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Das Mentalitätsmonster mit Herz

Die Einsätze von Christian Kluser als spielender Assistenztrainer sind seltener geworden. An Wichtigkeit hat er deshalb beim FC Uster aber nicht ver­loren. Sein Feuer ist in jedem Training zu spüren.

Auch im unbedeutenden Trainingsmatch ein Antreiber: Usters Assistenztrainer Christian Kluser. , Beim FCU bringt Kluser die Emotionen rein.

David Kündig

Das Mentalitätsmonster mit Herz

«Niemals aufgeben. Immer weitermachen! Immer weiter. Immer weiter.» Es sind die Worte von Bayern Münchens früherem Torhüter Oliver Kahn nach dem Gewinn der Champions League. Sie könnten auch von Christian Kluser stammen. Wie der deutsche «Torwart-Titan» ist auch er ein eigentliches Mentalitätsmonster. Mancher Mitspieler bekam dies schon beim vermeintlich unbedeutenden Trainingsmatch deutlich und laut zu spüren, wenn er den nötigen Eifer vermissen liess – ob in Dübendorf, Bassersdorf, Rümlang oder jetzt in Uster. Kluser geht vorneweg – immer. Damit enden aber bereits die Parallelen zu Kahn. Denn während der Welttorhüter seine Bärbeissigkeit noch heute als TV-Experte bei Fussballspielen in die Welt herausträgt, schliesst man Kluser neben dem Platz mit seiner offenen Art sofort ins Herz.

Vor einem Jahr ist der gebürtige Bas­sersdorfer mit seinem langjährigen Freund Fabio Digenti als spielender Assistenztrainer zum FC Uster gezogen. Klusers Einsätze wurden allerdings schon im Verlauf der Saison zunehmend seltener. Und daran dürfte sich auch nach dem sofortigen Wiederaufstieg in die 2. Liga interregional nicht viel ändern. «Ich laufe nur noch auf, wenn es mich wirklich braucht», betont er. Mit 35 spürt Kluser zunehmend seinen Körper.

Verletzung mit Ansage

Wer seinen Aktionismus schon einmal gesehen hat, glaubt es ihm sofort. Im Stile des Duracell-Hasen lässt er den gegnerischen Abwehrspielern keine Ruhe. Seit je bewegt sich Kluser auf dem Rasen im Grenzbereich. Exem­plarisch dafür steht sein Einsatz im ­Final des Regionalcups mit Rümlang im Juni 2016, als er trotz einer Bauchmuskelverletzung mit Schmerzmitteln auflief und prompt das wegweisende 1:0 erzielte – notabene ausgerechnet gegen seinen Stammklub Bassersdorf. «Da habe ich mir alles kaputtgemacht und fiel gleich für eine halbe Saison aus. Doch das nahm ich für das Erlebnis und den Sieg in Kauf», sagt Kluser ohne jede Reue.

Im Stile des Duracell-Hasen lässt er den gegnerischen Abwehrspielern keine Ruhe. Seit je bewegt sich Kluser auf dem Rasen im Grenzbereich.

Wenn er sich dann an die schönsten Momente in seiner Karriere zurückerinnert, streicht der frühere Challenge-League-Fussballer sogleich auch die eineinhalb Jahre mit Digenti bei Rümlang besonders heraus. «Es war eine emotionale und lässige Zeit mit coolen Typen.» Gekrönt wurde sie mit dem erwähnten Triumph im Cup und einem Aufstieg in die 2. Liga.

Dabei hatte sich Christian Kluser mit dem Entscheid, zu Digenti nach Rümlang zu wechseln, zunächst äusserst schwergetan. Der damals noch beim FC Unterstrass als Trainer tätige Luigi De Donno buhlte ebenso heftig um ihn. Kluser, Digenti und De Donno sind eng befreundet. «Am Ende entschieden kleine Dinge für Rümlang», sagt Kluser.

Die bisherige Bilanz des Gespanns Digenti/Kluser, die sich seit ihren gemeinsamen Jugendjahren beim FC Winterthur kennen, lässt sich also sehen. Doch was ist eigentlich das Erfolgsrezept von Digenti und Kluser? «Die beiden ergänzen sich perfekt. Fabio ist der Überlegte, der gut mit Nähe und Distanz zum Team spielen kann. Kluser bringt die Emotionen rein – und nimmt sich doch nicht zu wichtig», sagt Marco Tanner, der ihn bereits seit Kindsbeinen kennt. «Er geht nie unter, wenn es auf dem Platz nicht läuft, sondern stemmt sich mit aller Macht gegen die Niederlage. Das macht ihn im Training und im Spiel so wichtig.»

Flucht aus dem Spitzenfussball

Der Ex-Trainer des FC Bassersdorf streicht nicht nur den unbändigen Siegeswillen, sondern auch die Cleverness und das Gespür von Kluser im Sport und Beruf heraus. Bereits mit 22 beendete er nach einer turbulenten Zeit mit Verletzungen und mehreren Trainerwechseln seine Laufbahn im Spitzenfussball beim Challenge-League-Verein YF Juventus – trotz laufenden Vertrags. «Ich hatte einfach keine Freude mehr», sagt Kluser. Bereut hat er diesen Schritt später nie. Denn ganz nach oben hätte es ohnehin nicht gereicht, ist er sich sicher.

Trotz lukrativen Angeboten aus der 1. Liga wechselte Kluser sogleich zum damaligen Drittligsten Bassersdorf zurück. «Das hat mir gut getan», sagt er. Kluser ging auch auf längere Reisen, machte einen Sprachaufenthalt und legte fortan seinen Fokus auf den Beruf. Das Ergebnis davon: Heute leitet er ein Kreisbüro in der Stadt Zürich.

«Ich verbringe Zeit mit meinem besten Kollegen und kann Verantwortung übernehmen. Und ich mache auch noch immer vieles mit – das ist viel besser, als ins Fitnesscenter zu gehen.»
Christian Kluser

Weniger klar ist für Kluser, der bald mit seiner Freundin nach Wettswil zieht, ob er überhaupt im Trainerbereich nachhaltig Fuss fassen will. «Vielleicht irgendwann, vielleicht aber auch gar nie», lässt er sich die sportliche Zukunft offen. Klar ist: Derzeit wäre ihm der Zeitaufwand als Verantwortlicher für ein Team auf dieser Stufe zu gross. «Es passt so, wie es ist. Ich verbringe Zeit mit meinem besten Kollegen und kann Verantwortung übernehmen. Und ich mache auch noch immer vieles mit – das ist viel besser, als ins Fitnesscenter zu gehen», sagt er und lacht.

Doch hat Kluser überhaupt das Zeug zum Cheftrainer? «Natürlich bringt er die Voraussetzungen dafür mit», ist Marco Tanner überzeugt. «Kluser müsste aber zumindest seinen emotionalen Stil etwas verändern.»

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