Das Schild ist nicht zu übersehen, knallrot wie es ist. «Platz gesperrt», steht auf der Tafel. Na und? Das Verbot hindert eine Handvoll Kinder nicht daran, auf der Rütner Schützenwiese dem Ball nachzujagen. Für manche dürften diese Minuten zu den glücklichsten des Tages gehören. Die Hausaufgaben? Die ungeliebte Musikstunde? Alles weit weg, verdrängt vom Fussball, von Freudensprüngen beim Torerfolg oder dem Hochgefühl nach erfolgreichen Dribblings.
Man kann sich lebhaft vorstellen, wie gerne Shaip Krasniqi jetzt auch gerne auf dem Rasen herumtoben würde. Stattdessen sitzt er auf der kleinen Holztribüne. Weisses Poloshirt, schicke Jeans, weisse Turnschuhe. Ein Bein hat er über das andere geschlagen, immer wieder lächelt er spitzbübisch. Mittlerweile 37 Jahre alt ist Krasniqi und damit den Kinderschuhen längst entwachsen. Die Fähigkeit, in eine Parallelwelt abtauchen zu können, hat er sich dennoch erhalten. «Auf dem Platz kann ich alles ausblenden», sagt der Trainer des FC Rüti und blickt auf das satte Grün, das im starken Kontrast steht zum grauen, wolkenverhangenen Himmel.
Über Krasniqi prangt an der Tribünenwand das Logo seines Stammklubs, auf dessen Platz er viel Zeit verbringt. «Jede Woche bis zu 15 Stunden», schätzt er. Rechnet er nach, wie häufig er sich zusätzlich noch gedanklich mit Fussball beschäftigt, ist das so viel, «dass es mein Chef lieber nicht wissen sollte».
«Nur mit Streicheln geht es nicht»
Auch seine Frau muss ihn ab und zu in die Wirklichkeit zurückholen. Krasniqi lacht darüber. Auf dem Rasen speit die Sprinkleranlage unaufhörlich Wasser, auf der Tribüne sprudelt es aus ihm heraus. Beim Sprechen blickt der Rütner Trainer sein Gegenüber direkt an, stellt ebenfalls Fragen. Offen, neugierig und nahbar ist Krasniqi. Und man merkt sofort: Kommunizieren liegt ihm. «Er kann es mit allen sehr gut, ob Betreuern, Funktionären oder Zuschauern», sagt Christoph Huber.

