Weber bricht seine Zelte in Österreich ab
Vermeldet hat der EHC Lustenau den Abgang seines Cheftrainers erst am Donnerstagmittag. Dabei dürfte er ihm mindestens seit Mittwoch bekannt gewesen sein. Die verspätete Kommunikation mag damit zusammenhängen, dass die Vorarlberger den von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machenden Christian Weber nur ungern ziehen lassen.Vielleicht mischt sich in die Enttäuschung über den Abgang aber auch eine Prise Ärger hinein, die sie von einer schnellen Vollzugsmeldung abhielt.
Zum zweiten Mal innerhalb von rund zwei Jahren verliert der Klub aus der multinationalen Alps Hockey League einen Trainer aus einem laufenden Vertrag heraus an denselben Schweizer Verein – den EHC Basel. 2018 hatte sich Albert Malgin ans Rheinknie verabschiedet, von wo aus er längst weitergezogen ist. Jetzt also Weber.
«Ich wollte die Chance wahrnehmen, nochmals etwas in der Schweiz machen zu können.»
Christian Weber
Mit dem 56-jährigen Dübendorfer hat der in der höchsten Schweizer Amateurliga MSL spielende EHC Basel einen bekannten Trainer verpflichtet. Webers Fachkompetenz steht ausser Frage. Dennoch war er in den vergangenen neun Jahren vorwiegend ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung tätig.
Sein Leistungsausweis beinhaltet neben den frühen Stationen bei den ZSC Lions, in Langnau und bei den Lakers auch solche in der zweithöchsten Schweizer Liga sowie auf Klub- und Verbandebene in Österreich.
Für zwei Jahre hat Weber in Basel unterschrieben. Sein Auftrag: Das Team zurück in die Swiss League zu führen. Zurück ins Profieishockey, aus dem sich die Basler vor sechs Jahren aus finanziellen Gründen verabschiedeten.
Der Reiz des Projekts
Die Freude über die Zusage eines Coaches mit Renommee ist beim EHC Basel gross. «Mit Christian Weber haben wir einen äusserst kompetenten, erfahrenen und hoch motivierten Trainer verpflichtet», ist Sportchef Oliver Schäublin überzeugt.
Weber sagt derweil über seine Beweggründe, die Zelte in Österreich abzubrechen, er finde das Projekt in Basel interessant. «Es reizt mich, Teil davon zu sein. Ich wollte die Chance wahrnehmen, nochmals etwas in der Schweiz machen zu können. Hier habe ich die Möglichkeit, etwas aufzubauen.»
«Man muss aber Erfolg haben, damit das Volk ins Stadion kommt.»
Christian Weber
Die Vorwärtsstrategie des Vereins gefällt ihm. Weber schwärmt von den professionellen Strukturen, den Möglichkeiten, die sich deshalb bieten. Die Grundlage, um den nächsten Schritt machen zu können, sei vorhanden.
Und er ist überzeugt: Eishockey kann in der vom FC Basel dominierten Stadt eine prominentere Rolle einnehmen als jetzt. «Man muss aber Erfolg haben, damit das Volk ins Stadion kommt.»
Dafür soll der Nachfolger von Robert Othmann nun sorgen. Dessen Vertrag war vor wenigen Tagen nach nur einer Saison und trotz Einzug in den MSL-Final aufgelöst worden. Unter anderem auch darum, weil der beruflich stark engagierte und zudem in Burgdorf wohnende Othmann die vom Klub geforderten Ressourcen nicht immer aufbringen konnte.
Bei Profitrainer Weber fällt das Zeitproblem weg, bereits ist er für den Klub im Einsatz. In den letzten zweieinhalb Jahren waren die zwei Parteien immer wieder miteinander in Kontakt. «Aber es hat halt nie gepasst», sagt Weber.
Jetzt haben sie sich gefunden, ohne dass es in den letzten Tagen überhaupt zu einem Treffen gekommen ist. Alle Verhandlungen zwischen Sportchef Schäublin und dem über 100-fachen Schweizer Nationalspieler mussten per Telefon geführt werden.
Für Weber kein Grund, im ganzen Prozess auf die Bremse zu treten. Er sagt, er hätte sich nach dem Angebot schnell entschieden, den Schritt zurück in die Schweiz zu machen.
«Ich war völlig überrascht»
Die Entschlossenheit passt zu ihm. Der Elan, mit dem Weber neue Aufgaben anpackt, zeichnet ihn aus. Als er im Januar 2018 den umgekehrten Weg über die Grenze ging, hatte er ebenfalls nicht lange gefackelt. «Innerhalb von vier Stunden war alles über die Bühne», sagte er damals. Vorausgegangen war der «Hilferuf» eines langjährigen Bekannten. Der Lustenauer Klubpräsident Herbert Oberscheider stand plötzlich ohne Trainer da.
Zweieinhalb Jahre hat Weber in der zweitklassigen Alps Hockey League gearbeitet. In einer Liga, die belächelt wird. Und in einem Klub, in dem bis auf die ausländischen Verstärkungen alle Spieler Amateure sind.
«Ich kenne die Liga gar nicht.»
Christian Weber
«Sensationell» sei die Zeit gewesen, sagt Weber. Er verteidigt die Liga mit Verve. Die aus lauter Profis bestehenden italienischen und slowenischen Teams seien sehr gut. «Das Niveau wird unterschätzt. Ich war völlig überrascht, denn ich wusste vor meinem Wechsel ja nicht viel über die Liga.»
Auch die MSL ist für Weber Neuland. Er sagt ehrlich: «Ich kenne die Liga gar nicht.» Zumindest beim Auswärtsspiel gegen seinen Stammklub EHC Dübendorf wird er sich in vertrauter Umgebung bewegen können. Es dürfte für den Ur-Dübendorfer eine spezielle Rückkehr sein, wenn er «daheim» im Chreis mit dem EHC Basel gastiert.
