Frühe Planspiele nach dem Lichterlöschen
Was ihm fehlt? Die Antwort kommt ohne Verzögerung. «Das Training, die Garderobe, die Zuschauer, die Spiele. Einfach alles!»
Gunnar Hosner ist seit sieben Jahren Trainer. Erst im Nachwuchs des EHC Wetzikon, dann von der zweiten Mannschaft des EV Zug und seit drei Saisons nun gemeinsam mit Christian Thiemeyer bei den Dürnten Vikings.
«So viel Freizeit in einem Winter aber hatte ich noch nie.»
«Sich die Spiele der höchsten Liga im Fernsehen anzusehen, ist einfach nicht dasselbe.»
Mike Häbig, Sportchef EIE
Auch Mike Häbig, Sportchef bei Lokalrivale EHC Illnau-Effretikon, vermisst das Zweitliga-Eishockey. Die Atmosphäre in den Eishallen, die Begegnungen mit Klubmitgliedern und der Austausch mit Vertretern von anderen Vereinen.
Vor allem aber auch die Spiele des EIE. Er sagt: «Sich die Spiele der höchsten Liga im Fernsehen anzusehen, ist einfach nicht dasselbe.»
Hosner und Häbig bleibt allerdings nichts anderes übrig. Bereits nach wenigen Runden unterbrach der Verband im Oktober wegen der Pandemie die Zweitliga-Meisterschaft.
Nur sechs Partien hatten die Vikings zu diesem Zeitpunkt absolviert, der EIE noch eine weniger. Unmittelbar vor Weihnachten löschte die Regio League dann das Licht endgültig – sie brach die Saison ab. Für das Oberländer Duo endete damit die zweite Meisterschaft hintereinander vorzeitig.
Es drohte ein Flickenteppich
Das erneute Aus kam nicht überraschend. Hosner sagt, seine Rechnung sei einfach gewesen. Er habe sich gedacht: «Können wir im Dezember nicht wieder trainieren, ist es vorbei.»
Zwei bis drei Wochen Vorbereitungszeit wären für die Zweitligisten nötig gewesen, um wieder spielbereit zu sein. Der ursprüngliche Terminkalender sah aber vor, dass Ende Januar die Playoffs beginnen würden.
Nach dem nationalen Zweitliga-Final wäre sie spätestens am 27. März auch für die zwei besten Schweizer Zweitligisten zu Ende gewesen.
Ein Blick zurück: Szenen aus den Playoffs der Saison 209/20. (Quelle: youtube)
Die Meisterschaft in den Frühling hinein zu verlängern, war keine Option. Aus organisatorischen Gründen.
Vielen Teams hätte im Frühjahr das eigene Eis gefehlt. Und Trainings und Spiele an andere Orte zu verschieben, zieht immer Kosten nach sich. Sportchef Häbig teilte dem Verband deshalb früh mit, dazu sei man beim EIE nicht bereit.
Hosner spricht von einem Flickenteppich, der entstanden wäre, hätte man versucht, die Meisterschaft durchzupeitschen. Zu unterschiedlich wären die Voraussetzungen der Teams gewesen. «Lieber absagen und sich auf die nächste Saison konzentrieren.»
Neuer Trainer hier, dasselbe Duo da
Das machen die Verantwortlichen der Oberländer Zweitligisten seit einigen Wochen. Beim EIE ist die Mannschaftsbildung weit fortgeschritten, nachdem die Verantwortlichen mit allen Spielern Gespräche geführt haben.
Sportchef Häbig ist zufrieden. Das Gerüst des Kaders bleibt grösstenteils bestehen. Fünf (der acht) Verteidiger haben fix für ein weiteres Jahr zugesagt, bei den Stürmern ist nur die Zukunft eines Trios offen.
Giorgio Giacomelli hängt aus familiären Gründen allerdings keine dritte Saison als EIE-Headcoach mehr an. Häbig bedauert den Entscheid. Es zeichnet sich eine interne Lösung ab. So dürfte der bisherige Assistent Roman Diethelm Cheftrainer werden.
Bei den Vikings bleibt auf der «Kommandobrücke» alles beim Alten. Christian Thiemeyer und Gunnar Hosner verlängerten ihre Verträge schon Mitte November.
«Wir sind an einem Scheidepunkt angekommen. Es ist schwierig, gute Spieler zu verpflichten.»
Gunnar Hosner, Trainer Dürnten Vikings
Das Duo arbeitet mit Hochdruck an der Kaderzusammenstellung. In den letzten sechs Jahren gewannen die Vikings einmal den nationalen Zweitliga-Titel (2019) sowie drei Ostschweizer-Meister-Titel.
Dieselben Spieler bilden seit Langem den Kern. Elf davon sind mittlerweile aber 30 oder älter, die mittlerweile eingeleitete Erneuerung wird darum weitergehen.
Die Dürnten Vikings wollen doch nur eines: spielen. (Quelle: youtube)
Rund ein halbes Dutzend Spieler haben den Rücktritt angekündigt. Die Dürntner planen zwar mit kleinerem Kader.
Sie müssen trotzdem Zuzüge tätigen, um die Abgänge auffangen zu können. «Wir sind an einem Scheidepunkt angekommen», sagt Hosner. «Es ist schwierig, gute Spieler zu verpflichten.»
Der Trainer rechnet vor: Um einen einzigen Transfer realisieren zu können, müsse er bis zu 15 Spieler kontaktieren. Bei einer solchen Quote ist auch klar: In nächster Zeit geht ihm die Arbeit nicht aus – trotz abgebrochener Meisterschaft.
