Wenn Stimmung eine zentrale Rolle spielt
Geht es nach ihm, befindet er sich ab Samstag auf der Abschiedstournee. Denn der EHC Wetzikon strebt nach oben, will die 1. Liga unbedingt in Richtung MSL verlassen.
Die Oberländer packen ihr ambitioniertes Vorhaben unter einer neuen sportlichen Führung an. Christian Modes hat den im Februar entlassenen Thomas Nüssli beerbt. Zwei Jahre war der Winterthurer Assistenzcoach im EHCW gewesen, ehe man ihm Mitte April die Verantwortung übertrug.
Der 48-Jährige hat aus seiner Sicht eine reizvolle Aufgabe übernommen. Die Ansprüche in Wetzikon sind nach vielen Jahren an der Spitze weiterhin gross. Und Modes weiss: Wenn es zählt, also in den Playoffs, «wird der Druck kommen. Ich finde es aber gut, hat man den Aufstieg zum Ziel.»
Das Gesicht der Mannschaft hat sich markant geändert, das Kader ist kleiner geworden. Zehn Abgänge, sieben Zuzüge, so lautet die Bilanz des Sommers. Einige junge Spieler hat der EHCW aus der höchsten Amateurliga MSL verpflichtet. Ob er aber nach den Abgängen von langjährigen Leistungsträgern tatsächlich keinen Substanzverlust erlitten hat, wird sich erst zeigen müssen.
Knapp besetzte Abwehr
Modes zuckt mit den Schultern. Das sei schwierig zu beurteilen. Die Frage beschäftigt ihn allerdings auch nicht weiter. Er ist überzeugt: «Wir haben eine schlagfertige Mannschaft.»
Wobei der Trainer keinen Zweifel daran lässt, wie wichtig es war, dass die beiden dominierenden Center Manuel Laimbacher und Brent Buchmüller auf ihre Rücktrittsentscheide zurückkamen und weiterhin an Bord sind.
15 Stürmer umfasst das Kader, die Verteidigung mit sieben Spielern ist jedoch eher dünn besetzt. Modes hat darum in der Vorbereitung bereits ausprobiert, welche Angreifer er bei Engpässen in der Defensive laufen lassen könnte.
Er ist zudem der Meinung: «Wir können auch einmal ein Spiel mit nur fünf Verteidigern bestreiten.» Modes riskiert dabei kaum, jemanden zu stark zu forcieren.
Zupass kommt dem EHCW der geänderte Modus. Die Zwischenrunde wurde abgeschafft, die Regular Season umfasst fünf Spiele weniger, also 22. Es stehen nicht mehr alle drei oder vier Tage Matches auf dem Programm. Nur dreimal spielt Wetzikon etwa bis zur Weihnachtspause unter der Woche.
Der Tritt aufs Gaspedal
Modes steigt zuversichtlich in die Saison. Der EHCW dürfte auch nach dem Umbau zu den Spitzenteams der Gruppe 1 zählen. Aufstiegsfavorit ist allerdings der EHC Frauenfeld, der über die grösste Kadertiefe aller Ostschweizer Teams verfügt.
Mit der Konkurrenz hat sich Modes nicht im Detail beschäftigt. Sein Fokus gilt logischerweise der eigenen Mannschaft. An ihm liegt es, das Potenzial aus dieser herauszukitzeln.
Der Trainer setzt auf die Tempofestigkeit der Spieler, sagt zur grundsätzlichen Ausrichtung: «Wir wollen das Spiel schnell machen.» Dabei gelte es in schwächeren Phasen auch, Geduld zu wahren und cool zu bleiben. Und Führungen diszipliniert zu verteidigen. Wie beim abschliessenden Vorbereitungsspiel gegen Herisau (4:1-Sieg).
Die Resultate und Leistungen in den sieben Testspielen will er derweil nicht überbewerten. «Mal ging die Kurve aufwärts, mal ging sie abwärts.»
Zentral für den Coach ist vor dem Saisonauftakt gegen Reinach: «In der Mannschaft herrscht eine sehr gute Atmosphäre. Es ist ein Miteinander.»
Und so simpel es tönt, Modes sieht genau dies als entscheidenden Erfolgsfaktor. «Ich habe gute Hockeyspieler. Ist die Stimmung bei uns gut, wird es auch laufen.»
Die Füsse sollen am Boden bleiben
Einen Fehlstart wie in der vergangenen Saison will er unbedingt vermeiden. Die Wetziker verspielten im ersten Spiel gegen Reinach eine 4:0-Führung, indem sie im zweiten Abschnitt sieben Gegentreffer (!) kassierten.
Bei Meisterschaftsabbruch lagen sie nach vier Niederlagen in sechs Partien sogar ausserhalb der Playoff-Plätze. Modes hat das nicht vergessen. Er fordert auch darum, demütig aufzutreten, «die Füsse am Boden zu halten».
Und wie lautet das erste Etappenziel? Die Qualifikation in den Top 4 zu beenden, sagt Modes. «Um mit Heimrecht in die Playoffs zu starten.»
Klar ist auch, wie die Meisterschaft für die Wetziker enden muss, um sie als Erfolg zu werten. Und wirklich zur Abschiedstournee zu werden: Der EHCW muss das letzte Spiel der Saison gewinnen.
