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Eishockey

Wenn das verpasste Happy End keine Rolle spielt

Der EIE hat die erfolgreichste Saison seit langem hinter sich – auch die Aussichten scheinen günstig.

Routiniert im Jubeln: Der EIE reihte zwischenzeitlich 19 Siege aneinander.

Archivfoto: David Kündig

Wenn das verpasste Happy End keine Rolle spielt

Ein direkter Vergleich ist schwierig, da der Modus nicht mehr derselbe ist. Dennoch kann man sagen: Der EHC Illnau-Effretikon hat die erfolgreichste Saison seit 17 Jahren hinter sich. Im Frühjahr 2003 feierte der EIE den Ostschweizer Meistertitel – und verzichtete danach auf den Aufstieg.

Das hätte er auch heuer getan, hätte er die sportlichen Kriterien erfüllt. Die Saison aber wurde vorher abgebrochen. Im Ostschweizer Zweitliga-Final lag der EIE zu diesem Zeitpunkt gegen die Dürnten Vikings 1:2 im Hintertreffen. 

«Klar wurmte es uns, wenn wir hinter den Vikings lagen. Aber was nützt es, vor ihnen zu sein, wenn man in den Playoffs keinen Erfolg hat?»

Mike Häbig, Sportchef EHC Illnau-Effretikon

Die Zahlen des EHC Illnau-Effretikon sind auch ohne sportliches Happy End eindrücklich. In der Meisterschaft blieb er dreieinhalb Monate lang unbezwungen. 19 Siege reihte er aneinander, gewann 15 von 16 Heimspielen. Und erstmals blieb der EIE in der Qualifikation als Zweiter vor Rivale Dürnten (3.). 

Ein Abo auf Enttäuschungen

Sportchef Mike Häbig schenkt diesem Fakt wenig Bedeutung. «Klar wurmte es uns, wenn wir hinter den Vikings lagen. Aber was nützt es, vor ihnen zu sein, wenn man in den Playoffs keinen Erfolg hat?»

Häbigs Einwurf ist berechtigt. In den vergangenen sechs Jahren war der EIE immer an der Spitze vertreten. Er beendete die Qualifikation fünfmal als Zweiter, einmal als Dritter – nur um dann in der entscheidenden Meisterschaftsphase mit Enttäuschungen umgehen zu müssen.

Kein einziges Mal gelang dem Team der Vorstoss in die Halbfinals, zweimal musste man sogar bereits in den Achtelfinals die Segel streichen. 

Jetzt gelang die ersehnte Änderung. Warum? Häbig sagt: «Viele Faktoren sind zusammengekommen.» Dass der EIE dank seiner Siegesserie mit «unheimlichem Selbstvertrauen» (Häbig) in die entscheide Meisterschaftsphase steigen konnte beispielsweise.

Ebenfalls wichtig war die ausgeglichen besetzte Mannschaft. Sie war in der Offensive nicht auf die Tagesform einzelner herausragender Akteure angewiesen. Und ganz zentral war die Haltung von Giorgio Giacomelli.

«Er führte anders, kommunizierte anders.»

Mike Häbig, Sportchef EHC Illnau-Effretikon

Der neue Trainer vermittelte seiner Mannschaft von Anfang an: Die Qualifikation ist ein Prozess. Sie dient einzig dazu, sich für die Playoffs in Form zu bringen. Konsequenterweise schenkte der 59-Jährige der Tabelle keine grosse Bedeutung.  

Die durchgezogene Linie

Der Kick-off im Mai bedeutete für den EIE den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Sechs Saisons lang hatte Dieter Wieser zuvor die Mannschaft geführt. Mit dem Aufstieg des letztjährigen Assistenten Giacomelli zum Cheftrainer kam es zahlreichen Änderungen.

Häbig geht es nicht um eine Wertung, wenn er die zwei Trainer vergleicht. Er sagt, bezogen auf Giacomelli: «Er führte anders, kommunizierte anders. Und zog seine Linie von A bis Z voll durch.»

Letzteres zeigte sich auch in der Aufstellung. Wer im Training fehlte, musste in den Spielen hinten anstehen – auch Leistungsträger. «Die Spieler haben dies verstanden und akzeptiert», sagt Häbig.

Der Neubeginn verlief für den EIE allerdings nicht störungsfrei. Der Meisterschaftsstart war wenig überzeugend. Das führte zu Zweifeln, erinnert sich der Sportchef.

Er ist überzeugt: In dieser Phase war es wichtig, am eingeschlagenen Weg festzuhalten. «Wir haben uns gesagt: Da müssen wir jetzt durch.»  

Die Sache mit dem Aufstieg

Letztlich hat sich dies ausbezahlt, wie der weitere Verlauf der Saison zeigte. An der grundsätzlichen Haltung des EIE haben die Erfolge allerdings nichts geändert. Der Sportchef glaubt, der finanzielle Mehraufwand würde eine Liga höher zwischen 60000 und 80000 Franken betragen. Das ist viel Geld.

Der Aufstieg in die 1. Liga will man darum erst mittelfristig ins Auge fassen. «Ideal wäre in zwei bis drei Jahren, aber planbar ist das natürlich nicht», sagt Häbig. Der nächste sportliche Schritt muss seiner Ansicht nach nun sein, die Leistungen zu bestätigten. Die Voraussetzungen dafür scheinen günstig.

Mit Trainer Giacomelli und dessen Assistent Roman Diethelm verlängerte man den Vertrag bereits in der Weihnachtszeit. Und das Team bleibt zu grossen Teilen zusammen. 

Auf ein Quartett – Dennis Volkart, Tizian Müller, Florian Schwarz und Justin Wieser – muss der EIE künftig verzichten. Am einschneidendsten ist der Rücktritt von Goalie Volkart, über den Häbig sagt: «Er ist ein Riesenverlust. Auf dem Eis und in der Garderobe.»

Mit Joel Stücheli und Dominic Werren duellieren sich zwei junge Torhüter um die Nummer 1, dahinter lauert Robin Heeb. Einen einzigen Stürmer (Yann Wunderli, 20) hat Häbig bisher verpflichtet.

Dazu hat er noch einen bis zwei Verteidiger auf der Wunschliste. Der Sportchef wird sich die nötige Zeit für die restlichen Transfer nehmen, wie er sagt. «Ich bin ja nicht unter Zugzwang.»

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