Bald gibt es kein Geschenk mehr
Für die Kleinen ist er der Höhepunkt der Saison. Für die Grossen eine Pflichtaufgabe. David gegen Goliath, Amateure gegen Profis: Diese Duelle gehören bald der Vergangenheit an.
Der Verband hat unlängst zusammen mit den 24 Klubs der zwei Profiligen entschieden, den 2014 nach einer langen Pause neu belebten Schweizer Cup wieder abzuschaffen. Die Ausgabe 2020/21 wird die letzte des Wettbewerbs sein.
«Extrem bedauerlich» findet man das beim EHC Dübendorf, wie Vize-Präsident Beat Gmünder sagt. Der MSL-Klub und der Cup – das war von Anfang an eine Liebesbeziehung.
«Was da gegen Davos passierte, war enorm.»
Beat Gmünder, Vize-Präsident EHC Dübendorf
Während Erstligist EHC Wetzikon nur einmal in die Hauptrunde (2016) vorstossen konnte, brachten die Glattaler das Kunststück fertig, sich jedes Mal durch die Qualifikation zu kämpfen.
2015 sorgten sie auch für die bislang grösste Sensation im Wettbewerb. An jenen Abend im September erinnert man sich in Dübendorf lebhaft. Vor über 2500 Zuschauern kippte der EHCD im Chreis den Favoriten HC Davos mit dem 5:4-Sieg nach Verlängerung aus dem Cup.
Damit hatte niemand gerechnet: Dübendorf schlug Davos im Cup. (Quelle: youtube)
«Was da gegen Davos passierte, war enorm», sagt Gmünder noch heute. Im Bewusstsein, dass man sich im Eishockey nicht im eigenen Drittel verbarrikadieren kann.
Und der Unterschied zwischen Amateur- und Profiteams im Prinzip sehr gross ist.
Ein Segen für die Kasse
Für die Dübendorfer Spieler ist das Cupspiel jeweils das Saisonhighlight. Es ist die einmalige Chance, sich in einem vollen Stadion mit Profis zu messen.
So etwas sei Motivation pur, sagt Gmünder. «Das kannst du nur durch einen Titelgewinn toppen.»
Für den Glattaler Ausbildungsverein ist der Wettbewerb die Möglichkeit, sich einem grossen Publikum präsentieren zu können. Es ist beste Werbung für die Sportart Eishockey.
«Das half uns bei der Finanzierung enorm.»
Beat Gmünder, Vize-Präsident EHC Dübendorf
Vor allem aber auch ein finanzieller Segen. 20 000 Franken beträgt jeweils allein das Startgeld für die 1. Runde. Je nach Zuschaueraufmarsch generierten die Dübendorfer in den letzten sechs Jahren mehrere Zehntausend Franken Gewinn.
Gmünder sagt: «Das half uns bei der Finanzierung enorm.»
1,6 Millionen Franken werden jährlich unter den 32 Teilnehmern verteilt. Der HC Ajoie, Cupsieger 2019, strich nach seinem Triumph über 300 000 Franken an Prämien ein.
Ein beträchtlicher Betrag. Er zeigt, dass der finanzielle Reiz für die Klubs der Profiligen vorhanden gewesen wäre, sich ins Zeug zu legen.
Dennoch ist das Format vor allem bei National-League-Klubs immer ein Anhängsel geblieben, «bestenfalls ein Stiefkind im Kalender», wie die NZZ einst treffend formulierte.
Ein letztes Hurra
Die fehlende Begeisterung der Topteams für den Cup ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Spezielle Affichen beschränken sich in der Regel auf die Startrunde, danach finden häufig dieselben Duelle wie in der Meisterschaft statt – in halb leeren Stadien.
Nun hat man dem Wettbewerb den Stecker gezogen. Im Bewusstsein, dass er kleinen Klubs half. Das hat dem Verband und den Profiligen den Vorwurf von fehlender Solidarität eingebracht.
«Vielmehr ist es ein Entscheid im Sinne des Schweizer Eishockeys als Gesamtpaket.»
Patrick Bloch, CEO Schweizer Verband
Die Begründung für das Ende tönt allerdings fadenscheinig. Ins Feld geführt wird die hohe Belastung von Klubs und Spielern und der reich befrachtete Kalender.
Es sei kein Entscheid gegen den Cup, sagt Patrick Bloch, CEO des Schweizer Verbands. «Vielmehr ist es ein Entscheid im Sinne des Schweizer Eishockeys als Gesamtpaket.»
«Das wird kein Cupfest mehr sein.»
Beat Gmünder, Vize-Präsident EHC Dübendorf
Immerhin ein letztes Hurra bleibt den zehn qualifizierten Amateurteams. Anfang Oktober findet die 1. Runde statt. Der EHC Dübendorf empfängt die ZSC Lions. Unter strengen Auflagen. Es sind etwa deutlich weniger Zuschauer zugelassen.
«Das wird kein Cupfest mehr sein», ist Gmünder darum überzeugt. Und sagt: «Es passt irgendwie zur Auflösung des Wettbewerbs.»
