast (20).
Sturm: Livio Girola (25), Jeremy Rosen (20), Lukas Wirth (29).

Trainer: Marcel Scherrer (51), seit Februar 2018

Wir sagen: Rang 9
Der FC Weisslingen steht für solide Arbeit, für solidarisches Auftreten der Mannschaft. Doch weder die Qualität noch die Breite im Team erlauben grosse Sprünge. Zum Ligaerhalt reicht es trotzdem.

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