Statt Tore sind jetzt Checks gefordert
An sein neues Aufgabenfeld hat er sich mittlerweile gewöhnt. Von Sandro Zangger werden nicht mehr Tore und Assists erwartet wie in seiner ersten Saison beim HC Lugano. Oder bei den früheren Stationen in Lausanne und Zug.
Stattdessen muss der Bubiker mit den Linienkollegen der vierten Tessiner Sturmformation defensiv saubere Arbeit abliefern. Und man wünscht sich von ihm, dass er mit einem Check im richtigen Moment Energie ins Spiel bringt.
Keine einfache Aufgaben, wenn man nicht viel spiele, findet Zangger. «Aber ich versuche, das Bestmögliche daraus zu machen.»
«Es kratzte am Ego.»
Sandro Zangger
Lediglich knapp siebeneinhalb Minuten steht er pro Partie auf dem Eis. Letzte Saison waren es im Schnitt noch fünf Minuten mehr.
Doch wie letzte Saison ist für den Oberländer, der in der National League schon über 350 Partien absolvierte, nichts mehr. Er ist beim HC Lugano ein paar Hierarchiestufen heruntergepurzelt.
Die mageren Einsatzzeiten sowie die komplett andere Rolle schlagen sich auch in seiner Bilanz nieder. Sie ist mit einem Tor und einem Assist in 17 Spielen mager.
Zum Vergleich: In seiner besten Nationalliga-Saison sammelte der technisch versierte und über einen guten Schuss verfügende Angreifer über 30 Skorerpunkte.
Die Berg-und-Tal-Fahrt führt nach Biasca
Seit Januar ist er immerhin zurück beim HC Lugano und damit wieder da, wo er von seinem Selbstverständnis her auch hingehört. Zangger hat nicht mehr damit gerechnet, «noch einmal hochgenommen zu werden».
Rund drei Monate lang war sein Arbeitsplatz rund 50 Kilometer von Lugano entfernt in Biasca gewesen – bei den Ticino Rockets in der Swiss League. «Das war mental schwierig», ist er ehrlich. «Es kratzte am Ego.»
Der 26-Jährige spricht von einer Berg-und-Tal-Fahrt. Er wählt klare Worte: «Die Versetzung ins Farmteam war ein Schock.»
Ganz unvorbereitet traf sie den gestandenen Nationalliga-Profi allerdings nicht. Bereits Ende letzter Saison war er nach dem Trainerwechsel von Sami Kapanen zu Serge Pelletier in den Linien nach hinten gerutscht.
Das ärgerte und motivierte ihn zugleich. «Neue Saison, neues Glück», dachte sich Zangger danach. Er wollte sich in den Vordergrund zurückkämpfen.
Doch er gehörte im Herbst in der Vorbereitung von Anfang an nur der fünften Sturmlinie an – also jener der überzähligen Angreifer. Im September teilte ihm Trainer Pelletier dann mit: «Für dich hat es keinen Platz mehr.»
Wie im Taubenschlag
Zangger tut sich mit dieser Entscheidung schwer. Er hadert und fragt sich nach der Versetzung ins Farmteam: «Was soll ich überhaupt da?»
Die Rockets gehören zu den schwächsten Teams der zweithöchsten Spielklasse, in der das Gefälle gross ist. Die Tessiner gewinnen nur einen Drittel ihrer Partien.
Aus Spielern von Lugano, Ambri-Piotta und Davos besteht das Farmteam. Es geht zu und her wie in einem Taubenschlag. In jeder Partie ändert sich die Aufstellung, 44 verschiedene Spieler kommen zum Einsatz.
Es sind alles andere als ideale Voraussetzungen für jemanden wie Zangger. Er ist keiner der Jungen, für die die Rockets ein Sprungbrett sein sollen. Für ihn ist das Team das Abstellgleis.
Mit der Zeit wächst beim Bubiker die Erkenntnis, dass er seine Einstellung ändern muss. Zangger realisiert: Er ist an einem wegweisenden Punkt seiner Karriere.
Der Vertrag mit Lugano läuft aus. Seine Zukunft in der höchsten Liga steht auf dem Spiel. «Ich sagte mir: Jetzt muss ich Vollgas geben.»
Zangger erhält viel Eiszeit. Die Ausbeute bleibt mit 4 Toren und 4 Assists in 28 Spielen aber enttäuschend für einen Stürmer seines Kalibers. Der Oberländer weiss das und sagt: «Der Wurm war drin.»
Abschied aus Lugano naht
Lugano holt ihn dennoch zurück. «Wie aus dem Nichts», erinnert sich Zangger. Er ist glücklich darüber, dass man ihn danach nicht mehr zurückschickt. «Ich habe meine Sache wohl gut gemacht.»
Einen neuen Vertrag dürfte er in Lugano trotzdem keinen mehr erhalten. «Das ist wohl gegessen.»
Angst um seine Nationalliga-Zukunft hat er aber keine mehr. Zangger sagt, er sei nach vielen guten Gesprächen zuversichtlich, einen Klub zu finden.
Sein Hauptkriterium bei der Wahl: «Nach einer solchen Saison will ich viel spielen. Und zeigen, dass ich viel zu bieten habe und Einfluss nehmen kann.»
Er denkt dabei nicht etwa an Checks und saubere Defensivarbeit. Viel eher an Tore und Assists.
